Dienstag, 4. Dezember 2007

Update Woche 22.11-29.11

Zur Abwechslung durfte ich am Donnerstag den 22.11.2007 mal wieder umziehen. Da ich mich tags zuvor ausgiebig mit meiner Spanischlehrerin Bruna über die Eigenheiten des argentinischen Lebens unterhalten hatte - und daher ausgestattet war mit dem ein oder anderen Tipp wie ich mir das Leben hier trotz mancher Geduldsprobe angenehm gestalten kann – sah ich dem vierten Umzug innerhalb von 18 Tagen gelassen entgegen.
Da sich manche Dinge dann ja wirklich zum Positiven wenden, durfte ich mich beim Verlassen des einen Hotels auf das neue Ziel auch richtig freuen.

Da alle Hotels in Buenos Aires momentan komplett ausgebucht sind war nur noch Platz im Hotel Emperador direkt im Zentrum… und das hat seine fünf Sterne auch redlich verdient ;-)!

So kann ich jetzt noch ein paar Tage vollen Service genießen bevor es am Montag – dann aber wirklich – in meine eigene Wohnung geht.
Komme gerade übrigens aus dem Schwimmbad bzw. der Sauna ;-)

Qué más? Nun, am Freitag nach einer eher unspannenden Arbeitswoche hatte ich mich mit ein paar anderen für eine Tango-Show verabredet. Technisch brillanter Tango wurde da nett aufgemacht als Theaterstück inszeniert. Mir hat es nicht so gut gefallen... die Damen wurden zwar eifrig durch die Luft gewirbelt und an Showelementen hat es tatsächlich nicht gemangelt, doch das was ich am Tango so gerne mag kam nicht so richtig bei mir an. La Pasión.

Danach waren wir noch gemütlich in Palermo Soho am Plaza Serrano was trinken. Bis dann um 4 Uhr Arne ordentlich eins auf die Nase bekommen hat. Warum wissen wir selbst nicht, jedenfalls fand er sich sekundenschnelle mitten in der Kneipe auf dem Boden liegend wieder und hatte einen dicken Argentinier auf sich sitzen der ihm ordentlich eins einschenkte. Zum Glück haben die anderen beiden Jungs die dabei waren schnell reagiert und den Armen befreit – außer blutenden Nase, einer dicken Lippe und einem blutverschmierten T-Shirt ist nix passiert! Irgendwie war dann die Laune aber bei uns nicht mehr so doll und mit dem Taxi ging es dann ab nach Hause… Nicht das die werte Leserschaft jetzt denkt das wäre hier normal. Das ist es nämlich nicht. Und die anderen Gäste haben sich dann auch sehr schnell und total lieb um Arne gekümmert und sich auch 1000 Mal für ihren unbekannten Landsmann entschuldigt … der war übrigens zwischenzeitlich auf und davon gerannt (die Security in dem Laden ist anscheinend nicht gerade die Schnellste).

So, aber nun nach dem ganzen Vorgeplänkel endlich mal was am Wochenende sonst noch war:
- habe einen Suse-Gedenktag gemacht… bin nämlich an zwei koreanischen Supermärkten vorbeigelaufen und habe mich spontan mit Soyu, Kimtschi, Red Pepper Sauce, Algen und sonstigen asiatischen Leckereien versorgt. Und gleich mal die Besitzer in ein Gespräch verwickelt. Hatte mich ja schon des Öfteren die letzten Tage gefragt wie das wohl für Asiaten in so einem Land wie Argentinien ist. Die offene und herzliche argentinische Art ist ja auch für mich manchmal eher krass. Wie dann erst für Menschen, die aus einer Kultur kommen in der Gefühle normalerweise gar nicht gezeigt werden. Die Besitzerin sagte mir, dass es zwar am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig war und auch manchmal richtig hart, aber inzwischen hat sie argentinische Kultur lieben gelernt und findet gerade dieses leidenschaftliche Leben hier ganz toll. Dabei hat sie aus vollem Hals gelacht! Dann klappt es bei mir bestimmt auch noch ;-)

- Danach hatte ich eine spitzen Tangotanzstunde mit Sabrina. Hatte davor ein bisschen Schiss, da ich ja wirklich nun fast drei Monate nicht mehr mit Tango beschäftigt hatte und bei einer Einzelstunde fliegt das ja schnell auf… aber die Angst war unbegründet, Tango tanzen ist wie Rad fahren, das verlernt man nicht so schnell ;-)

- Als weiteres Highlight am Wochenende stand ein Polospiel an der Tagesordnung. Polo ist hier in Argentinien das Event zum Sehen und Gesehen werden der argentinischen High-Society. Wahnsinn wie sich alle für dieses Ereignis herausgeputzt hatten… Von den Regeln hatten wir alle nicht so richtig viel Ahnung, haben aber natürlich trotzdem reichlich gefachsimpelt. Zum Missfallen der anderen Zuschauer. Komischerweise war es während des ganzen Spiels was totenstill. Keiner hat geredet, von Anfeuern oder so keine Spur. Quasi das Gegenteil der Stimmung wie beim Fussball. Daniel hat irgendwann eine glorreiche Erkenntnis zur Sprache gebracht: er hatte sich immer gewundert warum es bei den „La Maritima“ Trickots (bekannte argentinische Polokleidungsmarke – in Europa schweineteuer) nur die Nummern 1 bis 4 zu kaufen gibt. Nun es gibt ja auch nur vier Feldspieler pro Mannschaft. Da für ein Spiel pro Reiter ungefähr 6 Pferde gebraucht werden – die Pferde werden jeweils nach 6 Minuten aufgrund der extremen Belastungen ausgewechselt – und ein Pferd ungefähr soviel kostet wie ein Einfamilienhaus in Deutschland kann man sich in etwa vorstellen wer diesen Sport den überhaupt so ausüben kann. Also reich zu sein reicht da nicht, da muss dann schon ein „stinkreich“ her.

- Sonntag – Ausflug nach Tigre:
Sonntag morgen hab ich mich um 9:00 Uhr aus dem Bett gequält - eigentlich verwunderlich, am Abend vorher war das Highlight ja der Besuch der Sauna gewesen und keine heiße Disconacht. Hab mich dann erstmal am Buffett gelabt und bin dann zum Retiro-Bahnhof ganz in der Nähe gelaufen. Dort wollte ich mich mit Stefan, Arne und Julia treffen um gemeinsam die Fahrt nach Tigre anzutreten. Mannomann, hier gibt es einige Männer die ungeniert starren sobald ein weibliches Wesen vorbeiläuft. Und wenn man den Fehler begeht und irgendwo zum warten stehen bleibt, dann wird man wirklich von oben bis unten gemustert. Ich hab mir darauf hin geschworen zum nächsten Treffen zehn Minuten zu spät zu kommen. Momentan bin ich immer noch überpünktlich und komm zehn Minuten vorher am vereinbarten Treffpunkt an.

Naja, egal. Die anderen kamen dann schliesslich auch und wir sind in den Bummelzug nach Tigre (liegt am danach benannten Delta des Rio de la Plata) gestiegen. Für 25 Cent eine Stunde Zugfahrt, da sollte sich die deutsche Bahn mal ne Scheibe abschneiden ;-). Dort angekommen haben wir erstmal ein Boot gechartert, haben uns mit Essen und Trinken versorgt und sind gemütlich 2 h durch das Delta geschippert. Schön wars!
Nach einem Abstecher zu einem nahegelegenen Handwerkermarkt gings wieder zurück ins Hotel .. hatte ja noch was vor am Abend, aber die Sonne hat mich so geschafft, dass ich mich dann lieber um 21 Uhr gleich ins Bett gelegt habe... schliesslich standen für den nächsten Tag ja große Pläne an: ich durfte endlich, endlich in meine Wohnung umziehen. Hab mal wieder meine Sachen gepackt und der Fahrer hat mich dann mitsamt dem Gepäck in meinem neuen Domizil abgeliefert. Die Besitzerin hat zwar einen Knall was ihre Verbote und Regeln angeht, aber die Maklerin meinte, dass ich das jetzt mal alles "tranquilo" nehmen soll. Mach ich natürlich auch ;-).
Die Besitzerin ist aber echt eine richtige Hexe, aber ich hoffe mal ich kriege keine Probleme mit ihr. Werde sie ab jetzt jeden Monat einmal sehen, da ich ihr das Geld bar in die Hand drücken muss. Super, dass sie dazu jedes Mal extra zu mir in die Wohnung kommt - ich glaub, die Dame leidet unter Kontrollzwang ;-)
Habe nun auch ein paar Bilder reingestellt ..
Nachdem mir die Wohnung übergeben wurde bin ich noch "schnell" zum Ballett gefahren. Eine Stunde Anfahrt und dann über eine Stunde Rückfahrt für eine Ballettstunde erscheinen mir im nachhinein doch etwas absurd, daher muss ich wohl noch weiter nach einer guten Schule in meiner Nähe suchen. Irgendwie übersehe ich beim Lesen des Stadtplanes immer noch geflissentlich, dass man hier für fast jede Strecke eine Stunde unterwegs ist. Deswegen sind die Tage hier auch immer sooooo lang und ich dementsprechend müde ;-)

Am nächsten Tag stand dann ein weiteres Abenteuer auf dem Plan: Bisher hatte ich das Glück, dass ich morgens von einem Fahrer abgeholt und in die Arbeit gebracht und abends dann wieder heimkutschiert wurde. Der Luxus ist nun aber mit dem Einzug in die eigene Wohnung vorbei *schnief*. Also muss ich mich jetzt selbst organisieren und habe mich entschieden erstmal mit dem Bus zu fahren. Hab heute morgen erstmal 20 Minuten gebraucht um die Bushaltestelle zu finden.. gar nicht so einfach bei 180 Buslinien die hier so rumfahren. Irgendwann hatte ich sie dann gefunden und war auch bereits im Bus. Nach einigen Kilometern murmelte der Busfahrer irgendwas vor sich hin. Hab dann gefragt was los ist und er meinte, dass es besser wäre auszusteigen und auf den nächsten Bus zu warten, weil dieser hier bald den Geist aufgibt. Ist wohl häufiger so hier.. die Busse werden gefahren bis sie auseinanderflieben - sehr vertrauenserweckend... Na Bravo! Zum Glück stand an der Bushaltestelle an der mich der Busfahrer dann ausstiegen ließ einer meiner Kollegen, (ein Bolivianer). Welch Überraschung: er hat die Restfahrt (wir mussten 15 min auf den nächsten Bus warten, der kam dann aber auch recht pünktlich) dazu genutzt mir seine Lebensgeschichte darzulegen. Was man nicht alles erfährt morgens auf dem Weg ins Büro ;-)

Dienstag nach meiner Spanischstunde bekam ich meinen ersten Besuch in meiner neuen Wohnung. Guillermo, Gustavo und Florencia kamen zum Sushi-Essen vorbei. Wir mussten zwar ein wenig improvisieren, da meine Küche noch recht sporadisch eingerichtet ist, aber schön wars trotzdem. Und ich hab mich gefreut wie ein Schneekönig, dass ich jetzt auch mal die Leute einladen kann, die mir letztes Jahr hier soviel geholfen und gezeigt haben.

Mittwoch habe ich dann nach der Arbeit zum Einkaufen im "JUMBO" genutzt. Musste mich ja noch mit Mülleimer, Putzmittel und Co. ausstatten. Mannomann ist das ein Riesenladen! Und dann die Enttäuschung: die hatten keinen Naturjoghurt. Anscheinend gibt es in Argentinien nur eine einzige Joghurtmarke die auch Naturjoghurt (ohne Zucker und Geschmack und so) produziert und der war gerade an dem Tag aus. Habe dann im Büro nachgefragt ob das tatsächlich so ist. Ja, es ist so. Und mich haben auch alle voellig entgeistert gefragt, was ich denn mit dem Naturjoghurt machen will. Kochen? Kuchen backen? Auf die Idee, dass ich den auch einfach so mit Früchten oder so essen könnte kam jedenfalls niemand.

Das Highlight des heutigen Tages, nach Morgengymnastik im Freien und dem Yogakurs in der Mittagspause war der Rundgang durch die Werkstatt. Horacio, der "Werksleiter" hat mir alles gezeigt und erklärt. Ganz schön anstrengend, da die technischen Sachen auf spanisch nicht gerade einfacher zu verstehen waren ;-)
Zum Abschluss hat er mich dann der ganzen Mannschaft vorgestellt. Und d.h., dass ich mich von ungefähr 20 schlechtrasierten Männern auf die Backe küssen lassen durfte. Ich sag's euch, das ist echt kein Zuckerschlecken hier! Musste mich echt zusammenreissen danach nicht auf die Toilette zu rennen und meine Backe mit Sagrotan abzuwischen... Die Putzfrau knutscht mich inzwischen auch schon ab wenn sie mich sieht. Puh, Berührungsängste darf man da echt nicht haben.

Heute Abend geht es dann erstmal zum Tangokurs und danach zu einer Party des "Club Europeo" - ein guter Auftakt für meine Reise morgen ...

Juhu, auf geht es nach Rio de Janeiro!!! Melde mich ab Dienstag wieder mit einem ausführlichen Bericht!

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