Dienstag, 19. Februar 2008

Patagonien - oder das Ende der Welt?

Am 4. Februar sind Susann und Sibylle aus Erlangen hier bei mir angekommen. Am 1. Tag waren wir dann erstmal schön Steak essen und sind fruh schlafen gegangen. Ich hab die beiden nämlich gleich am nächsten Morgen zu den Wasserfällen in Iguazú geschickt. Dort waren sie dann auch bis Donnerstag. Ich habe mich am Dienstag erstmal noch mit Bruna zum Kaffee trinken und Spanisch lernen getroffen und danach war ich noch beim Tango. Am Mittwoch Abend war ich mit Gaspar und Lisa in einem unbeschreiblich guten Restaurant das eine Mischung aus erlesenen japanischen und peruanischen Speisen anbot. Wir haben uns dann auch für eine Degustation entschieden und ungefähr 7 Gänge lang alle möglichen Leckereien ausprobiert. Danach saßen wir noch ein wenig auf meiner Dachterrasse.

Am nächsten Tag kamen ja Susann und Sibylle wieder. Während ich gearbeitet habe,
haben die beiden Buenos Aires unsicher gemacht.


El Calafate

Und nach einer schlaflosen Freitagnacht ging es dann auch schon mit dem Flugzeug nach El Calafate in Patagonien … obwohl wir wirklich ziemlich platt waren gab es erst mal einen Kaffee in der Sonne, die Lebensgeister waren dann auch wieder wach genug um die Bustickets und Exkursionen zu organisieren, Trekkingsachen zu kaufen, ein sauleckeres Eis zu essen und zu einer nahe gelegenen Lagune zu wandern und Vögel zu beobachten. Dabei hat uns ein Pulk von Hunden begleitet. Ich weiss zwar immer noch nicht zu wem die eigentlich gehoert haben, aber die sind uns wirklich auf Schritt und Tritt gefolgt. Selbst wenn wir mal stehen geblieben sind um die Landschaft zu bewundern haben die kleinen Strolche Halt gemacht. Langsam machte sich bei uns allen auch die Muedigkeit bemerkbar. Ich war soo froh als ich endlich ins Bett kriechen konnte.
Am naechsten Morgen wurden wir von unserem Tourbus abgeholt und es ging zum Hafen am Lago Argentino. Von dort haben wir eine Tagesbootstour zu fast allen Gletschern in der Naehe gemacht. Es war wirklich beeindruckend. Aber bevor ich das lang kommentiere seht euch lieber die Gletscherbilder an.
Auch der naechste Tag war einem Gletscher gewidmet. Dem Bekanntestesten in Argentinien: Perito Moreno. Wir sind sehr frueh morgens mit dem Mietwagen losgefahren und vom nahegelegenen Bootsanlegestelle bei traumhaften Sonnenschein bis zu einem Refugio am Fusse (?) des Gletschers gefahren. Von dort ging es auf Steigeisen zu einer Tour auf dem Gletscher. Echt ein krasses Gefuehl ueber so viel blaues Eis zu laufen. Haettet ihr gewusst, dass so ein Gletscher teilweise bis zu 700 m hoch ist? Also ich jedenfalls nicht, daher fand ich auch die weiteren Erklaerungen unseres Guides Flavio mehr als interessant. Zum Abschluss der Tour gab es Whiskey on the Rocks. Natuerlich mit frisch geschlagenem Gletschereis…
Nach einer Runde Sonne tanken haben wir noch einen Abstecher zum Lago Roca gemacht und die Stille und Ruhe, die Weite des Himmels, die endlosen Landflaechen und den Geruch von Schneeluft auf uns wirken lassen.

Abends ging es dann noch weiter nach El Chálten. Eine kleine Siedlung ca. 220 km noerdlich von El Calafate … nur ueber eine stundenlange Busfahrt auf Schotterstrassen zu erreichen. Es liegt im Departamento Lago Argentino in der Provinz Santa Cruz, nahe der chilenischen Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares. Der Ort wurde am 12. Oktober 1985 gegründet und gehört damit zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens.


El Chálten

Das Dorf El Chaltén bietet den direktesten Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy (3.406 m hoher Granitberg). Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén.
Landschaftlich ist es die Gegend die wir mit dem Bus durchfuhren durch steppenartige Ebenen geprägt, die Pampas. Der argentinische Teil liegt im Regenschatten der Anden und ist sehr trocken. Charakteristisch ist der immerwährende starke Wind. Im Westen liegt das chilenische Inlandeis, die größte zusammenhängende Eismasse außerhalb der beiden Pole. Im Westen gehört der südliche Abschnitt der Anden zu Patagonien, im Süden die subantarktische Inselregion Feuerland. Charakteristische Vertreter der patagonischen Tierwelt sind das Guanako, der Nandu und der Andenkondor. Die zahlreichen Seen Patagoniens sind Heimat für Flamingos und zahlreiche andere Wasservögel.

Als wir Abends um 22:30 Uhr ankamen hat uns auch schon der besagte Wind empfangen… mit dem nötigen Sportsgeist ausgestattet haben wir uns die ca. 1km Fußweg gegen den fortwährend blasenden Wind durchgeschlagen. Wir wurden mehr als einmal fast umgeweht und konnten uns irgendwann vor Lachen nicht mehr halten, da wir uns vorkamen wie bei irgendeiner Polarexpedition mit unseren Trekkingrucksacks und bis oben hin zugeschnürten Jacken, Handschuhen und Mütze. Willkommen im Abenteuerurlaub ;-).
Komischerweise war es noch richtig hell, was wir für diese Uhrzeit nicht erwartet hätten. Wir mussten aber dann doch geschlagene dreimal nach dem Weg fragen. Ich glaub der Wunsch war Vater des Gedanken, wir hofften jedes Mal, dass es bis zum Hostel doch nicht so weit ist…
Dort angekommen sind wir nach einer heißen Suppe sofort ins Bett gefallen. Am nächsten Tag ging es dann auch los zu unserer Fitz Roy Tour. 10 h Laufen, Laufen, Laufen, vorbei an einem Gletscher, Bergseen, gigantischen Bergspitzen, Gebirgsbächen, Waldlandschaften bis zum Höhepunkt des Tages: der „Laguna de las Tres“ von der wir einen gigantischen Blick auf den Fitz Roy hatten. Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt und so fielen wir an diesem Abend (mal wieder um 21 Uhr) glücklich und zufrieden in unsere Betten.
Der nächste Tag war dann etwas ruhiger, das Wetter war eher maessig und die Sicht dementsprechend schlecht. Wir sind zwar bis zur Laguna Torre marschiert, den Cerro Torre haben wir aber vor lauter Nebel nicht gesehen. Da wir vom Tag zuvor allerdings noch so platt waren hat es uns wenig gejuckt und wir haben uns noch einen gemütlichen Abend im Hostel gemacht. Am nächsten Tag hieß es mal wieder sehr früh aufstehen und mit dem Bus um 6:30 Uhr über El Calafate nach Puerto Natales in Chile. Auf dem Zwischenstopp haben Susann und ich noch in den Outdoor-Läden zugeschlagen … die Quantität der Tüten ließ eher auf einen Shoppingtrip in New York schließen, aber nun gut, neben einer guten Softshell sollte natürlich noch ein zweites und drittes Paar Trekkinghosen und der gute Flies nicht fehlen, ach ja und da war ja noch …


Puerto Natales – der chilenische Teil Patagoniens

Nach einer sehr ereignisreichen Fahrt – die aus Datenschutzgründen an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden soll – kamen wir schließlich im Erratic Rock in Puerto Natales an. Unser esoterisch angehauchter Herbergsvater hat uns mit Tipps für den nächsten Tag ausgestattet und ab ging es ins Bett. Susann und ich sind am nächsten Morgen früh zum Torres del Paine Nationalpark aufgebrochen. Mit Zelt und Schlafsack bewaffnet. Wir Helden haben das ganze Zeug auch geschlagene 18 km durch den Park geschleppt. Eine unbeschreibliche Tour. Ich versuche es erst gar nicht, Worte würden der atemberaubenden Landschaft bei weitem nicht gerecht werden und selbst die Fotos können nur einen Bruchteil von dem wiedergeben was wir an diesem Tag gesehen/gehört/gerochen/empfunden haben. Nach der Tour ging es mit dem Katamaran zurück zur Basisstation. Susann ist wieder nach Puerto Natales zu Sibylle zurück gefahren (die Achillessehne hat ihr leider einen Strich durch die Rechnung gemacht) und ich habe tapfer mein Zelt aufgebaut und mich früh schlafen gelegt. Wenn das Guanaco, das mein Brot klauen wollte nicht die ganze Nacht um mein Zelt geschlichen wäre hätte ich auch sicherlich wie ein Baby geschlafen .. ;-)
Am nächsten Morgen habe ich mir zur Basistour aufgemacht. Laufen, laufen, laufen. Leider war es ziemlich wolkig, daher konnte ich nur von weitem einen Blick auf die Torres del Paine erhaschen als der Himmel zwischendurch mal aufriss. Es war aber auch so sehr toll und habe richtig genossen mal einen ganzen Tag kein Wort zu sprechen. Abends bin ich mit dem letzten Bus wieder nach Puerto Natales zu den Mädels gefahren. Am vorletzten Tag unserer Patagonienreise sind wir wieder zurück nach El Calafate.
Ich bin noch mal zum Gletscher Perito Moreno gefahren, die beiden anderen haben relaxt. Nach einem gemeinsamen Abendessen und einer kurzen Nacht ging es mit einem Zwischenstopp in Ushuaia zurück nach Buenos Aires. Ushuaia (Aussprache: Uswaja) ist die südlichste Stadt Argentiniens und liegt am Beagle-Kanal. Die Stadt ist aber mit 54° 48' südlicher Breite weiter vom Südpol entfernt als etwa Moskau mit 55° 44' nördlicher Breite vom Nordpol. Das Wort "Ushuaia" kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet "Bucht, die nach Osten sieht“.
Lange stritt man sich mit dem zu Chile gehörenden Puerto Williams auf der Insel Navarino um die Ehre, die südlichste Stadt der Welt zu sein, jedoch einigte man sich schließlich darauf, Puerto Williams (54° 56') offiziell zum Titelträger zu ernennen.

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