Nach drei Stunden Flug kam ich in Brasilien am Internationalen Airport an, musste mich erstmal durch die obligatorische Immigration quälen und bin schliesslich nach einigen Verhandlungen in einem "Taxi comun" gelandet das mich direkt zu Ralfs Hotel bringen sollte. Alleine diese Fahrt war schon sehr interessant. An den Hängen der Stadt befinden sich die aus ärmlichen Behausungen bestehenden Gebiete, die als Favelas bekannt sind, während die vornehmeren Wohngebiete im Süden (also am Meer), nahe den Stränden an der Atlantikküste, wie Copacabana , Ipanema und Leblon liegen. An denen sind wir auch vorbeigefahren. Irgendwie komisch. Die grösste Favela Südamerikas "Rucinha" lag auch auf dem Weg. 250 000 Menschen leben da. Wie die Menschen sich dort mit Wasser und Strom versorgen ist eigentlich ein Rätsel. Der Versorgung der Stadt sind sie jedenfalls nicht angeschlossen. Und das sind auch die Teile der Stadt, die Rio den zweifelhaften Ruf eingebracht haben. Als ich bei Ralf ankam fühlte ich mich aber eher wie in Miami am Strand. Nachdem ich mich kurz bei umgezogen hatte bin ich auch gleich mal dorthin gestapft. Ralf musste ja noch arbeiten und ich wollte mich währenddessen noch am Meer verlustieren. Das hab ich auch gemacht wie man sieht - und die Kokosmilch war ein Traum!!!
Als mein Gastgeber schliesslich von der Maloche kam wurde auch nicht lang gezaudert und am Meer entlang ging es mit dem Auto schnurstraks in Richtung Ipanema und Copacabana. Was soll ich sagen? Ja, Rio de Janeiro ist definitiv einer der schönsten Städte der Welt. Die Mischung aus fast weissem Sandstrand, türkisblauem Wasser, den Bergen im Hintergrund und den fast immer lachenden Menschen hier hat einen einzigartigen Charme. Wahnsinn, wirklich wahnsinn! Ralf hat mir unglaublich viel gezeigt und erklärt. Das jetzt alles wiederzugeben würde euch wohl langweilen, ihr müsst einfach selbst mal hierher kommen ;-)!
Nach einer Tour durch die Innenstadt und einer Runde Angeln haben wir uns auf dem Weg zum Essen gemacht. Es gab Buffet, damit ich alles einfach mal probieren konnte. Und es war sehr lecker! Wie auch die Argentinier essen die Brasilianer sehr gerne Rindfleisch, also fiel zum Glück schonmal die Häfte der Auswahl raus. Aber dann gab es ja noch den Fisch, die scharfen Speisen aus dem Norden und allesmögliche Andere. Den 1. Caipirinha gab es auch: der Klassiker mit Limette. Mmh! Nach einem kurzen Abstecher zu Hause ging es dann auch schon weiter zu einer Bar mit Lifemusik. Rio ambiente oder so hiess es. Sehr cooles Ding. Zum Glück hatte ich meine Kamera dabei ;-) und meinen Lieblingsdrink hab ich jetzt auch gefunden: Maracuja - Caipirinha.
Da wir am nächsten Tag jede Menge vor hatten ging es dann auch schon recht bald nach Hause.
Nach dem Aufstehen fuhren wir erstmal Sightseeing machen im Supermarkt: riesengroß und im Gegensatz zu Argentinien gibt es sogar Naturjoghurt und noch viel besser: alle möglichen exotischen Früchte. Hab mich auch gleich mal eingedeckt. Nun ging es direkt zur Christusstatue, eines der berühmten Wahrzeichens Rios, die sich auf dem Corcovadoberg (ca. 700 m hoch) befindet - zu erreichen mit einer richtig urigen Bergbahn. Die Statue ist 30 Meter hoch, steht auf einem 8 Meter hohen Sockel und wiegt 1.145 Tonnen. Wir hatten eine gigantische Aussicht da das Wetter für uns Glückskinder mitspielte. Nach dem anstrengenden Anstieg *ha, ha* gab es dann erstmal einen frischen Mango-Maracujadrink und einen sehr leckeren tropischen Fruchtsalat.
Ralfs Auto haben wir gut bewacht durch unsere "Freunde" auch gleich wieder gefunden und wir sind in Richtung Lapa bzw. St. Teresa gefahren. Eigentlich wollten wir über das städtische Aquädukt mit der Bimmelbahn fahren.


Sind aber dann doch erstmal in ein Fischrestaurant von Ralfs Bekannter Marina gegangen und haben uns gestärkt. Nach dem zweiten Bier und aufgezogener Bewölkung und Nieselregen haben wir das Vorhaben erstmal auf den nächsten Tag verschoben. War aber sehr lustig: Mirana hat mich auf portugiesisch vollgequatscht und ich habe auf spanisch geantwortet. Irgendwie haben wir uns verstanden ;-)
Sind dann erstmal heim zum frisch machen und eine Runde Schlaf nachholen. Anschliessend ging in die nächste Bar mit Life-Musik - und da war der Maracuja - Caipi auch sehr lecker! Nach einem kleinen Imbiss ging es dann um 5 Uhr auch schon nach Hause. Wir haben uns dann aber erstmal noch auf den Balkon gesetzt und den Sonnenaufgang am Meer bewundert. Schöööööööön! Irgendwann - lassen wir es halb acht sein - ging es dann doch endlich mal in die Kajüte.. da war ja noch was für morgen geplant ;-)
Nach einem morgendlichen Vitaminstoss (Papaya, Maracuja, Feige und Mango) fuhren wir frohen Mutes zum Zuckerhut.

Der "Zuckerhut", ein Wahrzeichen Rio de Janeiros, ist ein 394 Meter hoher Granitfelsen, der der Stadt auf einer Halbinsel im Atlantik, in der Guanabara-Bucht gelegen, vorgelagert ist. Er wird in Brasilien "Pão de Açúcar" (wörtlich Zuckerbrot, der portugiesische Begriff für Zuckerhut) genannt, weil er die Form desselben hat.
Auf den Gipfel des Berges führt eine Drahtseilbahn ("O Bondinho"), ihre Kabine ist rundherum aus Glas, so dass man schon während der Auffahrt den Felsen sehen kann. Der erste Streckenabschnitt der Seilbahn wurde am 27. Oktober 1912 fertiggestellt, doch erst der zweite Abschnitt, der 1913 fertig wurde, führte bis auf den Gipfel des Berges.
Die steilen Drahtseile der Bahn wurden auch schon für artistische Künste benutzt. 1967 fuhr beispielsweise ein Deutscher mit einem Motorrad die Seile hinauf und im Jahre 1977 balancierte der US-amerikanische Drahtseiltänzer Steven McPeak bis zum Gipfel. 1979 war der Berg Kulisse eines Kampfes zwischen James Bond (Roger Moore) und Beißer (engl. Jaws), gespielt von Richard Kiel, im Film "Moonraker - Streng geheim".
Auf der südlichen Seite des "Zuckerhuts" befinden sich die Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon bis hin zum Felsen von Gávea. Auf der nördlichen Seite liegt die Bucht von Guanabara mit den angrenzenden Stadtvierteln Botafogo, Flamengo, Ilha de Governador bis hin zum Hügel "Dedo-de-Deus" bei Teresópolis. Im Westen steht die Christusstatue auf dem Corcovado.
Leider war das Wetter nicht so überragend. Deswegen ging es nach kurzem Aufenthalt auch schon wieder runter und dann leider auch nicht zur Bimmelbahn sondern zu einem brasilianischen Markt ein bißchen ausserhalb. Puh, und das war dann echt ganz schön krass. Brasilianer sind übrigens ganz schön dick, durchschnittlicher vermutlich 10 kg mehr als die Argentinier und ich weiss jetzt auch woher das kommt: Fleisch, Fleisch und Fleisch und dazu Bier in rauhen Mengen. Was die Kleidung angeht kennen die ja in Brasilien auch keinen Schmerz. Desto dicker die Oberschenkel desto kürzer die Hotpants. Und gefeiert haben die wie die Weltmeister, eng tanzen und grapschen inbegriffen. Ich hab mich da mal schön rausgehalten und mir im nachhinein gedacht ein Ausländer auf dem Oktoberfest könnt sich ähnlich fühlen. Naja, ich war froh als wir wieder daheim waren.
Wir haben uns dann noch einen Film reingezogen und geratscht. Montag morgen ist mein Gastgeber dann brav in die Arbeit und ich erstmal an den Strand. Nach einer Runde baden und Sonne tanken hab ich meine sieben Sachen gepackt und bin mit dem Taxi zum botanischen Garten. Traumhaft!
Als ich ankam hat es zu regnen begonnen, eh ich es mich versah hat mich aber ein brasilianische Reisegruppe mit ihrem Golfwägelchen aufgegabelt und ich wurde durch den Park kutschiert. Sehr angenehm ;-)
Der Botanische Garten, Anfang des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung des Prinzregenten Johann VI. angelegt, ist eine der bedeutendsten Grünflächen der Stadt. Darin gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten, darunter das "Kuhlmann-Museum", den Sitz der Gartenverwaltung, das Portal der früheren "Academia Imperial de Belas Artes" (Kaiserliche Akademie der Schönen Künste), die nach Zerstörung des Gebäudes von Grandjean de Montigny (1772-1850) in den 1930er Jahren hierher verlegt wurde, sowie die frühere Schießpulverfabrik. In der Nähe befinden sich der "Horto Florestal", die Baumschule, sowie der "Solar da Imperatriz", das ehemalige Palais der Kaiserin (an der Estrada Dona Castorina).
Nun war leider schon das Ende meiner Reise da. Ich bin mit dem Taxi zurück zum Flughafen, hab noch ein paar Fotos vom Christbaum auf dem See von Rio geschossen und bin dann nach einiger Warterei mit dem Flugzeug zurück in mein geliebtes Buenos Aires. Und es hat sich tatsächlich angefühlt wie heimkommen. Nach vier Tagen nix verstehen war ich froh wieder eine vertraute Sprache zu hören. Das ist auch mein Fazit: Rio de Janeiro ist unglaublich schön, wohl wirklich die schönste urbane Zone dieser Welt, man findet eine ganz einzigartige Atmosphäre fast überirdisch. Nur leben möchte ich dort nicht. Vielleicht wegen der allgegenwärtigen Bedrohung, vielleicht weil ich die Sprache nicht verstehe und vielleicht auch weil mir diese geballte Körperlichkeit und Lust auf Dauer zu viel wäre.
Vielen Dank auf jeden Fall an meinen Gastgeber! Der beste Reiseführer aller Zeiten.
Noch ein paar Infos am Rande:
Rio de Janeiro ist mit 6,1 Mio Menschen in der eigentlichen Stadt und 11, 6 Mio in der Metrolpolregion die zweitgrösste Stadt Brasiliens. Von 1763 bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese Funktion an Brasilia ab, bleibt aber nach Sao Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Die Einwohner der Stadt nennt man "Cariocas".
Ein großes Problem für die Stadt ist die wachsende Kriminalität. Laut dem brasilianischen Justizministerium liegt die Mordrate in Rio de Janeiro bei rund 60 Personen pro 100.000 Einwohner, während der Durchschnitt in Brasilien 30/100.000 Einwohner beträgt (Deutschland 1/100.000 Einwohner). Am meisten sind die Männer (94 Prozent) und davon die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren (44 Prozent) betroffen. 80 Prozent der Tötungsdelikte werden durch Schusswaffen verursacht. Rund 90 Prozent der Schusswaffen befinden sich in Privatbesitz (davon etwa die Hälfte illegal), die restlichen zehn Prozent gehören dem Staat.
Die Polizei hat neben Tötungsdelikten auch mit Entführungen, Raubüberfällen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho) zu kämpfen. Schätzungen der brasilianischen Polizei zufolge wird das Comando Vermelho (CV) in Rio von etwa 5000 teilweise mit Kriegswaffen ausgerüsteten Kriminellen gebildet. Es kontrolliert etwa 40 Prozent des lokalen Marktes für illegale Drogen.
Am 28. Dezember 2006 wurde in Rio de Janeiro eine Anschlagsserie gegen Polizeistationen und andere zivile Einrichtungen verübt, der über 18 Personen zum Opfer fielen. Der Anschlagsserie ging eine massive Polizeipräsenz kurz vor den Feiertagen des Jahreswechsels voraus, wobei zehn Favelas durch die Militärpolizei besetzt wurden. In der Favela Vila Cruzeiro und sogar in einem bekannten Einkaufszentrum kam es zu zahlreichen Schießereien. Gesteuert wurden diese Aktionen vermutlich vom Comando Vermelho, wobei inhaftierte Anführer verschärfte Haftregelungen im neuen Jahr befürchteten.



2 Kommentare:
Haste inzwischen eigentlich auch eine Arbeit oder wird da nur Urlaub gemacht? ;-)
ich will dich auf jeden fall besuchen kommeeeeeeeeeeen
und ich will auch nach rio - sieht toll aus, erinnert mich aweng an lissabon :D
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