Wie angekündigt bin ich letzte Woche gemeinsam mit Guillermos Schwester Trinidad nach Rosario gefahren. Wir mussten zwar um 5:00 Uhr aufstehen um den Bus nach Rosario zu erwischen, aber dafür wurden wir von einem traumhaften Sonnenaufgang über den kleinen Seen und Flussauen der Landschaft entschädigt.. schlaftrunken kamen wir dann nach einer Stunde Fahrt in dem 1 Mio Einwohner Städtchen Rosario an. Während Trinidad in die Uni ist habe ich mich erstmal ausgeschlafen und bin anschließend durch die Stadt geschlendert. Das unbestritten Schönste in Rosario ist das Flussufer des Río Parana an dem sich Galerien, Restaurants, Bars, Strände und Parks quasi nahtlos aneinander reihen. Dort war ich dann auch erstmal laufen und habe den Anglern und den vorbeidümpelnden Containerschiffen zugesehen. Die Atmosphäre in der frühen Abenddämmerung war einfach toll und ich konnte mich lange nicht von dort losreißen. Spätabends habe ich vor allem mit meiner argentinischen SIM-Karte rumgeärgert, die Gute hat mal wieder Zicken gemacht. Dank der sehr aufmerksamen und hilfsbereiten Unterstützung von zwei Kioskbesitzern hab ich das Telefon aber doch schließlich wieder zum Laufen gebracht… ;-)
Am nächsten Morgen war ich dann gleich noch mal am Ufer entlang laufen, kurz in der Stadt um mir noch ein paar sehenswerte Gebäude anzusehen [vom Wohnhaus Che Guevaras war ich übrigens herbe enttäuscht, von außen hätte ich es ohne die Hilfe meines Reiseführers sicher nicht wahrgenommen] und bin dann mit dem Bummelbus wieder zurück nach Victoria.
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| Zwischen den Jahren |
Victoria ist zwar mit 40.000 Einwohnern gar nicht mal so klein, aber trotzdem hat des das Flair eines Dorfes. Es gibt einen schönen Marktplatz mit Kirche und der Kneipe wo sich jung und alt trifft: „El Banco“ ansonsten passiert – glaub ich – nicht sehr viel hier. Trotzdem ist Victoria eine typische Stadt des „Interior“ des Landesinneren. Da sich Kultur, Politik und Lehre fast ausschließlich in der Megacity Buenos Aires konzentrieren habe ich hier schon manchmal das Gefühl die Zeit wäre stehen geblieben. Das Leben der Bewohner läuft auch sehr viel geordneter und ruhiger ab als in der Hauptstadt. Das entspannte Maté trinken zu jeder Gelegenheit und die stoische Ruhe der Leute vermittelt mir teilweise das Gefühl, als wäre ich hier tatsächlich an einem Ort an dem die Uhren etwas langsamer ticken als im Rest der Welt.
Als ich schließlich aus Rosario wieder dort ankam hat mich dann Florencia, Guilles Cousine in Empfang genommen und wir sind mit dem Fahrrad durch die Stadt gedüst und haben uns anschließend im Pool abgekühlt. Puh, und hier kennt scheinbar echt jeder, jeden… Florencia hat jedenfalls ständig irgendwelche Leute begrüßt und irgendwie wusste auch jeder, dass die „Alemana“ im Lande ist. Und auch jeder, dass ich mit Guillermo Weihnachten gefeiert habe und jetzt bei seiner Familie wohne, was anscheinend die Gerüchteküche ordentlich zum brodeln gebracht hat. Mich wiederum auf die glorreiche Idee, dass ich Guillermo in der Arbeit als meinen „Novio“ verkaufe und mir dadurch die lästige Nachfragerei meiner lieben Kollegen erspare. *grins*
Am Freitag bin ich dann noch zu Florencia und ihrer Mama ein paar Ecken umgezogen. Ihr Freund Gustavo und seine Freunde aus Buenos Aires sind an dem Abend in ihrem Ferienhäuschen angekommen und wir wollten ja alle gemeinsam ein paar Tage hier am Fluss und in der Sonne verbringen. Die letzten Tage bestanden nun also aus sonnen, lesen, im Fluss baden, Maté trinken, Wasserskifahren, in den Pool springen, Sonnenuntergänge bewundern, Abends in der „Dorfkneipe“ noch was trinken, Asado vorbereiten, im Mondschein tanzen, den fantastisches Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre ansehen, mit der Familie von Florencia zu zwölft Mittagessen, argentinische Speisen ausprobieren [superlecker: gebackene Süsskartoffel (papata) – es gibt also doch mehr als Rindfleisch ;-)], mit der Mama Silvina und der Oma Tita aufs Land fahren, über Gott und die Welt reden, Hawaianas kaufen, die Mittagshitze verschlafen, Familienmitgliedern Rede und Antwort über meine Herkunft stehen – ja, einfach mit den Argentiniern leben.
Die letzten Tage war es unheimlich heiß (über 33 Grad), daher haben wir meistens vor 16 Uhr das Haus nicht verlassen. Hier im Landesinneren von Argentinien wird auch strikt das Gesetz der Siesta eingehalten, d.h. zwischen 13:30 Uhr und 17 Uhr haben die Geschäfte zu und eigentlich ist auch keiner auf Strasse unterwegs. Ansonsten ist hier das Leben doch noch etwas anders als in Deutschland, die Familie hat eine viel größere Bedeutung als bei uns, es wird viel gemeinsam gemacht und so ist z.B. üblich Sylvester mit der Familie zu verbringen (ähnlich wie Weihnachten) und eher selten mit Freunden. Gustavos Freunde machen da dieses Jahr eine Ausnahme. So viele Kleinigkeiten finde ich hier unheimlich schön, die Herzlichkeit, die Solidarität und die etwas entspanntere Art zu leben, manche Dinge treiben mich allerdings dann doch mal zur Weißglut. Aber die möchte ich jetzt gar nicht weiter ausbreiten ;-)
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| Zwischen den Jahren 2 |
Da die Hitze gerade meinen Kopf etwas lähmt werde ich mich mal wieder zu Florencia und ihrer Mama gesellen… Bis im neuen Jahr dann!





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