Soweit so gut, mit der Warterei muss ich mich wohl jetzt abfinden. Um das beste drauss zu machen freu ich mich jetzt dass ich durch die Umzüge bereits soviel von der Stadt sehen durfte. Hier übrigens ein paar Fotos vom Balkon meiner neuen Behausung an der Estación Urquiza.
Dienstag, 20. November 2007
Umzugsstress
Soweit so gut, mit der Warterei muss ich mich wohl jetzt abfinden. Um das beste drauss zu machen freu ich mich jetzt dass ich durch die Umzüge bereits soviel von der Stadt sehen durfte. Hier übrigens ein paar Fotos vom Balkon meiner neuen Behausung an der Estación Urquiza.
Wie seid ihr denn durch den TÜV gekommen?
Da heute einfach nur bombastisches Wetter war bin ich schon fünf Minuten vor der Ankunft meines Fahrers aus dem Siemensbürogebäude raus und hab mich ein bißchen in die Sonne gestellt. Plötzlich kam ein Polizeiwagen angedüst und blieb ziemlich genau vor mir stehen. Einer der Polizisten die im Auto sassen stieg nun also aus und marschierte schnurstracks zur Siemenspforte und wurde auch sogleich eingelassen.
Da ich ja sowieso noch warten musste schaute ich mir den Polizeiwagen mal etwas genauer an. Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen war das gute Stück nicht gerade im besten Zustand und die Klimaanlage durch ein vollständiges Fehlen der Heckscheibe völlig ueberflüssig gemacht ... *ha, ha* ... und als der Polizist dann auch noch mit einem ominösen Päckchen in der Hand wieder aus dem Siemensgebäude kam war die Mafiageschichte in meinem Kopf bereits fast fertig gesponnen.
... und während ich mir noch meine Gedanken machte und schmunzelnd in der Sonne stand brauste das kuriose Gefährt bereits um die nächste Ecke ...
Sonntag, 18. November 2007
Erholungswochenende
An der Casa Rosada angelangt - dem Arbeitsplatz der neuen argentinischen Präsidentin Christina Kirchner - hab ich mir dann erstmal ein Spektakel der besonderen Art angesehen: eine Gay-Parade in dem doch sonst noch recht konservativen Land Argentinien. Ich muss ehrlich sagen, die Jungs und Mädels haben sich einiges einfallen lassen um aufzufallen. Leider hab ich mich nicht getraut zu fotografieren, sonst würdet ihr jetzt einiges zu sehen bekommen. ;-)
Weiter ging es dann in Richtung des Obelisco.. hab dann erstmal stilecht einen Mate und eine Bombilla erstanden (zu Erinnerung das ist das Zubehör für das klassische Mate-Tee-Getränk das die Argentinier hier normalerweise ständig zu sich nehmen).
Das werde ich morgen in der Arbeit gleich mal einweihen! Hab noch so einige ander Kuriositäten bewundern können und hab mir dann erstmal was zu Essen gegönnt. Und wie froh war ich doch als ich ein Restaurant mit Comida Chino entdeckt habe wo es sich mehr um Gemüse als um Fleisch drehte. Nach dieser Stärkung bin ich dann zufrieden und satt erstmal ins Hotel und kam via Skype auch meinen sozialen Bedürfnissen nach .. Sonntag ging es dann erstmal nach Palermo zu Guille, von dort aus mit Mate bewaffnet zusammen mit Eric (ein Argentinier der die letzten fünf Jahre im Exil in Dänemark wohnt) and die Costanera Sur. Dort hieß es dann erstmal chillen, chillen, chillen. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hab ich mich von den beiden verabschiedet und bin direkt zu Arne gefahren um in San Telmo noch etwas zu essen. Wir waren um 20 Uhr bei ihm verabredet. Mannomann hat der große Augen gemacht als ich um 19.59 Uhr tatsächlich auch schon vor seiner Tür stand. Er hat sich offensichtlich schon an die polychrone Zeitauffassung hier gewöhnt ;-) Während ich mir die saucoole Altbauwohnung (ich sag nur: 5 m hohe Decken, Stuck, Kronleuchter, Dielenboden und Antiquitäten) eingehend inspizierte und fotografierte hat er sich dann auch fix fertig gemacht und wir sind auf zu unserem Ziel: ein organisches Restaurant. War dann auch sehr lecker und schön. Am Plaza Dorrego - mit tanzenden Tangopaaren unter freiem Himmel und Lifemusik aus vielen Kneipen gings dann mit dem Taxi wieder ab nach Hause. Da bin ich nun und werde gleich ins Bett gehen, morgen warten ja wieder große Heldentaten auf mich in der Arbeit ;-) - Gute Nacht!
Donnerstag, 15. November 2007
Schlaflos in Buenos Aires
Nach dem schönen Konzert von MIA in der Botschaft und der nachfolgenden Feiere in Puerto Madero war am Sonntag den 11.11.2007 dann erstmal etwas Ruhe angesagt. Zusammen mit Gustavo und Gaspar (Freunden von Guille) bin ich nach Palermo Soho wo wir - auf meinen Wunsch - erstmal lecker Indisch essen waren und anschliessend noch etwas durch das schöne Viertel spaziert sind.
Montag nach der Arbeit hab ich noch einen kurzen Abstecher zu Guille gemacht ... Dienstag gabs dann lecker Vietnamesisch im Sudestada ...
Mittwoch dann eine fantastische Spanischstunde mit meiner Lehrerin Bruna. Fantastisch deswegen, weil sie mir erstmal eine Einführung in die argentinische Lebensweise gegeben hat. Ein sehr gutes interkulturelles Training nachdem ich die letzten Tage schon einige Male etwas verwundert bis entsetzt war. Bin danach mit dem Zug nach Retiro um zu einem Tangokonzert zu gehen. Die Zugfahrt war zwar interessant, aber nochmal muss ich das nicht haben. Da bin ich nämlich ausnahmsweise wirklich mal aufgefallen. Und wohl war mir unter den doch offensichtlich weniger wohlhabenden - oder wahrheitsgemäß ausgedrückt armen - Menschen nicht. Willkommen in Südamerika! Hinter den doch oft relativ schönen Fassaden dieser Stadt verbirgt sich eben doch auch viel, viel Armut. Als dann der Zug tatsächlich 15 Minuten mitten auf der Strecke stehen blieb hatte ich echt schon ein bißchen Schiss. Die Stimmung wurde nämlich merklich angespannt und aggressiv. Zum Glück fuhr er dann doch wieder weiter und ich war echt erleichtert als ich aus dem Bahnhofsgelände raus war und im Taxi saß. Bin dann direkt ins ND Ateneo gefahren und hatte echt mal wieder richtig Glück. Das Konzert war eigentlich ausverkauft aber irgendein Typ hat mir eine Karte (beste Kategorie!!) in die Hand gedrückt und meinte die schenkt er mir, seine Freundin hat ihn gerade versetzt. Hab zwar erst recht erstaunt geguckt, aber ich hab sie dann dankend angenommen. Und das Konzert und die Show war mal echt der Hammer. "Otros Aires" (Elektrotangoband aus Argentinien) war mir von CDs zwar schon bekannt, aber life war das schon noch mal um einiges toller. Und richtig guten Tango bekam ich dort dann auch zu sehen! Sehr schön! Von der Atmosphäre hat es auch super gepasst, das Konzert fand in einem alten Kinosaal mit roten Plüschsesseln statt. Bin dann froh und gut gelaunt nach Hause gefahren ...

Donnerstag war dann das 4. Konzert innerhalb von 10 Tagen geplant. Nachdem ich MIA schon am Samstag in der Embajada Alemana gesehen hatte sollte es nun im Roxy sein. Da hier ja alles später anfängt und MIA planmäßig erst um 2:00 Uhr auftreten sollte hab ich einfach mal 4 Stunden vorgeschlafen. War wohl nicht das letzte Mal hier in Buenos Aires. In der Disco braucht man anscheinend vor 3 Uhr normalerweise eh nicht auftauchen. Und da denk ich normalerweise eigentlich schon wieder ans heimgehen..
MIA war auch dieses Mal wieder super! Fand auch die Siemens-Mafia mit denen ich an jenem Tag unterwegs war ;-)
... und am Freitag war ich froh, dass das Wochenende vor der Tür stand!
Montag, 12. November 2007
Reiseplanung
Was mir hier bisher so aufgefallen ist
2. In der Arbeit haben ganz viele Leute Thermoskannen vor sich stehen und trinken Mate. Will heißen: aus einer Kalebasse (Mate) wird mit Hilfe eines versilberten Quasi-Strohhalms das bittere Getränk regelmäßig dem Körper zugeführt. Mate ist ein in Südamerika weit verbreitetes Aufgussgetränk, das durch Aufguss kleingeschnittener trockener Blätter des Ilex paraguayensis gewonnen wird. Mate bezeichnet ursprünglich das Trinkgefäß (aus dem Quechua
Wer mehr darüber wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Mate
3. Die essen hier immer Weißbrot zum Essen - wie in Italien oder Spanien auch üblich
4. Mein Büro ist in der Gegend St. Martin, Ruta Ocho. Nicht gerade die beste Gegend (hier heissen die "Slums" uebrigens nicht "Favela" sondern "Villa" - und so bezeichneten meine argentinischen Kollegen auch die Gegend rund um Siemens), daher ist das Gelände auch umzaeunt und man sollte nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit hier sein. Will heißen: die arbeiten hier nicht soooo lang. Angeblich hat Siemens die Mafia hier vor Ort bestochen, deswegen ist zum Glück bisher fast nichts passiert. Ich freu mich aber daher schon ungemein, dass ich hier bald mit dem Colectivo (Bus) hierher fahren darf. Kann ja heiter werden ... Noch werde ich allerdings mit dem Remise-Taxi zwischen Hotel und Büro hin- und hergefahren.
5. In der Arbeit bekommt jeder lokale Mitarbeiter pro Monat ein Gutscheinheft im Wert von 280 Peso (umgerechnet ca. 60 Euro) das er in einigen Supermaerkten und Restaurants einlösen kann. Kommt daher, weil man in Argentinien ab einem bestimmten Einkommen prozentual höhere Steuern zahlen muss & daher wird ein Teil des Gehaltes durch diese Gutscheine ersetzt. Die sind nämlich komplett steuerfrei. Clever, oder? Könnten bei uns ja sowas wie ein Gutscheinheft für Schuhgeschaefte rausgeben... steuerfrei!
6. Bei mir im Büro arbeiten 80% Männer - aber das kenn ich ja schon. Ca. 50% der Mitarbeiter bei Siemens spricht zu meiner Überraschung Deutsch.
7. Es ist fuer die Jahreszeit sehr untypisch sehr kalt: 15-20 Grad oder so. Am Samstag soll es aber 29 Grad haben.
8. In der U-Bahn gibt es keine Klimaanlage: bin zwar erst zweimal damit gefahren, aber ich fand es da schon so unerträglich heiß, dass ich beschlossen habe im Sommer eher darauf zu verzichten.
9. Die meisten Argentinier bekreuzigen sich sobald sie an einem Kreuz vorbei fahren. Die überwältigende Mehrheit der Argentinier ist roemisch-katholisch.
10. Das Essen hier schmeckt meistens total fad. Außer Salz - und das wird auch kaum verwendet - kennen die hier anscheinend keine Gewürze. Muss mal im Supermarkt danach suchen. Hab beschlossen mir immer ein Würzdoeschen in die Kantine mit zunehmen.
11. Eine Busfahrt kostet umgerechnet 20 Cent - dabei spielt es keine Rolle wie weit man fährt, dafür kann man durchaus auch mal 1, 5h im Bus sitzen.
12. Die Inflation ist hier deutlich spuerbar.
13. Die Wahl Christina Kirchners zu Präsidentin wird von den gebildeten Bevoelkerungschichten als reine Farce wahrgenommen. In den anderen Gesellschaftsschichten ist Ms. Make-up aber dafür um so beliebter.
14. Buenos Aires liegt am Meer, aber davon sieht man normalerweise nicht sehr viel.
15. Die Umgangssprache hier heißt Lunfardo - und man muss hier immer aufpassen nicht in ein verbales Fettnäpfchen zu treten. Hier hat irgendwie alles zwei Bedeutungen und meistens ist eine davon nicht ganz jugendfrei.
16. In der Arbeit und der Kantine, in der Disco und im Café, im Schuhgeschäft und auf der Strasse - Lieblingsgesprächsthema ist hier generell: Liebe, Beziehungen, Sex, ... kein Wunder, dass zumindest ich mir da manchmal echt ganz schön auf den Schlips getreten fühle.
17. Anscheinend mache ich hier permanent einen sehr gestressten und nervoesen und ungeduldigen Eindruck, jedenfalls höre ich 20 Mal am Tag "tranquilo"
18. Ich sitze in einem Großraumbüro, verglichen mit dem das ich aus Santiago de Chile kenne hat hier aber jeder einzelne Mitarbeiter echt richtig viel Platz und es gibt auch keine Sichtschranken oder so wie in den USA.
19. Schönheit und wie man sich besonders schön machen bzw. halten kann ist sowohl für die Frauen als auch die Männer ein omnipräsentes Thema.
20. Ich weiß hier schon mehr über das Privatleben meiner Kollegen als in Deutschland nach 1,5 Jahren. Die Theorie von der High-Context Culture findet sich nun auch in der Praxis bestätigt. Dasgleiche gilt übrigens fuer das Thema "Polychronität" - schnell geht hier nix und wenn dann wird auch nicht eins nach dem anderen gemacht sondern alles auf einmal bzw. parallel. Wobei ich zugeben muss, dass trotz der Zeitverzoegerung alle Dinge meistens dann doch ganz toll hinhauen. Auch wenn ich mir schon manchmal gedacht habe: Wie soll dass denn hier alles überhaupt funktionieren?
Sonntag, 11. November 2007
MIA.
Ich bin immer noch total geflasht... war heute mit Gaspar, Gustavo und Matthias in einem sehr schönen Café im Herzen von Palermo Soho. Hab mir noch gedacht: Mensch, die zwei am Nebentisch sehen richtig nett aus. Bis ich dann mal einen genaueren Blick hingeworfen habe. Da saßen doch tatsächlich Mieze und Andi von MIA. Da waren sie also nun. Nachdem ich Mieze gestern am Sommerfest der deutschenu Botschaft schon hautnah beim Waffelessen zusehen konnte war ich doch jetzt zufällig - was ja in einer 13 Millionen Einwohnerstadt auch sehr selten ist - schon wieder so nah dran. Da ich schon gehört hatte dass MIA. diese Woche nochmal in Bs. As. spielen wird und ich es bisher im Internet noch nicht gefunden hatte fasste ich mir ein Herz und bin einfach mal zu den beiden hingegangen.
Da ich höflich sein wollte hab ich aber gewartet bis die schon die Rechnung hatten. Habe nun dann einfach mal gefragt ob sie nochmal spielen würden. Und die Mieze hat sooo süß reagiert. Erstmal hat sie mich gefragt was ich denn hier machen würde und wie ich heiße. Dass es ihnen total gut hier in Argentinien gefällt und dass sie gerne wiederkommen wollen. Dann hat sie einfach eine Seite aus ihrem Block gerissen. Mir Ort und Zeit des Konzertes und ne kleine Widmung draufgekrakelt und mir noch alles Gute für hier gewünscht. Mensch, die war echt so natürlich und lieb. Ich hätte sie am liebsten umarmt. Hat zwar erst echt Skrupel die beiden anzuquatschen, aber ich war wirklich sehr positiv überrascht. Echt sehr toll! Konnte dann ne ganze Stunde gar nicht richtig reden weil ich noch so beeindruckt war. Und auf das Konzert am Donnerstag geh ich natürlich auf jeden Fall!
Die erste Woche in der neuen Heimat
Tag 1 - 3:
Nach gut 16 h reiner Flugzeit bin ich dann am Samstag um 7:30 Uhr angekommen. Der Fahrer hat auch schon auf mich gewartet und mich zum Hotel gebracht. Bloederweise hatte die Sekretärin vergessen, denen zu sagen, dass ich schon recht frueh komme. Deswegen war kein Zimmer frei und ich musste drei Stunden warten bis ich in ein Zimmer konnte. Und weil die gar keinen richtigen Platz zum Warten hatten - ausser eine ranzigen Frühstücksraum bin ich erstmal superfrustriert gewesen. Bäh!!
Dann war ich irgenwann in meinem Zimmer und war erstmal schockiert wie laut es dort war - direkt an der Strasse kein Wunder. Habe mich dann doch nur geduscht und bin mit dem Taxi erstmal zu dem Freund den ich hier in Bs.As. habe - der war aber nicht da. Aber dafür eine Freundin aus Uruguay und ein Freund aus Ecuador. Mit denen bin ich dann erstmal durch die Stadt gelaufen und habe mir noch ein paar Sachen angeguckt.
Und mich ueber Gott und die Welt, Politik, die Unterschiede der einzelnen Länder Suedamerikas etc unterhalten - natürlich auf Spanisch. Irgendwann ist dann auch mein Freund aufgetaucht und wir haben bei ihm noch Tee getrunken. Mmh, aber dann kam es:
hatte ploetzlich furchtbare Magenschmerzen und konnte mich kaum noch ruehren. Mir war schwindelig etc. habe mich dann erstmal bei ihm kurz hingelegt. Da es nicht besser wurde habe ich dann erstmal am Samstag bei ihm uebernachtet und mich am Sonntag von ihm und seinem Mitbewohner pflegen lassen. Mir ging es aber auch echt nicht so gut. Naja, am Montag bin ich dann abgeholt worden und in die Arbeit. Weniger verwunderlich, dass die noch keinen Plan haben was ich jetzt eigentlich mache. Irgendwas in Richtung Controlling. Doof nur, dass die Frau die mich einarbeitet jetzt erstmal weg ist für zwei Wochen. Wurde allen vorgestellt und die sind auch sehr nett alle. Bin dann um halb sechs wieder mit dem Fahrer ins Hotel gebracht worden und habe mir dann in einem schönen Gartenrestaurant Kuerbisgnocci bestellt und die Leute angeguckt. War dann auch um neun schon so muede, dass ich ins
Bett gefallen bin.
Zum Glück konnte ich vorher noch das Zimmer tauschen und es war etwas ruhiger. Und noch was: erster Start in die Unabhängigkeit mit einer argentinischen SIM-Karte!
Tag 4:
Meine Erlebnisse mit dem argentinischen Zoll.
In Deutschland habe ich cleveres Kerlchen mir ja überlegt, dass es viel günstiger und praktischer ist einen Großteil meines Gepäckes per Spedition nach Buenos Aires zu schicken. Die beiden Koffer kamen auch sehr pünktlich an und ich wollte dann den Kram am Dienstag mit meinem Fahrer abholen. Geht bestimmt ganz easy und schnell dachte ich mir - so hatte es mir ja auch die freundliche Dame der Spedition in Deutschland versprochen. Ha, ha. Wäre ja langweilig wenn es so einfach ginge.
Mein Fahrer hat mich also morgens im Hotel abgeholt. Ich sagte extra nochmal, dass wir erst zum Flughafen müssen und Koffer aus dem Zoll holen bevor wir weiter zum Büro können. Ja, ja, sagte er und düste los. Nach 20 Minuten hab ich mich schon gewundert warum wir eigentlich immer weiter in die Stadt reinfahren statt in die Gegenrichtung - der Flughafen war doch gar nicht im Zentrum? Tja, der internationale Flughafen ist auch tatsächlich außerhalb der Stadt, nur der Heinzi hinterm Steuer hatte leider verstanden, dass wir zum Inlandsflughafen wollen - und der liegt im Zentrum. Als das Mißverständnis aufgeklärt war ging es dann wieder in die andere Richtung, dieses Mal zum richtigen Flughafen. Aus irgendwelchen Gründen dachte ich, dass so ein Taxifahrer wüsste wo am Flughafen der Zoll ist. Tja, wieder Pustekuchen. Der Heinzi kannte sich überhaupt nicht aus. Gar nicht. Und statt das zuzugeben hat er mich mit meinen Highheels quer durch den Flughafen geschleppt. Bis es mir zu blöd wurde und ich einfach mal gefragt habe wo wir hin müssen.
Als wir dann endlich am Zoll waren hat das ganze Procedere dennoch den ganzen Vormittag benötigt, da ich ständig zwischen Büro 1, 2, 3, 4 hin und her geschickt
wurde um irgendwelche Stempel, Unterschriften oder Dokumente zu holen.
Wahnsinn diese Bürokratie! Irgendwann musst ich echt lachen weil es so
behämmert war. Und dann bin ich um 13 Uhr in der Arbeit gewesen.
Abends war ich mit meiner deutschen Kollegin Bianca und ihrer Spanischlehrerin Bruna (die jetzt auch meine ist!) im Barrio Chino. War lecker, aber lang nicht so scharf wie ich asiatisches Essen bisher kenne.
Und ein echtes Highlight: ich habe entdeckt, dass ich im Hotelzimmer W-Lan habe! Welch eine Freude in der Fremde!
Tag 5:
Arbeit, Besuch aus Deutschland Rolf,kampfe mit der Reisekostenabrechnung, Abendessen im Nudelrestaurant, ziemlich doofer Tag, Wohnungen angeguckt, die Traumwohnung gefunden, die aber über dem Budget liegt ...
Tag 6:
War auf der grössten Elektro- und Lichtmesse hier in Argentinien, Name: BIEL. Lerne wieder 1000 Leute kennen, recht interessant, vor allem die Hostessen die unglaublich krasse Ausschnitte und um so kürzere Roecke tragen.
Abends mit Guillermo treffen und nach San Telmo fahren, dort mit seiner Cousine aus Paris Luis und dem Cousin Federico (den ich auch noch von vorher kenne) ein, mit der Ubahn, die jetzt im Frühjahr schon so heiss ist dass ich mir nicht ausdenken möchte wie es im Sommer sein wird, und eng war es, sauschönes Gitarrenkonzert auf franzoesischer Sprache hören, da ich fast einschlafe, dann durch die ganze Stadt mit dem Taxi heim.
Tag 7:
Habe mich für eine Wohnung entschieden. Lustigerweise wohnt im gleich Apartmenthaus der gleiche Siemensianer mit dem ich mich heute noch treffen werde. Ja, ja. Das wird heute Abend gleich noch gefeiert. Endlich wieder gute Laune und heute wurde mir auch total viel erklärt, von zwei Kaufleuten parallel. Abends hab ich mir dann mein 1. Steak hier gegönnt. Ja, es war lecker!!
Tag 8:
Am Samstag hab ich mich nach 2 h Skypen zum Sommer-Fest der Botschaft Deutschlands aufgemacht. Mein Ziel: das MIA Konzert. War richtig toll & ich habe neben der Siemens-Mafia vor Ort auch noch einige andere nette Menschen kennen gelernt. Abends dann noch ein Abstecher nach Puerto Madero. Dem entzwischen superchicen und modernen Hafenviertel. Fotos werden folgen ...
Retrospektive
... und endlich komm ich mal dazu ein paar Zeilen über das Erlebte in den Computer zu tippen.
Aus Gründen der gewissenhaften Blogführung hier zunächst eine kleine Retrospektive ... schließlich gab es vor dem Ankommen hier in Südamerika auch noch Momente des Abschiednehmens in Deutschland.
Nach vier sehr erlebnisreichen und intensiven Wochen in Deutschlands Hauptstadt Berlin - in denen nicht nur gepaukt (interkulturelles Training, Spanisch, internationale Rechnungslegung und allerlei mehr) sondern auch ordentlich gefeiert und gelacht wurde ging am 29. Oktober erstmal gen Erlangen.
Der Abschied fiel wirklich nicht leicht, in den vier Wochen hatte ich so manche Person richtig ins Herz geschlossen und das mulmige Gefühl in Anbetracht der bevorstehenden Reise wollte gar nicht mehr aufhören. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto vor der Weltkarte (jeder war mit seinem Konterfei darauf verewigt - und ich erschreckend weit weg von allen anderen) war dann aber wirklich die Heimfahrt angesagt. Christian und Elisabeth waren meine netten Mitfahrer im Auto und haben mich bis fast vor Susanns Haustür noch begleitet.
Bei Susann angekommen musste ich natürlich erstmal die ganzen vier Wochen Revue passieren lassen - wie sollte es bei Frauen auch anders sein. Spät wurde es zwar nicht an diesem Abend, aber ich war so totmüde, dass ich gleich an Ort und Stelle eingeschlafen bin - nämlich auf Susanns Sofa ;-).
Am nächsten Morgen - also am Dienstag - hab ich mir dann erstmal eine 90 Minuten Thaimassage bei meiner Lieblingsthaifrau gegönnt - dankbarerweise muss erwähnt werden dass dies großzügig von meinen ehemaligen Arbeitskollegen unterstützt wurde.
Danach ging es dann asiatisch weiter: mit dem offiziellen Büro-Abschiedsessen bei dem Asiaten meiner Wahl. Bin danach nochmal "kurz" in die Arbeit geschlappt, hab meine emails runtergeladen und mich vorallem auch nochmal von den meisten meiner Kollegen verabschiedet.
Nach einem Abstecher bei Eva, Olli und Hannah-Lucia ging es nach einer weiteren Nacht bei Susann erstmal zum Flughafen um meine 43 kg Gepäck aufzugeben. Puh, weitere 25 kg kamen dann noch dazu - die hab ich aber "am Mann" nach Buenos Aires transportiert. Zu Hause angekommen war meine Batterie dann erstmal leer. Hab die letzten drei Tage unglaublich viel geschlafen, gegessen und nebenbei ein bißchen gepackt. Das Wetter war ja nicht so toll und der nieselige, kalte Novemberanfang machte mir das Adieu sagen dann doch recht einfach. Der Abschied von meiner Familie war demnach dann kurz und schmerzlos und am Freitag den 02.11.2007 sass ich dann irgendwie völlig teilnahmslos im Zug nach Frankfurt: Die Reise begann.
Nach einem arschlangen Flug (um genau zu sein 16 h + 3 h Aufenthalt in Milano) kam ich Samstagmorgen um kurz nach 7:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein und ca. 20 Grad am Flughafen Ezeiza in Buenos Aires an. Nach dem Gepäckcheck und der Immigration konnte ich dann am Ausgang schon meinen Fahrer entdecken. War mir alles ja irgendwie schon bekannt. War ja schließlich schon einmal da gewesen ;-)
Am Hotel "Cabildo Suites" angelangt dann erstmal eine böse Überraschung: ich musste vier Stunden warten bis mein Zimmer frei wurde. Leider hatte keiner Bescheid gegeben dass ich schon so früh komm. War ehrlich gesagt dann auch erstmal ganz schön frustriert und dachte mir: ist ja ein echt "herzliches Willkommen".
Naja, was solls, irgendwann war das Zimmer frei und ich bin dann nach einem Sprung unter die Dusche erstmal mit dem Taxi gen Guillermo (mein Kumpel hier in Buenos Aires) gefahren.
Dienstag, 6. November 2007
Poesie
S T U F E N
(von Hermann Hesse)
Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!



