Mittwoch, 30. Januar 2008

Januarende

Bevor ich alles vergesse was ich die letzten Tage erlebt habe muss ich mich jetzt doch wohl hinsetzen und ein paar Zeilen schreiben ...

... San Telmo: Ich kann mich immer noch nicht so richtig entscheiden welcher nun mein Lieblingsstadtteil ist. Ich schwanke zwischen San Telmo und Palermo. Waehrend Palermo modern, begruent, dynamisch und politisch korrekt in der Umgebung meines Apartmenthauses einen Charme von jugendlicher Frische versprueht (in dem man Inbars, Sushi und trendige Klamotten und Accesoires vorfindet), zieht San Telmo gerade durch die schaebigen Hausfassaden, die melancholische Musik des Tango, die haesslichen Hinterhoefe und die Antiquaetenlaeden und Flomaerkte in den Bann.

Samstag war ich mal wieder dort. Zuerst war ich mit ein paar anderen in den "Manzanas de las Luces" (dazu spaeter mehr) am Plaza de Mayo und bin dann alleine in Richtung Plaza Dorrego geschlendert. Vorbei an den ranzigen Geschaeften, staendig ein vulgaeres Piropo der Kerle auf der Strasse im Ohr, zu einem kleinen Antiquariat in dem ich durch die bereits vergilbten Zeitschriften der 40er Jahre und die uralten zerlesenen Buecher stoeberte. Im Hintergrund dudelte leise Jazzmusik vor sich hin. Irgendwie schien mir als waere die Zeit in diesem Raum stehen geblieben. Zwei Zeitungen hatte ich mir schliesslich ausgesucht doch wie so oft das Problem mit dem Wechselgeld. Einen 100 Peso Schein konnte der ergraute Herr, der Verkaufer der mit einem jungen Paarchen Maté hinter einem Berg Buecher schlurfte unmoeglich klein machen. Gut, dann geh ich mal ins Restaurant gegenueber und trinke einen Kaffee. Von dort aus konnte ich auch den Namen des Geschaeftes lesen "El Rufián melancólico" ... der Verkaeufer stand inzwischen auf der Strasse und schaute, ... oje, es war ja schon 20 Uhr. Der wollte bestimmt sein Geschaeft zumachen. Habe dem Kellner meinen 100er in die Hand gedrueckt, das Wechselgeld in meine Ledertasche gestopft und bin zurueck um die Zeitschriften zu kaufen ... als haette ich es geahnt und als haette eine ueberirdische Hand mich ein zweites Mal in diesen Laden gefuehrt beginnt nun eigentlich das magische an dieser Geschichte. Ich fragte was "El Rufían" bedeutet. Der Mann, er heisst uebrigens Jorge, hat mir darauf die Geschichte eines Zuhaelters erzaehlt, der sich ungluecklich in einer seiner Frauen verliebt ... dabei fiel mir auf, dass der Herr offensichtlich kein argentinisches Spanisch sprach und tatsaechlich, er kommt aus Chile ... und ist eigentlich Designer, Designer von Dingen aus Leder ... und ja, am liebsten macht er Tangoschuhe. Alles speziell auf die Person abgestimmte Designerschuhe. Nach einem ausserst philosophischen Gespraech ueber Schuhe und Tango habe ich mich zwar dann fast nicht getraut es zu fragen. Mich hat es aber so unter den Naegeln, um genau zu sein unter den Fussnaegeln gejuckt, dass ich es schliesslich doch getan habe: ich habe gefragt, ob er mir auch ein Paar macht. Mir war in dem Moment eigentlich fast egal wieviel es kostet, viel mehr Angst hatte ich, dass er sagt: Nein, tut mir leid, fuer Dich mach ich keine. Mir schien naemlich, dass er "seine" Schuhe nur in gute Haende abgegibt...
Nun denn, es wurde Mass genommen und ich konnte meine Ideen und Wuensche aeussern. Morgen suche ich dann das Leder aus...
Hab mich dann verabschiedet und bin aus dem Geschaeft hinaus ... ja, fast schon geschwebt.

Konnte es gar nicht glauben und waere fast geplatzt vor Glueck... ich weiss, das koennen wohl nur tangotanzende Frauen verstehen, die einen absoluten Schuhtick und Hang zur Nostalgie haben.

Ja, und genau aus diesem Grund mag ich San Telmo so gerne. Weil es Geschichten vom Leben erzaehlt.

Januartage


... Tango: ich war inzwischen richtig oft tanzen, sowohl zu Stunden als auch auf Milongas. Und es ist einfach toll!
... habe die "Manazanas de las Luces" besucht, wohl die erste europaeische Siedlung in Argentinien (von Jesuitenmoenchen gegruendet um 1650)
... ich habe einen SAP-Anschluss und einen argentinischen email-Account.
... Schlussverkauf und noch mehr Schuhe

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