Mittwoch, 26. Dezember 2007

Entre Rios - Victoria

Sonntag bin ich mit Guillermo, seiner Cousine Irene und seinem Vater in seine Heimatstadt Victoria in Entre Rios gefahren. Die Stadt ist zwar nur 300 km von Buenos Aires entfernt, aber dank strömenden Regens haben wir für den Weg über 5 h gebraucht. Dort angekommen erstmal großes "Hallo" beim Rest von Guillermos nicht gerade kleiner Familie. Abends sind wir noch ein bißchen in der Dorfkneipe unterwegs gewesen und sind dann früh ins Bett. Am nächsten Tag hat mich Guille auf sein Motorrad gepackt und es ging aufs Landgut seines Vaters ...



... ja, ja, ein Schelm der böses dabei denkt. Bei Mate und Sonnenschein haben wir uns lange über Gott und die Welt unterhalten bevor es wieder zurück ins elterliche Haus ging. Ach ja, da war ja noch was geplant für diesen Tag: war ja der 24. Dezember. Aber davon hat man nix mitbekommen. Die Geschäfte waren bis 20 Uhr geöffnet und keiner machte Anstalten dass es jetzt bald los ging. Um 21 Uhr war es aber dann doch soweit und wir sind mit Jeeps im Konvoi über Schotterpisten zu Guilles Onkel (?) gefahren. Der ist eigentlich Argentinier wohnt aber mit seiner italienischen Frau Carmen in Lausanne in der Schweiz. Wir 24 Leute - Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, Freunde und Bekannte - waren eine bunte Mischung aus verschiedenen Ländern: Frankreich, Italien, Schweiz, Ecuador, Argentinien und Deutschland. Dementsprechend war das Stimmengewirr... Das Fest war alles andere als weihnachtlich, nicht einmal einen Christbaum gab es. Eigentlich ging es mehr darum, das Haus oder vielmehr den Palast des Gastgebers samt des davorstehenden Geländewagens (ja, ja, der gute Hummer) zu präsentieren. Nach dem Champagnerempfang gab es ein reichhaltiges Asado, gekrönt vom "Frohe Weihnachten!" Wünschen um Punkt 24 Uhr (war das nicht an Sylvester???) und Geschenke verteilen. Als ich eigentlich schon dachte der Höhepunkt wäre schon erreicht gab es allerdings noch eins drauf: ein Feuerwerk!
Mmh, das war also mein Weihnachten...

Am nächsten Tag habe ich lange ausgeschlafen und bin mit Guillermos Cousine Florencia zum Wasserskifahren auf den Rio Parana.. ihre Schwestern und Schwäger - wie sollte es auch anders sein - waren auch da ;-) Das war sehr schön! Und die Argentinier sind wirklich alle sehr, sehr gastfreundlich und interessiert! Abends habe ich mit Guillermos Eltern Abend gegessen und lange über die Argentinien und Deutschland an sich gesprochen. Sehr interessant!

Heute war ich dann erstmal mit Florencia schwimmen und dann auf dem Hof von ihrer Mutter... siehe Bilder...



Entre Rios


Morgen fahr ich dann mit Guilles Schwester Trinidad nach Rosario - Geburtsstadt Che Guevaras, nur so nebenbei - und bleib dort bis Freitag in ihrer Studentenbude.

Samstag, 22. Dezember 2007

Die Zeit vor dem Jahreswechsel ...

Bewusst schreibe ich nicht Vorweihnachtszeit, von weihnachtlicher Stimmung nehme ich hier außer ein paar verwaisten Christbäumen nämlich nicht gerade viel wahr. Es ist einfach zu warm und Weihnachten wird hier in Argentinien - jedenfalls habe ich das Gefühl - auch weniger wichtig genommen als der Jahreswechsel an sich. So hiess Feier, die Siemens in den letzten Tagen noch für alle Mitarbeiter hier in Buenos Aires organsiert auch nicht "Weihnachtsfeier" sondern "Fiesta del fin de Ano", also Jahresendfeier. Sei es drum, gefeiert wurde trotzdem und zwar ordentlich! Am Hafen von Buenos Aires "Puerto Madero" war zu diesem Anlass ein Saal mit dem wohlklingenden Namen "Madero Tango" angemietet wurden und bei sommerlichen 30 Grad wurde zu Häppchen, Champagner und einer Fünfminutenrede des Siemens-Argentinien Chefs bis in die Morgenstunden gefeiert - bei fetziger Lifemusik und Tombola. Ach ja, sogar Wahrsagerinnen hatte mein Arbeitgeber angeheuert, sehr witzig ;-)

Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, dass die Argentinier recht wenig Alkohol trinken, die sind auch so schon super drauf! Grosses Kompliment an meine Gastnation!


Zeit vor dem Jahreswechsel



Sonst habe ich die letzten Tage viel mit Guillermo und seinen Freunden mal auf dem Land mal im Theater verbracht. An das Leben könnte ich mich gewöhnen...

Ausserdem habe ich letztes Wochenende gleich zweimal ein ganz tolles Tango-Theater-Tanz-Festival besucht (Cambalache) und war inzwischen immerhin auch zweimal auf einer Milonga. Aber wer jetzt schon denkt ich hätte mich mit heissen Tangotänzern vergnügt muss ich leider enttäuschen. Ich wurde zwar aufgefordert, aber das erste Mal von einer feurigen rothaarigen Österreicherin und das zweite Mal von Ricardo. Der hat mir auch gleich seine Telefonnummer zugesteckt und wir haben uns auch den Rest des Abends noch blendend unterhalten. So, und jetzt kommt der Haken: Der Gute ist 84 Jahre alt... Aber getanzt hat er wie ein junger Gott ;-) - hat ja schon mehr als 60 Jahre Erfahrung.

letzten Mittwoch habe ich mir mit Arne dann eine Weinprobe eines Weingutes aus Mendoza gegönnt. Die Weine waren fantastisch! Und noch viel besser die Atmosphäre.
Wir waren mitten im Zentrum im 21. Stockwerk und zufällig waren gleich drei Feuerwerke in der Nähe und der Obelisk in der Avenida de 9. Julio hell erleuchtet zum Greifen Nahe. War schon eine sehr besondere Atmosphäre! Und wir haben den Wein tatsächlich "nur" degustiert, daher war ich danach fast noch nüchtern und das Aufstehen am nächsten Morgen nicht allzu schwer.

So, und heute hat nun mein Urlaub angefangen... War am Freitag nach der Arbeit erstmal sehr froh, dass ich mich eine Woche nicht damit beschäftigen muss. Den letzten Tag haben meine Kollegen und ich aber ohnehin schon mit Mate trinken und unterhalten zugebracht. Heute war ich dann erstmal ausgiebig shoppen. Eigentlich wollte ich zwar nur noch was für Guille zu Weihnachten besorgen, aber auch für mich war ich dann noch äusserst erfolgreich. Nach der kleinen Tour durch die Stadt hatte ich in vier Stunden 8 (!) Paar Schuhe [mein persönlicher Rekord], 5 CDs, 6 Oberteile, 1 Kleid, äh, einen Haufen Unterwäsche und noch lauter Kleinkram eingekauft. Kam mir vor wie ein Packesel als ich schliesslich in meine Wohnung getaumelt bin.. aber jetzt freut sich die erfolgreiche Jägerin und Sammlerin natürlich über ihre neuen Schätze!!!

Morgen geht es dann mit Guille und seinem Vater auf nach Victoria in der Provinz Entre Rios wo ich Weihnachten und die Tage danach mit Guilles Familie verbringen werde. Freu mich schon! Bericht folgt ...

Dem Rest der Welt ein Frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Jahr 2008!

Montag, 10. Dezember 2007

Cristina Fernández de Kirchner

Heute wurde Cristina Kirchner offiziell als Präsidentin Argentiniens vereidigt. Am Plaza de Mayo - dort hat sie offiziell von ihrem Mann, der vorher der Präsident war, Amt und Würden übergeben bekommen - war ultraviel los und in den Nachrichten war es natürlich auch das einzige Thema. Cristina Kirchner hatte im Oktober als erste Frau in dem südamerikanischen Land die Präsidentschaftswahl gewonnen.

Aus diesem Anlass hatten alle öffentlich Angestellten gleich mal einen Tag frei heute. Gilt natürlich für Firmen nicht ...

Die 5. Woche

Die Woche nach meinem Rio-Ausflug war relativ ruhig. Am Mittwoch waren Kira, Stefan, Marina, Arne und Marco bei mir - wie sollte es auch anders sein - zum Sushi-Essen. Donnerstag war dann Kurs-Tag: erst Spanisch und anschliessend noch eine Stunde Tango bei Sabrina. Freitag bin ich dann gleich ganz zu Hause geblieben.

Auf das 1. Wochenende in meiner Wohnung hatte ich mich sowieso schon richtig gefreut. Samstag morgen habe ich dann erstmal einen Großeinkauf gestartet (Putzmittel, Essig, Öl und so weiter), praktischerweise wird einem das von den Supermärkten alles nach Hause geliefert. Also auch ohne Auto alles kein Problem hier! Anschliessend war ich mit Arne Shoppen in Palermo Viejo. Wurde auch fündig ;-)
Danach ging es zum "Hipodromo de Argentina" zum Pferderennen. Mmh, ich glaub soviele Rentner auf einem Haufen hab ich selten gesehen ;-)







Anschliessend haben wir uns noch auf die Dachterrasse gesetzt und ein klassisches Freiluftkonzert bei mir in der Nähe am "Plaza Italia" bewundert - krönender Abschluss: ein Feuerwerk.



Danach noch auf eine Einweihungsparty und irgendwann auch mal in die Heia.

Am nächsten Morgen hat mich ein extrem gut gelaunter Guille mit dem Auto abgeholt. Ehrlich gesagt wusste ich mal wieder nicht wohin wir eigentlich fahren... nun, wie sich dann später rausstellte sind wir aufs Land, Richtung Pilar im Norden von Buenos Aires gefahren. Dort feierte Guilles Cousin seinen Geburstag. Mit Asado und Pool und witziger Latinomucke. Da wir dort Freunde von Guille trafen fuhren wir anschliessend zu sechst noch in das "Country House" von Gustavos Eltern. Die etwas besser gestellten Portenos (Bewohner von Buenos Aires) haben fast alle ein Haus auf dem Land in das sie am Wochenende aus der lauten Stadt flüchten. Ich fand besonders schön, dass wir (die Eltern, die Oma, die Nachbarn und wir jungen Leute) einen ganzen Nachmittag bzw. Abend zusammen verbrachten und über Gott und die Welt gesprochen haben. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Zurück ging es dann erst nach zwölf, wir haben noch in Gustavos Geburstag reingefeiert...



Dienstag, 4. Dezember 2007

Rio de Janeiro

Nach Knüpis lustiger Abschiedsfeier im Palacio Paz (superschöne Location!!! http://www.buenosairesantiguo.com.ar/palaciopaz/index.html) und dem wohl stärksten Wodka Redbull meines Lebens ging es mit dem Taxi Donnerstag Nacht nach Hause. Dann erstmal noch ein paar Sachen packen und eine Mütze Schlaf ergattern bevor es im Sonnenaufgang zum Flughafen Ezeiza ging. Dort hab ich dann erstmal schlaftrunken eingecheckt und meine Rest-Euros in Real umgetauscht und los ging das Abenteuer "Rio de Janeiro" (portugiesisch für Fluss des Januars).



Nach drei Stunden Flug kam ich in Brasilien am Internationalen Airport an, musste mich erstmal durch die obligatorische Immigration quälen und bin schliesslich nach einigen Verhandlungen in einem "Taxi comun" gelandet das mich direkt zu Ralfs Hotel bringen sollte. Alleine diese Fahrt war schon sehr interessant. An den Hängen der Stadt befinden sich die aus ärmlichen Behausungen bestehenden Gebiete, die als Favelas bekannt sind, während die vornehmeren Wohngebiete im Süden (also am Meer), nahe den Stränden an der Atlantikküste, wie Copacabana , Ipanema und Leblon liegen. An denen sind wir auch vorbeigefahren. Irgendwie komisch. Die grösste Favela Südamerikas "Rucinha" lag auch auf dem Weg. 250 000 Menschen leben da. Wie die Menschen sich dort mit Wasser und Strom versorgen ist eigentlich ein Rätsel. Der Versorgung der Stadt sind sie jedenfalls nicht angeschlossen. Und das sind auch die Teile der Stadt, die Rio den zweifelhaften Ruf eingebracht haben. Als ich bei Ralf ankam fühlte ich mich aber eher wie in Miami am Strand. Nachdem ich mich kurz bei umgezogen hatte bin ich auch gleich mal dorthin gestapft. Ralf musste ja noch arbeiten und ich wollte mich währenddessen noch am Meer verlustieren. Das hab ich auch gemacht wie man sieht - und die Kokosmilch war ein Traum!!!





Als mein Gastgeber schliesslich von der Maloche kam wurde auch nicht lang gezaudert und am Meer entlang ging es mit dem Auto schnurstraks in Richtung Ipanema und Copacabana. Was soll ich sagen? Ja, Rio de Janeiro ist definitiv einer der schönsten Städte der Welt. Die Mischung aus fast weissem Sandstrand, türkisblauem Wasser, den Bergen im Hintergrund und den fast immer lachenden Menschen hier hat einen einzigartigen Charme. Wahnsinn, wirklich wahnsinn! Ralf hat mir unglaublich viel gezeigt und erklärt. Das jetzt alles wiederzugeben würde euch wohl langweilen, ihr müsst einfach selbst mal hierher kommen ;-)!
Nach einer Tour durch die Innenstadt und einer Runde Angeln haben wir uns auf dem Weg zum Essen gemacht. Es gab Buffet, damit ich alles einfach mal probieren konnte. Und es war sehr lecker! Wie auch die Argentinier essen die Brasilianer sehr gerne Rindfleisch, also fiel zum Glück schonmal die Häfte der Auswahl raus. Aber dann gab es ja noch den Fisch, die scharfen Speisen aus dem Norden und allesmögliche Andere. Den 1. Caipirinha gab es auch: der Klassiker mit Limette. Mmh! Nach einem kurzen Abstecher zu Hause ging es dann auch schon weiter zu einer Bar mit Lifemusik. Rio ambiente oder so hiess es. Sehr cooles Ding. Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei ;-) und meinen Lieblingsdrink hab ich jetzt auch gefunden: Maracuja - Caipirinha.
Da wir am nächsten Tag jede Menge vor hatten ging es dann auch schon recht bald nach Hause.

Nach dem Aufstehen fuhren wir erstmal Sightseeing machen im Supermarkt: riesengroß und im Gegensatz zu Argentinien gibt es sogar Naturjoghurt und noch viel besser: alle möglichen exotischen Früchte. Hab mich auch gleich mal eingedeckt. Nun ging es direkt zur Christusstatue, eines der berühmten Wahrzeichens Rios, die sich auf dem Corcovadoberg (ca. 700 m hoch) befindet - zu erreichen mit einer richtig urigen Bergbahn. Die Statue ist 30 Meter hoch, steht auf einem 8 Meter hohen Sockel und wiegt 1.145 Tonnen. Wir hatten eine gigantische Aussicht da das Wetter für uns Glückskinder mitspielte. Nach dem anstrengenden Anstieg *ha, ha* gab es dann erstmal einen frischen Mango-Maracujadrink und einen sehr leckeren tropischen Fruchtsalat.
Ralfs Auto haben wir gut bewacht durch unsere "Freunde" auch gleich wieder gefunden und wir sind in Richtung Lapa bzw. St. Teresa gefahren. Eigentlich wollten wir über das städtische Aquädukt mit der Bimmelbahn fahren.





Sind aber dann doch erstmal in ein Fischrestaurant von Ralfs Bekannter Marina gegangen und haben uns gestärkt. Nach dem zweiten Bier und aufgezogener Bewölkung und Nieselregen haben wir das Vorhaben erstmal auf den nächsten Tag verschoben. War aber sehr lustig: Mirana hat mich auf portugiesisch vollgequatscht und ich habe auf spanisch geantwortet. Irgendwie haben wir uns verstanden ;-)
Sind dann erstmal heim zum frisch machen und eine Runde Schlaf nachholen. Anschliessend ging in die nächste Bar mit Life-Musik - und da war der Maracuja - Caipi auch sehr lecker! Nach einem kleinen Imbiss ging es dann um 5 Uhr auch schon nach Hause. Wir haben uns dann aber erstmal noch auf den Balkon gesetzt und den Sonnenaufgang am Meer bewundert. Schöööööööön! Irgendwann - lassen wir es halb acht sein - ging es dann doch endlich mal in die Kajüte.. da war ja noch was für morgen geplant ;-)

Nach einem morgendlichen Vitaminstoss (Papaya, Maracuja, Feige und Mango) fuhren wir frohen Mutes zum Zuckerhut.



Der "Zuckerhut", ein Wahrzeichen Rio de Janeiros, ist ein 394 Meter hoher Granitfelsen, der der Stadt auf einer Halbinsel im Atlantik, in der Guanabara-Bucht gelegen, vorgelagert ist. Er wird in Brasilien "Pão de Açúcar" (wörtlich Zuckerbrot, der portugiesische Begriff für Zuckerhut) genannt, weil er die Form desselben hat.

Auf den Gipfel des Berges führt eine Drahtseilbahn ("O Bondinho"), ihre Kabine ist rundherum aus Glas, so dass man schon während der Auffahrt den Felsen sehen kann. Der erste Streckenabschnitt der Seilbahn wurde am 27. Oktober 1912 fertiggestellt, doch erst der zweite Abschnitt, der 1913 fertig wurde, führte bis auf den Gipfel des Berges.



Die steilen Drahtseile der Bahn wurden auch schon für artistische Künste benutzt. 1967 fuhr beispielsweise ein Deutscher mit einem Motorrad die Seile hinauf und im Jahre 1977 balancierte der US-amerikanische Drahtseiltänzer Steven McPeak bis zum Gipfel. 1979 war der Berg Kulisse eines Kampfes zwischen James Bond (Roger Moore) und Beißer (engl. Jaws), gespielt von Richard Kiel, im Film "Moonraker - Streng geheim".

Auf der südlichen Seite des "Zuckerhuts" befinden sich die Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon bis hin zum Felsen von Gávea. Auf der nördlichen Seite liegt die Bucht von Guanabara mit den angrenzenden Stadtvierteln Botafogo, Flamengo, Ilha de Governador bis hin zum Hügel "Dedo-de-Deus" bei Teresópolis. Im Westen steht die Christusstatue auf dem Corcovado.

Leider war das Wetter nicht so überragend. Deswegen ging es nach kurzem Aufenthalt auch schon wieder runter und dann leider auch nicht zur Bimmelbahn sondern zu einem brasilianischen Markt ein bißchen ausserhalb. Puh, und das war dann echt ganz schön krass. Brasilianer sind übrigens ganz schön dick, durchschnittlicher vermutlich 10 kg mehr als die Argentinier und ich weiss jetzt auch woher das kommt: Fleisch, Fleisch und Fleisch und dazu Bier in rauhen Mengen. Was die Kleidung angeht kennen die ja in Brasilien auch keinen Schmerz. Desto dicker die Oberschenkel desto kürzer die Hotpants. Und gefeiert haben die wie die Weltmeister, eng tanzen und grapschen inbegriffen. Ich hab mich da mal schön rausgehalten und mir im nachhinein gedacht ein Ausländer auf dem Oktoberfest könnt sich ähnlich fühlen. Naja, ich war froh als wir wieder daheim waren.

Wir haben uns dann noch einen Film reingezogen und geratscht. Montag morgen ist mein Gastgeber dann brav in die Arbeit und ich erstmal an den Strand. Nach einer Runde baden und Sonne tanken hab ich meine sieben Sachen gepackt und bin mit dem Taxi zum botanischen Garten. Traumhaft!

Als ich ankam hat es zu regnen begonnen, eh ich es mich versah hat mich aber ein brasilianische Reisegruppe mit ihrem Golfwägelchen aufgegabelt und ich wurde durch den Park kutschiert. Sehr angenehm ;-)

Der Botanische Garten, Anfang des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung des Prinzregenten Johann VI. angelegt, ist eine der bedeutendsten Grünflächen der Stadt. Darin gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten, darunter das "Kuhlmann-Museum", den Sitz der Gartenverwaltung, das Portal der früheren "Academia Imperial de Belas Artes" (Kaiserliche Akademie der Schönen Künste), die nach Zerstörung des Gebäudes von Grandjean de Montigny (1772-1850) in den 1930er Jahren hierher verlegt wurde, sowie die frühere Schießpulverfabrik. In der Nähe befinden sich der "Horto Florestal", die Baumschule, sowie der "Solar da Imperatriz", das ehemalige Palais der Kaiserin (an der Estrada Dona Castorina).

Nun war leider schon das Ende meiner Reise da. Ich bin mit dem Taxi zurück zum Flughafen, hab noch ein paar Fotos vom Christbaum auf dem See von Rio geschossen und bin dann nach einiger Warterei mit dem Flugzeug zurück in mein geliebtes Buenos Aires. Und es hat sich tatsächlich angefühlt wie heimkommen. Nach vier Tagen nix verstehen war ich froh wieder eine vertraute Sprache zu hören. Das ist auch mein Fazit: Rio de Janeiro ist unglaublich schön, wohl wirklich die schönste urbane Zone dieser Welt, man findet eine ganz einzigartige Atmosphäre fast überirdisch. Nur leben möchte ich dort nicht. Vielleicht wegen der allgegenwärtigen Bedrohung, vielleicht weil ich die Sprache nicht verstehe und vielleicht auch weil mir diese geballte Körperlichkeit und Lust auf Dauer zu viel wäre.

Vielen Dank auf jeden Fall an meinen Gastgeber! Der beste Reiseführer aller Zeiten.

Noch ein paar Infos am Rande:
Rio de Janeiro ist mit 6,1 Mio Menschen in der eigentlichen Stadt und 11, 6 Mio in der Metrolpolregion die zweitgrösste Stadt Brasiliens. Von 1763 bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese Funktion an Brasilia ab, bleibt aber nach Sao Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Die Einwohner der Stadt nennt man "Cariocas".
Ein großes Problem für die Stadt ist die wachsende Kriminalität. Laut dem brasilianischen Justizministerium liegt die Mordrate in Rio de Janeiro bei rund 60 Personen pro 100.000 Einwohner, während der Durchschnitt in Brasilien 30/100.000 Einwohner beträgt (Deutschland 1/100.000 Einwohner). Am meisten sind die Männer (94 Prozent) und davon die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren (44 Prozent) betroffen. 80 Prozent der Tötungsdelikte werden durch Schusswaffen verursacht. Rund 90 Prozent der Schusswaffen befinden sich in Privatbesitz (davon etwa die Hälfte illegal), die restlichen zehn Prozent gehören dem Staat.

Die Polizei hat neben Tötungsdelikten auch mit Entführungen, Raubüberfällen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho) zu kämpfen. Schätzungen der brasilianischen Polizei zufolge wird das Comando Vermelho (CV) in Rio von etwa 5000 teilweise mit Kriegswaffen ausgerüsteten Kriminellen gebildet. Es kontrolliert etwa 40 Prozent des lokalen Marktes für illegale Drogen.

Am 28. Dezember 2006 wurde in Rio de Janeiro eine Anschlagsserie gegen Polizeistationen und andere zivile Einrichtungen verübt, der über 18 Personen zum Opfer fielen. Der Anschlagsserie ging eine massive Polizeipräsenz kurz vor den Feiertagen des Jahreswechsels voraus, wobei zehn Favelas durch die Militärpolizei besetzt wurden. In der Favela Vila Cruzeiro und sogar in einem bekannten Einkaufszentrum kam es zu zahlreichen Schießereien. Gesteuert wurden diese Aktionen vermutlich vom Comando Vermelho, wobei inhaftierte Anführer verschärfte Haftregelungen im neuen Jahr befürchteten.

Update Woche 22.11-29.11

Zur Abwechslung durfte ich am Donnerstag den 22.11.2007 mal wieder umziehen. Da ich mich tags zuvor ausgiebig mit meiner Spanischlehrerin Bruna über die Eigenheiten des argentinischen Lebens unterhalten hatte - und daher ausgestattet war mit dem ein oder anderen Tipp wie ich mir das Leben hier trotz mancher Geduldsprobe angenehm gestalten kann – sah ich dem vierten Umzug innerhalb von 18 Tagen gelassen entgegen.
Da sich manche Dinge dann ja wirklich zum Positiven wenden, durfte ich mich beim Verlassen des einen Hotels auf das neue Ziel auch richtig freuen.

Da alle Hotels in Buenos Aires momentan komplett ausgebucht sind war nur noch Platz im Hotel Emperador direkt im Zentrum… und das hat seine fünf Sterne auch redlich verdient ;-)!

So kann ich jetzt noch ein paar Tage vollen Service genießen bevor es am Montag – dann aber wirklich – in meine eigene Wohnung geht.
Komme gerade übrigens aus dem Schwimmbad bzw. der Sauna ;-)

Qué más? Nun, am Freitag nach einer eher unspannenden Arbeitswoche hatte ich mich mit ein paar anderen für eine Tango-Show verabredet. Technisch brillanter Tango wurde da nett aufgemacht als Theaterstück inszeniert. Mir hat es nicht so gut gefallen... die Damen wurden zwar eifrig durch die Luft gewirbelt und an Showelementen hat es tatsächlich nicht gemangelt, doch das was ich am Tango so gerne mag kam nicht so richtig bei mir an. La Pasión.

Danach waren wir noch gemütlich in Palermo Soho am Plaza Serrano was trinken. Bis dann um 4 Uhr Arne ordentlich eins auf die Nase bekommen hat. Warum wissen wir selbst nicht, jedenfalls fand er sich sekundenschnelle mitten in der Kneipe auf dem Boden liegend wieder und hatte einen dicken Argentinier auf sich sitzen der ihm ordentlich eins einschenkte. Zum Glück haben die anderen beiden Jungs die dabei waren schnell reagiert und den Armen befreit – außer blutenden Nase, einer dicken Lippe und einem blutverschmierten T-Shirt ist nix passiert! Irgendwie war dann die Laune aber bei uns nicht mehr so doll und mit dem Taxi ging es dann ab nach Hause… Nicht das die werte Leserschaft jetzt denkt das wäre hier normal. Das ist es nämlich nicht. Und die anderen Gäste haben sich dann auch sehr schnell und total lieb um Arne gekümmert und sich auch 1000 Mal für ihren unbekannten Landsmann entschuldigt … der war übrigens zwischenzeitlich auf und davon gerannt (die Security in dem Laden ist anscheinend nicht gerade die Schnellste).

So, aber nun nach dem ganzen Vorgeplänkel endlich mal was am Wochenende sonst noch war:
- habe einen Suse-Gedenktag gemacht… bin nämlich an zwei koreanischen Supermärkten vorbeigelaufen und habe mich spontan mit Soyu, Kimtschi, Red Pepper Sauce, Algen und sonstigen asiatischen Leckereien versorgt. Und gleich mal die Besitzer in ein Gespräch verwickelt. Hatte mich ja schon des Öfteren die letzten Tage gefragt wie das wohl für Asiaten in so einem Land wie Argentinien ist. Die offene und herzliche argentinische Art ist ja auch für mich manchmal eher krass. Wie dann erst für Menschen, die aus einer Kultur kommen in der Gefühle normalerweise gar nicht gezeigt werden. Die Besitzerin sagte mir, dass es zwar am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig war und auch manchmal richtig hart, aber inzwischen hat sie argentinische Kultur lieben gelernt und findet gerade dieses leidenschaftliche Leben hier ganz toll. Dabei hat sie aus vollem Hals gelacht! Dann klappt es bei mir bestimmt auch noch ;-)

- Danach hatte ich eine spitzen Tangotanzstunde mit Sabrina. Hatte davor ein bisschen Schiss, da ich ja wirklich nun fast drei Monate nicht mehr mit Tango beschäftigt hatte und bei einer Einzelstunde fliegt das ja schnell auf… aber die Angst war unbegründet, Tango tanzen ist wie Rad fahren, das verlernt man nicht so schnell ;-)

- Als weiteres Highlight am Wochenende stand ein Polospiel an der Tagesordnung. Polo ist hier in Argentinien das Event zum Sehen und Gesehen werden der argentinischen High-Society. Wahnsinn wie sich alle für dieses Ereignis herausgeputzt hatten… Von den Regeln hatten wir alle nicht so richtig viel Ahnung, haben aber natürlich trotzdem reichlich gefachsimpelt. Zum Missfallen der anderen Zuschauer. Komischerweise war es während des ganzen Spiels was totenstill. Keiner hat geredet, von Anfeuern oder so keine Spur. Quasi das Gegenteil der Stimmung wie beim Fussball. Daniel hat irgendwann eine glorreiche Erkenntnis zur Sprache gebracht: er hatte sich immer gewundert warum es bei den „La Maritima“ Trickots (bekannte argentinische Polokleidungsmarke – in Europa schweineteuer) nur die Nummern 1 bis 4 zu kaufen gibt. Nun es gibt ja auch nur vier Feldspieler pro Mannschaft. Da für ein Spiel pro Reiter ungefähr 6 Pferde gebraucht werden – die Pferde werden jeweils nach 6 Minuten aufgrund der extremen Belastungen ausgewechselt – und ein Pferd ungefähr soviel kostet wie ein Einfamilienhaus in Deutschland kann man sich in etwa vorstellen wer diesen Sport den überhaupt so ausüben kann. Also reich zu sein reicht da nicht, da muss dann schon ein „stinkreich“ her.

- Sonntag – Ausflug nach Tigre:
Sonntag morgen hab ich mich um 9:00 Uhr aus dem Bett gequält - eigentlich verwunderlich, am Abend vorher war das Highlight ja der Besuch der Sauna gewesen und keine heiße Disconacht. Hab mich dann erstmal am Buffett gelabt und bin dann zum Retiro-Bahnhof ganz in der Nähe gelaufen. Dort wollte ich mich mit Stefan, Arne und Julia treffen um gemeinsam die Fahrt nach Tigre anzutreten. Mannomann, hier gibt es einige Männer die ungeniert starren sobald ein weibliches Wesen vorbeiläuft. Und wenn man den Fehler begeht und irgendwo zum warten stehen bleibt, dann wird man wirklich von oben bis unten gemustert. Ich hab mir darauf hin geschworen zum nächsten Treffen zehn Minuten zu spät zu kommen. Momentan bin ich immer noch überpünktlich und komm zehn Minuten vorher am vereinbarten Treffpunkt an.

Naja, egal. Die anderen kamen dann schliesslich auch und wir sind in den Bummelzug nach Tigre (liegt am danach benannten Delta des Rio de la Plata) gestiegen. Für 25 Cent eine Stunde Zugfahrt, da sollte sich die deutsche Bahn mal ne Scheibe abschneiden ;-). Dort angekommen haben wir erstmal ein Boot gechartert, haben uns mit Essen und Trinken versorgt und sind gemütlich 2 h durch das Delta geschippert. Schön wars!
Nach einem Abstecher zu einem nahegelegenen Handwerkermarkt gings wieder zurück ins Hotel .. hatte ja noch was vor am Abend, aber die Sonne hat mich so geschafft, dass ich mich dann lieber um 21 Uhr gleich ins Bett gelegt habe... schliesslich standen für den nächsten Tag ja große Pläne an: ich durfte endlich, endlich in meine Wohnung umziehen. Hab mal wieder meine Sachen gepackt und der Fahrer hat mich dann mitsamt dem Gepäck in meinem neuen Domizil abgeliefert. Die Besitzerin hat zwar einen Knall was ihre Verbote und Regeln angeht, aber die Maklerin meinte, dass ich das jetzt mal alles "tranquilo" nehmen soll. Mach ich natürlich auch ;-).
Die Besitzerin ist aber echt eine richtige Hexe, aber ich hoffe mal ich kriege keine Probleme mit ihr. Werde sie ab jetzt jeden Monat einmal sehen, da ich ihr das Geld bar in die Hand drücken muss. Super, dass sie dazu jedes Mal extra zu mir in die Wohnung kommt - ich glaub, die Dame leidet unter Kontrollzwang ;-)
Habe nun auch ein paar Bilder reingestellt ..
Nachdem mir die Wohnung übergeben wurde bin ich noch "schnell" zum Ballett gefahren. Eine Stunde Anfahrt und dann über eine Stunde Rückfahrt für eine Ballettstunde erscheinen mir im nachhinein doch etwas absurd, daher muss ich wohl noch weiter nach einer guten Schule in meiner Nähe suchen. Irgendwie übersehe ich beim Lesen des Stadtplanes immer noch geflissentlich, dass man hier für fast jede Strecke eine Stunde unterwegs ist. Deswegen sind die Tage hier auch immer sooooo lang und ich dementsprechend müde ;-)

Am nächsten Tag stand dann ein weiteres Abenteuer auf dem Plan: Bisher hatte ich das Glück, dass ich morgens von einem Fahrer abgeholt und in die Arbeit gebracht und abends dann wieder heimkutschiert wurde. Der Luxus ist nun aber mit dem Einzug in die eigene Wohnung vorbei *schnief*. Also muss ich mich jetzt selbst organisieren und habe mich entschieden erstmal mit dem Bus zu fahren. Hab heute morgen erstmal 20 Minuten gebraucht um die Bushaltestelle zu finden.. gar nicht so einfach bei 180 Buslinien die hier so rumfahren. Irgendwann hatte ich sie dann gefunden und war auch bereits im Bus. Nach einigen Kilometern murmelte der Busfahrer irgendwas vor sich hin. Hab dann gefragt was los ist und er meinte, dass es besser wäre auszusteigen und auf den nächsten Bus zu warten, weil dieser hier bald den Geist aufgibt. Ist wohl häufiger so hier.. die Busse werden gefahren bis sie auseinanderflieben - sehr vertrauenserweckend... Na Bravo! Zum Glück stand an der Bushaltestelle an der mich der Busfahrer dann ausstiegen ließ einer meiner Kollegen, (ein Bolivianer). Welch Überraschung: er hat die Restfahrt (wir mussten 15 min auf den nächsten Bus warten, der kam dann aber auch recht pünktlich) dazu genutzt mir seine Lebensgeschichte darzulegen. Was man nicht alles erfährt morgens auf dem Weg ins Büro ;-)

Dienstag nach meiner Spanischstunde bekam ich meinen ersten Besuch in meiner neuen Wohnung. Guillermo, Gustavo und Florencia kamen zum Sushi-Essen vorbei. Wir mussten zwar ein wenig improvisieren, da meine Küche noch recht sporadisch eingerichtet ist, aber schön wars trotzdem. Und ich hab mich gefreut wie ein Schneekönig, dass ich jetzt auch mal die Leute einladen kann, die mir letztes Jahr hier soviel geholfen und gezeigt haben.

Mittwoch habe ich dann nach der Arbeit zum Einkaufen im "JUMBO" genutzt. Musste mich ja noch mit Mülleimer, Putzmittel und Co. ausstatten. Mannomann ist das ein Riesenladen! Und dann die Enttäuschung: die hatten keinen Naturjoghurt. Anscheinend gibt es in Argentinien nur eine einzige Joghurtmarke die auch Naturjoghurt (ohne Zucker und Geschmack und so) produziert und der war gerade an dem Tag aus. Habe dann im Büro nachgefragt ob das tatsächlich so ist. Ja, es ist so. Und mich haben auch alle voellig entgeistert gefragt, was ich denn mit dem Naturjoghurt machen will. Kochen? Kuchen backen? Auf die Idee, dass ich den auch einfach so mit Früchten oder so essen könnte kam jedenfalls niemand.

Das Highlight des heutigen Tages, nach Morgengymnastik im Freien und dem Yogakurs in der Mittagspause war der Rundgang durch die Werkstatt. Horacio, der "Werksleiter" hat mir alles gezeigt und erklärt. Ganz schön anstrengend, da die technischen Sachen auf spanisch nicht gerade einfacher zu verstehen waren ;-)
Zum Abschluss hat er mich dann der ganzen Mannschaft vorgestellt. Und d.h., dass ich mich von ungefähr 20 schlechtrasierten Männern auf die Backe küssen lassen durfte. Ich sag's euch, das ist echt kein Zuckerschlecken hier! Musste mich echt zusammenreissen danach nicht auf die Toilette zu rennen und meine Backe mit Sagrotan abzuwischen... Die Putzfrau knutscht mich inzwischen auch schon ab wenn sie mich sieht. Puh, Berührungsängste darf man da echt nicht haben.

Heute Abend geht es dann erstmal zum Tangokurs und danach zu einer Party des "Club Europeo" - ein guter Auftakt für meine Reise morgen ...

Juhu, auf geht es nach Rio de Janeiro!!! Melde mich ab Dienstag wieder mit einem ausführlichen Bericht!

Dienstag, 20. November 2007

Umzugsstress

Wer jetzt denkt ich bin schon in mein Apartment eingezogen der irrt leider. Stattdessen musste ich gestern nochmal das Hotel wechseln. Ans andere Ende der Stadt. So kam ich zwar in den Genuss einer kostenlosen Stadtrundfahrt, aber ihr könnt euch vorstellen wie sehr es mich inzwischen nervt, dass ich schon wieder meine ganzen Koffer und Taschen packen musste und mich auf eine neue Umgebung einstellen. Dieses Mal hat es zu einem richtigen Apartment mit fünf (!) Betten gereicht und ungefähr 60 qm Grundfläche. So wie es aussieht muss ich aber morgen aus diesem Apartment auch schon wieder raus und innerhalb des Hotels wechseln, um dann am Donnerstag in ein ganz anderes Hotel im Zentrum zu ziehen. Das ist leider alles kein Scherz. Die Hotels hier in Buenos Aires sind fast alle ausgebucht und längere Reservierungen nehmen die hier nicht entgegen. Und wer sich jetzt schon gefragt hat was denn nun eigentlich mit der Wohnung ist die ich bereits vor zwei Wochen ausgesucht hatte dem kann ich leider nur sagen, dass der Termin für die Vertragsunterschrift zweitagesweise nach hinten verschoben wird. Ausser mir scheint das aber keinen zu interessieren. Ich kriege hier leider immer nur die eine Antwort wenn ich danach frage: "QUEDADTE TRANQUILO!" und manchmal dann auch noch "Das ist hier halt so!"
Soweit so gut, mit der Warterei muss ich mich wohl jetzt abfinden. Um das beste drauss zu machen freu ich mich jetzt dass ich durch die Umzüge bereits soviel von der Stadt sehen durfte. Hier übrigens ein paar Fotos vom Balkon meiner neuen Behausung an der Estación Urquiza.





Wie seid ihr denn durch den TÜV gekommen?


Da heute einfach nur bombastisches Wetter war bin ich schon fünf Minuten vor der Ankunft meines Fahrers aus dem Siemensbürogebäude raus und hab mich ein bißchen in die Sonne gestellt. Plötzlich kam ein Polizeiwagen angedüst und blieb ziemlich genau vor mir stehen. Einer der Polizisten die im Auto sassen stieg nun also aus und marschierte schnurstracks zur Siemenspforte und wurde auch sogleich eingelassen.
Da ich ja sowieso noch warten musste schaute ich mir den Polizeiwagen mal etwas genauer an. Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen war das gute Stück nicht gerade im besten Zustand und die Klimaanlage durch ein vollständiges Fehlen der Heckscheibe völlig ueberflüssig gemacht ... *ha, ha* ... und als der Polizist dann auch noch mit einem ominösen Päckchen in der Hand wieder aus dem Siemensgebäude kam war die Mafiageschichte in meinem Kopf bereits fast fertig gesponnen.





... und während ich mir noch meine Gedanken machte und schmunzelnd in der Sonne stand brauste das kuriose Gefährt bereits um die nächste Ecke ...

Sonntag, 18. November 2007

Erholungswochenende

Nach einer eher schlaflosen Woche wollte ich mir mal ein ruhiges Wochenende gönnen. Der Start war aber erstmal nicht so ruhig: ich durfte innerhalb von 30 Minuten aus meinem Hotel ausziehen (leider ausgebucht) und mit meinem Fahrer dann zu meiner neuer Herberge in Microcentro ziehen. Kam mir aber vor wie Urlaub, das neue Hotel "NH Crillon" ist schon um einiges besser als mein altes. So konnte das Wochenende denn doch recht erholsam nach einer heißen Dusche und einem leckeren Salat mit Palmherzen starten. War zwar eigentlich am Freitagabend auf die Abschiedsparty einer deutschen Arbeitskollegin eingeladen, aber 1. war ich zu müde und 2. wollte ich an diesem Abend dem Geknutsche mit meinen argentinischen Arbeitskollegen entgehen. Deswegen lag ich schön um 23 Uhr in meinem Bettchen. Der nächste Tag begann dann erstmal mit einem ausgiebigen Frühstück und einer weiteren Runde Schlaf bevor ich mich irgendwann frühnachmittags auf den Weg zum Zentrum der Stadt, dem "Plaza de Mayo" aufgemacht habe. Es war schön sonnig und warm und ich konnte nach den Regentagen der letzten Woche auch richtig im T-Shirt draußen herum spazieren.


An der Casa Rosada angelangt - dem Arbeitsplatz der neuen argentinischen Präsidentin Christina Kirchner - hab ich mir dann erstmal ein Spektakel der besonderen Art angesehen: eine Gay-Parade in dem doch sonst noch recht konservativen Land Argentinien. Ich muss ehrlich sagen, die Jungs und Mädels haben sich einiges einfallen lassen um aufzufallen. Leider hab ich mich nicht getraut zu fotografieren, sonst würdet ihr jetzt einiges zu sehen bekommen. ;-)
Weiter ging es dann in Richtung des Obelisco.. hab dann erstmal stilecht einen Mate und eine Bombilla erstanden (zu Erinnerung das ist das Zubehör für das klassische Mate-Tee-Getränk das die Argentinier hier normalerweise ständig zu sich nehmen).


Das werde ich morgen in der Arbeit gleich mal einweihen! Hab noch so einige ander Kuriositäten bewundern können und hab mir dann erstmal was zu Essen gegönnt. Und wie froh war ich doch als ich ein Restaurant mit Comida Chino entdeckt habe wo es sich mehr um Gemüse als um Fleisch drehte. Nach dieser Stärkung bin ich dann zufrieden und satt erstmal ins Hotel und kam via Skype auch meinen sozialen Bedürfnissen nach .. Sonntag ging es dann erstmal nach Palermo zu Guille, von dort aus mit Mate bewaffnet zusammen mit Eric (ein Argentinier der die letzten fünf Jahre im Exil in Dänemark wohnt) and die Costanera Sur. Dort hieß es dann erstmal chillen, chillen, chillen. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt hab ich mich von den beiden verabschiedet und bin direkt zu Arne gefahren um in San Telmo noch etwas zu essen. Wir waren um 20 Uhr bei ihm verabredet. Mannomann hat der große Augen gemacht als ich um 19.59 Uhr tatsächlich auch schon vor seiner Tür stand. Er hat sich offensichtlich schon an die polychrone Zeitauffassung hier gewöhnt ;-) Während ich mir die saucoole Altbauwohnung (ich sag nur: 5 m hohe Decken, Stuck, Kronleuchter, Dielenboden und Antiquitäten) eingehend inspizierte und fotografierte hat er sich dann auch fix fertig gemacht und wir sind auf zu unserem Ziel: ein organisches Restaurant. War dann auch sehr lecker und schön. Am Plaza Dorrego - mit tanzenden Tangopaaren unter freiem Himmel und Lifemusik aus vielen Kneipen gings dann mit dem Taxi wieder ab nach Hause. Da bin ich nun und werde gleich ins Bett gehen, morgen warten ja wieder große Heldentaten auf mich in der Arbeit ;-) - Gute Nacht!

Donnerstag, 15. November 2007

Schlaflos in Buenos Aires


Nach dem schönen Konzert von MIA in der Botschaft und der nachfolgenden Feiere in Puerto Madero war am Sonntag den 11.11.2007 dann erstmal etwas Ruhe angesagt. Zusammen mit Gustavo und Gaspar (Freunden von Guille) bin ich nach Palermo Soho wo wir - auf meinen Wunsch - erstmal lecker Indisch essen waren und anschliessend noch etwas durch das schöne Viertel spaziert sind.



Montag nach der Arbeit hab ich noch einen kurzen Abstecher zu Guille gemacht ... Dienstag gabs dann lecker Vietnamesisch im Sudestada ...

Mittwoch dann eine fantastische Spanischstunde mit meiner Lehrerin Bruna. Fantastisch deswegen, weil sie mir erstmal eine Einführung in die argentinische Lebensweise gegeben hat. Ein sehr gutes interkulturelles Training nachdem ich die letzten Tage schon einige Male etwas verwundert bis entsetzt war. Bin danach mit dem Zug nach Retiro um zu einem Tangokonzert zu gehen. Die Zugfahrt war zwar interessant, aber nochmal muss ich das nicht haben. Da bin ich nämlich ausnahmsweise wirklich mal aufgefallen. Und wohl war mir unter den doch offensichtlich weniger wohlhabenden - oder wahrheitsgemäß ausgedrückt armen - Menschen nicht. Willkommen in Südamerika! Hinter den doch oft relativ schönen Fassaden dieser Stadt verbirgt sich eben doch auch viel, viel Armut. Als dann der Zug tatsächlich 15 Minuten mitten auf der Strecke stehen blieb hatte ich echt schon ein bißchen Schiss. Die Stimmung wurde nämlich merklich angespannt und aggressiv. Zum Glück fuhr er dann doch wieder weiter und ich war echt erleichtert als ich aus dem Bahnhofsgelände raus war und im Taxi saß. Bin dann direkt ins ND Ateneo gefahren und hatte echt mal wieder richtig Glück. Das Konzert war eigentlich ausverkauft aber irgendein Typ hat mir eine Karte (beste Kategorie!!) in die Hand gedrückt und meinte die schenkt er mir, seine Freundin hat ihn gerade versetzt. Hab zwar erst recht erstaunt geguckt, aber ich hab sie dann dankend angenommen. Und das Konzert und die Show war mal echt der Hammer. "Otros Aires" (Elektrotangoband aus Argentinien) war mir von CDs zwar schon bekannt, aber life war das schon noch mal um einiges toller. Und richtig guten Tango bekam ich dort dann auch zu sehen! Sehr schön! Von der Atmosphäre hat es auch super gepasst, das Konzert fand in einem alten Kinosaal mit roten Plüschsesseln statt. Bin dann froh und gut gelaunt nach Hause gefahren ...



Donnerstag war dann das 4. Konzert innerhalb von 10 Tagen geplant. Nachdem ich MIA schon am Samstag in der Embajada Alemana gesehen hatte sollte es nun im Roxy sein. Da hier ja alles später anfängt und MIA planmäßig erst um 2:00 Uhr auftreten sollte hab ich einfach mal 4 Stunden vorgeschlafen. War wohl nicht das letzte Mal hier in Buenos Aires. In der Disco braucht man anscheinend vor 3 Uhr normalerweise eh nicht auftauchen. Und da denk ich normalerweise eigentlich schon wieder ans heimgehen..
MIA war auch dieses Mal wieder super! Fand auch die Siemens-Mafia mit denen ich an jenem Tag unterwegs war ;-)

... und am Freitag war ich froh, dass das Wochenende vor der Tür stand!

Montag, 12. November 2007

Reiseplanung

Ich hab heute meinen Flug nach Rio de Janeiro gebucht. Für Anfang Dezember ... irgendwie total unwirklich. Und ganz schön aufregend!

Was mir hier bisher so aufgefallen ist

1. Hier kriegt jeder genau einen Kuss auf die rechte Backe wenn er begrüsst wird - und es spielt schon fast keine Rolle wie gut man den kennt, im Zweifel gar nicht - meinen Chef begrüße und verabschiede ich auch so jeden Morgen. Schon komisch. Und die Männer untereinander tun dies übrigens auch.
2. In der Arbeit haben ganz viele Leute Thermoskannen vor sich stehen und trinken Mate. Will heißen: aus einer Kalebasse (Mate) wird mit Hilfe eines versilberten Quasi-Strohhalms das bittere Getränk regelmäßig dem Körper zugeführt. Mate ist ein in Südamerika weit verbreitetes Aufgussgetränk, das durch Aufguss kleingeschnittener trockener Blätter des Ilex paraguayensis gewonnen wird. Mate bezeichnet ursprünglich das Trinkgefäß (aus dem Quechua mati für Trinkgefäß), heutzutage auch das Getränk, das von den Guarani caiguá genannt wurde. Die Blätter hingegen werden als yerba (span. : Kraut) bezeichnet.
Wer mehr darüber wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Mate
3. Die essen hier immer Weißbrot zum Essen - wie in Italien oder Spanien auch üblich
4. Mein Büro ist in der Gegend St. Martin, Ruta Ocho. Nicht gerade die beste Gegend (hier heissen die "Slums" uebrigens nicht "Favela" sondern "Villa" - und so bezeichneten meine argentinischen Kollegen auch die Gegend rund um Siemens), daher ist das Gelände auch umzaeunt und man sollte nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit hier sein. Will heißen: die arbeiten hier nicht soooo lang. Angeblich hat Siemens die Mafia hier vor Ort bestochen, deswegen ist zum Glück bisher fast nichts passiert. Ich freu mich aber daher schon ungemein, dass ich hier bald mit dem Colectivo (Bus) hierher fahren darf. Kann ja heiter werden ... Noch werde ich allerdings mit dem Remise-Taxi zwischen Hotel und Büro hin- und hergefahren.
5. In der Arbeit bekommt jeder lokale Mitarbeiter pro Monat ein Gutscheinheft im Wert von 280 Peso (umgerechnet ca. 60 Euro) das er in einigen Supermaerkten und Restaurants einlösen kann. Kommt daher, weil man in Argentinien ab einem bestimmten Einkommen prozentual höhere Steuern zahlen muss & daher wird ein Teil des Gehaltes durch diese Gutscheine ersetzt. Die sind nämlich komplett steuerfrei. Clever, oder? Könnten bei uns ja sowas wie ein Gutscheinheft für Schuhgeschaefte rausgeben... steuerfrei!
6. Bei mir im Büro arbeiten 80% Männer - aber das kenn ich ja schon. Ca. 50% der Mitarbeiter bei Siemens spricht zu meiner Überraschung Deutsch.
7. Es ist fuer die Jahreszeit sehr untypisch sehr kalt: 15-20 Grad oder so. Am Samstag soll es aber 29 Grad haben.
8. In der U-Bahn gibt es keine Klimaanlage: bin zwar erst zweimal damit gefahren, aber ich fand es da schon so unerträglich heiß, dass ich beschlossen habe im Sommer eher darauf zu verzichten.
9. Die meisten Argentinier bekreuzigen sich sobald sie an einem Kreuz vorbei fahren. Die überwältigende Mehrheit der Argentinier ist roemisch-katholisch.
10. Das Essen hier schmeckt meistens total fad. Außer Salz - und das wird auch kaum verwendet - kennen die hier anscheinend keine Gewürze. Muss mal im Supermarkt danach suchen. Hab beschlossen mir immer ein Würzdoeschen in die Kantine mit zunehmen.
11. Eine Busfahrt kostet umgerechnet 20 Cent - dabei spielt es keine Rolle wie weit man fährt, dafür kann man durchaus auch mal 1, 5h im Bus sitzen.
12. Die Inflation ist hier deutlich spuerbar.
13. Die Wahl Christina Kirchners zu Präsidentin wird von den gebildeten Bevoelkerungschichten als reine Farce wahrgenommen. In den anderen Gesellschaftsschichten ist Ms. Make-up aber dafür um so beliebter.
14. Buenos Aires liegt am Meer, aber davon sieht man normalerweise nicht sehr viel.
15. Die Umgangssprache hier heißt Lunfardo - und man muss hier immer aufpassen nicht in ein verbales Fettnäpfchen zu treten. Hier hat irgendwie alles zwei Bedeutungen und meistens ist eine davon nicht ganz jugendfrei.
16. In der Arbeit und der Kantine, in der Disco und im Café, im Schuhgeschäft und auf der Strasse - Lieblingsgesprächsthema ist hier generell: Liebe, Beziehungen, Sex, ... kein Wunder, dass zumindest ich mir da manchmal echt ganz schön auf den Schlips getreten fühle.
17. Anscheinend mache ich hier permanent einen sehr gestressten und nervoesen und ungeduldigen Eindruck, jedenfalls höre ich 20 Mal am Tag "tranquilo"
18. Ich sitze in einem Großraumbüro, verglichen mit dem das ich aus Santiago de Chile kenne hat hier aber jeder einzelne Mitarbeiter echt richtig viel Platz und es gibt auch keine Sichtschranken oder so wie in den USA.
19. Schönheit und wie man sich besonders schön machen bzw. halten kann ist sowohl für die Frauen als auch die Männer ein omnipräsentes Thema.
20. Ich weiß hier schon mehr über das Privatleben meiner Kollegen als in Deutschland nach 1,5 Jahren. Die Theorie von der High-Context Culture findet sich nun auch in der Praxis bestätigt. Dasgleiche gilt übrigens fuer das Thema "Polychronität" - schnell geht hier nix und wenn dann wird auch nicht eins nach dem anderen gemacht sondern alles auf einmal bzw. parallel. Wobei ich zugeben muss, dass trotz der Zeitverzoegerung alle Dinge meistens dann doch ganz toll hinhauen. Auch wenn ich mir schon manchmal gedacht habe: Wie soll dass denn hier alles überhaupt funktionieren?

Sonntag, 11. November 2007

MIA.

MIA.
Ich bin immer noch total geflasht... war heute mit Gaspar, Gustavo und Matthias in einem sehr schönen Café im Herzen von Palermo Soho. Hab mir noch gedacht: Mensch, die zwei am Nebentisch sehen richtig nett aus. Bis ich dann mal einen genaueren Blick hingeworfen habe. Da saßen doch tatsächlich Mieze und Andi von MIA. Da waren sie also nun. Nachdem ich Mieze gestern am Sommerfest der deutschenu Botschaft schon hautnah beim Waffelessen zusehen konnte war ich doch jetzt zufällig - was ja in einer 13 Millionen Einwohnerstadt auch sehr selten ist - schon wieder so nah dran. Da ich schon gehört hatte dass MIA. diese Woche nochmal in Bs. As. spielen wird und ich es bisher im Internet noch nicht gefunden hatte fasste ich mir ein Herz und bin einfach mal zu den beiden hingegangen.

Da ich höflich sein wollte hab ich aber gewartet bis die schon die Rechnung hatten. Habe nun dann einfach mal gefragt ob sie nochmal spielen würden. Und die Mieze hat sooo süß reagiert. Erstmal hat sie mich gefragt was ich denn hier machen würde und wie ich heiße. Dass es ihnen total gut hier in Argentinien gefällt und dass sie gerne wiederkommen wollen. Dann hat sie einfach eine Seite aus ihrem Block gerissen. Mir Ort und Zeit des Konzertes und ne kleine Widmung draufgekrakelt und mir noch alles Gute für hier gewünscht. Mensch, die war echt so natürlich und lieb. Ich hätte sie am liebsten umarmt. Hat zwar erst echt Skrupel die beiden anzuquatschen, aber ich war wirklich sehr positiv überrascht. Echt sehr toll! Konnte dann ne ganze Stunde gar nicht richtig reden weil ich noch so beeindruckt war. Und auf das Konzert am Donnerstag geh ich natürlich auf jeden Fall!

Die erste Woche in der neuen Heimat



Tag 1 - 3:
Nach gut 16 h reiner Flugzeit bin ich dann am Samstag um 7:30 Uhr angekommen. Der Fahrer hat auch schon auf mich gewartet und mich zum Hotel gebracht. Bloederweise hatte die Sekretärin vergessen, denen zu sagen, dass ich schon recht frueh komme. Deswegen war kein Zimmer frei und ich musste drei Stunden warten bis ich in ein Zimmer konnte. Und weil die gar keinen richtigen Platz zum Warten hatten - ausser eine ranzigen Frühstücksraum bin ich erstmal superfrustriert gewesen. Bäh!!
Dann war ich irgenwann in meinem Zimmer und war erstmal schockiert wie laut es dort war - direkt an der Strasse kein Wunder. Habe mich dann doch nur geduscht und bin mit dem Taxi erstmal zu dem Freund den ich hier in Bs.As. habe - der war aber nicht da. Aber dafür eine Freundin aus Uruguay und ein Freund aus Ecuador. Mit denen bin ich dann erstmal durch die Stadt gelaufen und habe mir noch ein paar Sachen angeguckt.

Und mich ueber Gott und die Welt, Politik, die Unterschiede der einzelnen Länder Suedamerikas etc unterhalten - natürlich auf Spanisch. Irgendwann ist dann auch mein Freund aufgetaucht und wir haben bei ihm noch Tee getrunken. Mmh, aber dann kam es:
hatte ploetzlich furchtbare Magenschmerzen und konnte mich kaum noch ruehren. Mir war schwindelig etc. habe mich dann erstmal bei ihm kurz hingelegt. Da es nicht besser wurde habe ich dann erstmal am Samstag bei ihm uebernachtet und mich am Sonntag von ihm und seinem Mitbewohner pflegen lassen. Mir ging es aber auch echt nicht so gut. Naja, am Montag bin ich dann abgeholt worden und in die Arbeit. Weniger verwunderlich, dass die noch keinen Plan haben was ich jetzt eigentlich mache. Irgendwas in Richtung Controlling. Doof nur, dass die Frau die mich einarbeitet jetzt erstmal weg ist für zwei Wochen. Wurde allen vorgestellt und die sind auch sehr nett alle. Bin dann um halb sechs wieder mit dem Fahrer ins Hotel gebracht worden und habe mir dann in einem schönen Gartenrestaurant Kuerbisgnocci bestellt und die Leute angeguckt. War dann auch um neun schon so muede, dass ich ins
Bett gefallen bin.

Zum Glück konnte ich vorher noch das Zimmer tauschen und es war etwas ruhiger. Und noch was: erster Start in die Unabhängigkeit mit einer argentinischen SIM-Karte!

Tag 4:
Meine Erlebnisse mit dem argentinischen Zoll.
In Deutschland habe ich cleveres Kerlchen mir ja überlegt, dass es viel günstiger und praktischer ist einen Großteil meines Gepäckes per Spedition nach Buenos Aires zu schicken. Die beiden Koffer kamen auch sehr pünktlich an und ich wollte dann den Kram am Dienstag mit meinem Fahrer abholen. Geht bestimmt ganz easy und schnell dachte ich mir - so hatte es mir ja auch die freundliche Dame der Spedition in Deutschland versprochen. Ha, ha. Wäre ja langweilig wenn es so einfach ginge.
Mein Fahrer hat mich also morgens im Hotel abgeholt. Ich sagte extra nochmal, dass wir erst zum Flughafen müssen und Koffer aus dem Zoll holen bevor wir weiter zum Büro können. Ja, ja, sagte er und düste los. Nach 20 Minuten hab ich mich schon gewundert warum wir eigentlich immer weiter in die Stadt reinfahren statt in die Gegenrichtung - der Flughafen war doch gar nicht im Zentrum? Tja, der internationale Flughafen ist auch tatsächlich außerhalb der Stadt, nur der Heinzi hinterm Steuer hatte leider verstanden, dass wir zum Inlandsflughafen wollen - und der liegt im Zentrum. Als das Mißverständnis aufgeklärt war ging es dann wieder in die andere Richtung, dieses Mal zum richtigen Flughafen. Aus irgendwelchen Gründen dachte ich, dass so ein Taxifahrer wüsste wo am Flughafen der Zoll ist. Tja, wieder Pustekuchen. Der Heinzi kannte sich überhaupt nicht aus. Gar nicht. Und statt das zuzugeben hat er mich mit meinen Highheels quer durch den Flughafen geschleppt. Bis es mir zu blöd wurde und ich einfach mal gefragt habe wo wir hin müssen.

Als wir dann endlich am Zoll waren hat das ganze Procedere dennoch den ganzen Vormittag benötigt, da ich ständig zwischen Büro 1, 2, 3, 4 hin und her geschickt
wurde um irgendwelche Stempel, Unterschriften oder Dokumente zu holen.
Wahnsinn diese Bürokratie! Irgendwann musst ich echt lachen weil es so
behämmert war. Und dann bin ich um 13 Uhr in der Arbeit gewesen.

Abends war ich mit meiner deutschen Kollegin Bianca und ihrer Spanischlehrerin Bruna (die jetzt auch meine ist!) im Barrio Chino. War lecker, aber lang nicht so scharf wie ich asiatisches Essen bisher kenne.
Und ein echtes Highlight: ich habe entdeckt, dass ich im Hotelzimmer W-Lan habe! Welch eine Freude in der Fremde!

Tag 5:
Arbeit, Besuch aus Deutschland Rolf,kampfe mit der Reisekostenabrechnung, Abendessen im Nudelrestaurant, ziemlich doofer Tag, Wohnungen angeguckt, die Traumwohnung gefunden, die aber über dem Budget liegt ...

Tag 6:
War auf der grössten Elektro- und Lichtmesse hier in Argentinien, Name: BIEL. Lerne wieder 1000 Leute kennen, recht interessant, vor allem die Hostessen die unglaublich krasse Ausschnitte und um so kürzere Roecke tragen.
Abends mit Guillermo treffen und nach San Telmo fahren, dort mit seiner Cousine aus Paris Luis und dem Cousin Federico (den ich auch noch von vorher kenne) ein, mit der Ubahn, die jetzt im Frühjahr schon so heiss ist dass ich mir nicht ausdenken möchte wie es im Sommer sein wird, und eng war es, sauschönes Gitarrenkonzert auf franzoesischer Sprache hören, da ich fast einschlafe, dann durch die ganze Stadt mit dem Taxi heim.

Tag 7:
Habe mich für eine Wohnung entschieden. Lustigerweise wohnt im gleich Apartmenthaus der gleiche Siemensianer mit dem ich mich heute noch treffen werde. Ja, ja. Das wird heute Abend gleich noch gefeiert. Endlich wieder gute Laune und heute wurde mir auch total viel erklärt, von zwei Kaufleuten parallel. Abends hab ich mir dann mein 1. Steak hier gegönnt. Ja, es war lecker!!

Tag 8:
Am Samstag hab ich mich nach 2 h Skypen zum Sommer-Fest der Botschaft Deutschlands aufgemacht. Mein Ziel: das MIA Konzert. War richtig toll & ich habe neben der Siemens-Mafia vor Ort auch noch einige andere nette Menschen kennen gelernt. Abends dann noch ein Abstecher nach Puerto Madero. Dem entzwischen superchicen und modernen Hafenviertel. Fotos werden folgen ...

Retrospektive

Nun bin ich doch tatsächlich bereits über eine Woche hier (um genau zu sein 8,5 Tage)...
... und endlich komm ich mal dazu ein paar Zeilen über das Erlebte in den Computer zu tippen.


Aus Gründen der gewissenhaften Blogführung hier zunächst eine kleine Retrospektive ... schließlich gab es vor dem Ankommen hier in Südamerika auch noch Momente des Abschiednehmens in Deutschland.

Nach vier sehr erlebnisreichen und intensiven Wochen in Deutschlands Hauptstadt Berlin - in denen nicht nur gepaukt (interkulturelles Training, Spanisch, internationale Rechnungslegung und allerlei mehr) sondern auch ordentlich gefeiert und gelacht wurde ging am 29. Oktober erstmal gen Erlangen.



Der Abschied fiel wirklich nicht leicht, in den vier Wochen hatte ich so manche Person richtig ins Herz geschlossen und das mulmige Gefühl in Anbetracht der bevorstehenden Reise wollte gar nicht mehr aufhören. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto vor der Weltkarte (jeder war mit seinem Konterfei darauf verewigt - und ich erschreckend weit weg von allen anderen) war dann aber wirklich die Heimfahrt angesagt. Christian und Elisabeth waren meine netten Mitfahrer im Auto und haben mich bis fast vor Susanns Haustür noch begleitet.




Bei Susann angekommen musste ich natürlich erstmal die ganzen vier Wochen Revue passieren lassen - wie sollte es bei Frauen auch anders sein. Spät wurde es zwar nicht an diesem Abend, aber ich war so totmüde, dass ich gleich an Ort und Stelle eingeschlafen bin - nämlich auf Susanns Sofa ;-).

Am nächsten Morgen - also am Dienstag - hab ich mir dann erstmal eine 90 Minuten Thaimassage bei meiner Lieblingsthaifrau gegönnt - dankbarerweise muss erwähnt werden dass dies großzügig von meinen ehemaligen Arbeitskollegen unterstützt wurde.
Danach ging es dann asiatisch weiter: mit dem offiziellen Büro-Abschiedsessen bei dem Asiaten meiner Wahl. Bin danach nochmal "kurz" in die Arbeit geschlappt, hab meine emails runtergeladen und mich vorallem auch nochmal von den meisten meiner Kollegen verabschiedet.

Nach einem Abstecher bei Eva, Olli und Hannah-Lucia ging es nach einer weiteren Nacht bei Susann erstmal zum Flughafen um meine 43 kg Gepäck aufzugeben. Puh, weitere 25 kg kamen dann noch dazu - die hab ich aber "am Mann" nach Buenos Aires transportiert. Zu Hause angekommen war meine Batterie dann erstmal leer. Hab die letzten drei Tage unglaublich viel geschlafen, gegessen und nebenbei ein bißchen gepackt. Das Wetter war ja nicht so toll und der nieselige, kalte Novemberanfang machte mir das Adieu sagen dann doch recht einfach. Der Abschied von meiner Familie war demnach dann kurz und schmerzlos und am Freitag den 02.11.2007 sass ich dann irgendwie völlig teilnahmslos im Zug nach Frankfurt: Die Reise begann.

Nach einem arschlangen Flug (um genau zu sein 16 h + 3 h Aufenthalt in Milano) kam ich Samstagmorgen um kurz nach 7:00 Uhr bei strahlendem Sonnenschein und ca. 20 Grad am Flughafen Ezeiza in Buenos Aires an. Nach dem Gepäckcheck und der Immigration konnte ich dann am Ausgang schon meinen Fahrer entdecken. War mir alles ja irgendwie schon bekannt. War ja schließlich schon einmal da gewesen ;-)
Am Hotel "Cabildo Suites" angelangt dann erstmal eine böse Überraschung: ich musste vier Stunden warten bis mein Zimmer frei wurde. Leider hatte keiner Bescheid gegeben dass ich schon so früh komm. War ehrlich gesagt dann auch erstmal ganz schön frustriert und dachte mir: ist ja ein echt "herzliches Willkommen".

Naja, was solls, irgendwann war das Zimmer frei und ich bin dann nach einem Sprung unter die Dusche erstmal mit dem Taxi gen Guillermo (mein Kumpel hier in Buenos Aires) gefahren.

Dienstag, 6. November 2007

Poesie

S T U F E N

(von Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and're, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewohnheit sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Freitag, 19. Oktober 2007

1 Mal Frankfurt und zurück

...die letzten Tage waren erreignisreich und schlaflos. Gestern dann der Höhepunkt, als ich morgens um 4:45 Uhr aus dem Bett gestiegen und mit dem Taxi zum Flughafen Berlin Tegel gefahren bin. Mein Visum für Argentinien lag für mich bereit. Dank der perfekten Organisation von IDC konnte ich das gute Stück nach einigem Bangen dann gestern persönlich im Konsulat abholen. Nicht ohne zuvor die Finger schwarz gefärbt auf verschiedene Dokumente zu drücken. Ansonsten ging es razz fazz, war ja auch der einzige Kunde an diesem Tag. Danach hatte ich noch eine Verabredung mit Simon bevor es um 14:45 Uhr wieder zurück nach Berlin ging. Ach ja, es lebe der Jet Set! Einen Strich durch meine Pläne hatte mir nur beinahe die deutsche Bahn gemacht. Nachdem zwei S-Bahnen nicht so fuhren wie sie sollten (STREIK!!!) war mir doch etwas mulmig als ich erst 30 Minuten vor dem Start der Maschine im Flughafen ankam. Aber etix machts möglich: ich hab die Lufthansa Maschine doch noch bekommen ;-)Abends war dann groß Feiern im Adagio angesagt. Anscheinend ein recht bekannter Club am Potsdamer Platz, ich kannte ihn natürlich nicht... Die Musik hat mich schwer an Autoscooter Zeiten erinnert, ich sag nur "Mr. Vain" und "YMCA". Lustig wars natürlich trotzdem (oder besser: gerade deswegen). Wenn ich nur nicht so müde wäre heute morgen - da hilft auch nicht die Aussicht, dass wir heute Kreativitätstraining haben.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

"Das" POS in Berlin - auf dass die Krabbelgruppe laufen lernt

Der Vorfreude auf Berlin war nach dem lustigen Abend mit den Rückkehrern des Informandenjahrgangs 10/2006 noch enorm gestiegen und ich konnte das sagenumwobene POS gar nicht mehr erwarten. Am 1. Oktober ging es los . Irgendwie habe ich es vor der Abfahrt noch fertig gebracht mein süßes, kleines Lieblingsauto zu verkaufen. Für den Preis von 365 Euro, ich könnte Heulen deswegen. Aber lange konnte ich gar nicht Trauern, Christian stand ja 10 Minuten später mit einem schicken A6 vor Susanns Haustier und hat mich und meine Riesentaschen ins Auto gepackt. Nachdem Christian mich und Elisabeth in Berlin gut im Wohnheim abgeliefert hatte hieß es erstmal einkaufen: Essen und nicht zu vergessen Putzmittel um die Bude auf Vordermann zu bringen. Der erste Abend wurde dann von gesammelter Mannschaft am Hackeschen Markt verbracht bevor das POS am nächsten Tag mit einer Vorstellungsrunde begann. Einige hatten sich ja schon am Abend zuvor kennen gelernt, aber jetzt wurde es nochmal richtig offiziell.
Zum Glück war am nächsten Tag - dank der Wiedervereinigung - schon wieder frei. Der 3. Oktober wurde gemeinsam vor dem Brandenburger Tor verbracht. Viel weniger eng als erwartet dafür mit einer um so besseren Stimmung lauschten wir Juli, Silbermond, 2Raumwohnung, Sportfreunde Stiller und zum krönenden Höhepunkt den fantastischen 4. War ein echt cooler Tag, wenn da nicht meine fiese Erkältung gewesen wäre... Aber was einen nicht umbringt macht einen ja nur noch härter ;-).
Recht erlebnisreich verliefen auch die letzten Tage, doch mit den internen Geschichten langweile ich euch lieber nicht ...

Stressige, traurige, verrückte, müde, vorfreudige Tage in Erlangen ...

Thailand - Vorgeschmack aufs Infojahr ;-)