Am 4. Februar sind Susann und Sibylle aus Erlangen hier bei mir angekommen. Am 1. Tag waren wir dann erstmal schön Steak essen und sind fruh schlafen gegangen. Ich hab die beiden nämlich gleich am nächsten Morgen zu den Wasserfällen in Iguazú geschickt. Dort waren sie dann auch bis Donnerstag. Ich habe mich am Dienstag erstmal noch mit Bruna zum Kaffee trinken und Spanisch lernen getroffen und danach war ich noch beim Tango. Am Mittwoch Abend war ich mit Gaspar und Lisa in einem unbeschreiblich guten Restaurant das eine Mischung aus erlesenen japanischen und peruanischen Speisen anbot. Wir haben uns dann auch für eine Degustation entschieden und ungefähr 7 Gänge lang alle möglichen Leckereien ausprobiert. Danach saßen wir noch ein wenig auf meiner Dachterrasse.
Am nächsten Tag kamen ja Susann und Sibylle wieder. Während ich gearbeitet habe,
haben die beiden Buenos Aires unsicher gemacht.
El Calafate
Und nach einer schlaflosen Freitagnacht ging es dann auch schon mit dem Flugzeug nach El Calafate in Patagonien … obwohl wir wirklich ziemlich platt waren gab es erst mal einen Kaffee in der Sonne, die Lebensgeister waren dann auch wieder wach genug um die Bustickets und Exkursionen zu organisieren, Trekkingsachen zu kaufen, ein sauleckeres Eis zu essen und zu einer nahe gelegenen Lagune zu wandern und Vögel zu beobachten. Dabei hat uns ein Pulk von Hunden begleitet. Ich weiss zwar immer noch nicht zu wem die eigentlich gehoert haben, aber die sind uns wirklich auf Schritt und Tritt gefolgt. Selbst wenn wir mal stehen geblieben sind um die Landschaft zu bewundern haben die kleinen Strolche Halt gemacht. Langsam machte sich bei uns allen auch die Muedigkeit bemerkbar. Ich war soo froh als ich endlich ins Bett kriechen konnte.
Am naechsten Morgen wurden wir von unserem Tourbus abgeholt und es ging zum Hafen am Lago Argentino. Von dort haben wir eine Tagesbootstour zu fast allen Gletschern in der Naehe gemacht. Es war wirklich beeindruckend. Aber bevor ich das lang kommentiere seht euch lieber die Gletscherbilder an.
Auch der naechste Tag war einem Gletscher gewidmet. Dem Bekanntestesten in Argentinien: Perito Moreno. Wir sind sehr frueh morgens mit dem Mietwagen losgefahren und vom nahegelegenen Bootsanlegestelle bei traumhaften Sonnenschein bis zu einem Refugio am Fusse (?) des Gletschers gefahren. Von dort ging es auf Steigeisen zu einer Tour auf dem Gletscher. Echt ein krasses Gefuehl ueber so viel blaues Eis zu laufen. Haettet ihr gewusst, dass so ein Gletscher teilweise bis zu 700 m hoch ist? Also ich jedenfalls nicht, daher fand ich auch die weiteren Erklaerungen unseres Guides Flavio mehr als interessant. Zum Abschluss der Tour gab es Whiskey on the Rocks. Natuerlich mit frisch geschlagenem Gletschereis…
Nach einer Runde Sonne tanken haben wir noch einen Abstecher zum Lago Roca gemacht und die Stille und Ruhe, die Weite des Himmels, die endlosen Landflaechen und den Geruch von Schneeluft auf uns wirken lassen.
Abends ging es dann noch weiter nach El Chálten. Eine kleine Siedlung ca. 220 km noerdlich von El Calafate … nur ueber eine stundenlange Busfahrt auf Schotterstrassen zu erreichen. Es liegt im Departamento Lago Argentino in der Provinz Santa Cruz, nahe der chilenischen Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares. Der Ort wurde am 12. Oktober 1985 gegründet und gehört damit zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens.
El Chálten
Das Dorf El Chaltén bietet den direktesten Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy (3.406 m hoher Granitberg). Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén.
Landschaftlich ist es die Gegend die wir mit dem Bus durchfuhren durch steppenartige Ebenen geprägt, die Pampas. Der argentinische Teil liegt im Regenschatten der Anden und ist sehr trocken. Charakteristisch ist der immerwährende starke Wind. Im Westen liegt das chilenische Inlandeis, die größte zusammenhängende Eismasse außerhalb der beiden Pole. Im Westen gehört der südliche Abschnitt der Anden zu Patagonien, im Süden die subantarktische Inselregion Feuerland. Charakteristische Vertreter der patagonischen Tierwelt sind das Guanako, der Nandu und der Andenkondor. Die zahlreichen Seen Patagoniens sind Heimat für Flamingos und zahlreiche andere Wasservögel.
Als wir Abends um 22:30 Uhr ankamen hat uns auch schon der besagte Wind empfangen… mit dem nötigen Sportsgeist ausgestattet haben wir uns die ca. 1km Fußweg gegen den fortwährend blasenden Wind durchgeschlagen. Wir wurden mehr als einmal fast umgeweht und konnten uns irgendwann vor Lachen nicht mehr halten, da wir uns vorkamen wie bei irgendeiner Polarexpedition mit unseren Trekkingrucksacks und bis oben hin zugeschnürten Jacken, Handschuhen und Mütze. Willkommen im Abenteuerurlaub ;-).
Komischerweise war es noch richtig hell, was wir für diese Uhrzeit nicht erwartet hätten. Wir mussten aber dann doch geschlagene dreimal nach dem Weg fragen. Ich glaub der Wunsch war Vater des Gedanken, wir hofften jedes Mal, dass es bis zum Hostel doch nicht so weit ist…
Dort angekommen sind wir nach einer heißen Suppe sofort ins Bett gefallen. Am nächsten Tag ging es dann auch los zu unserer Fitz Roy Tour. 10 h Laufen, Laufen, Laufen, vorbei an einem Gletscher, Bergseen, gigantischen Bergspitzen, Gebirgsbächen, Waldlandschaften bis zum Höhepunkt des Tages: der „Laguna de las Tres“ von der wir einen gigantischen Blick auf den Fitz Roy hatten. Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt und so fielen wir an diesem Abend (mal wieder um 21 Uhr) glücklich und zufrieden in unsere Betten.
Der nächste Tag war dann etwas ruhiger, das Wetter war eher maessig und die Sicht dementsprechend schlecht. Wir sind zwar bis zur Laguna Torre marschiert, den Cerro Torre haben wir aber vor lauter Nebel nicht gesehen. Da wir vom Tag zuvor allerdings noch so platt waren hat es uns wenig gejuckt und wir haben uns noch einen gemütlichen Abend im Hostel gemacht. Am nächsten Tag hieß es mal wieder sehr früh aufstehen und mit dem Bus um 6:30 Uhr über El Calafate nach Puerto Natales in Chile. Auf dem Zwischenstopp haben Susann und ich noch in den Outdoor-Läden zugeschlagen … die Quantität der Tüten ließ eher auf einen Shoppingtrip in New York schließen, aber nun gut, neben einer guten Softshell sollte natürlich noch ein zweites und drittes Paar Trekkinghosen und der gute Flies nicht fehlen, ach ja und da war ja noch …
Puerto Natales – der chilenische Teil Patagoniens
Nach einer sehr ereignisreichen Fahrt – die aus Datenschutzgründen an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden soll – kamen wir schließlich im Erratic Rock in Puerto Natales an. Unser esoterisch angehauchter Herbergsvater hat uns mit Tipps für den nächsten Tag ausgestattet und ab ging es ins Bett. Susann und ich sind am nächsten Morgen früh zum Torres del Paine Nationalpark aufgebrochen. Mit Zelt und Schlafsack bewaffnet. Wir Helden haben das ganze Zeug auch geschlagene 18 km durch den Park geschleppt. Eine unbeschreibliche Tour. Ich versuche es erst gar nicht, Worte würden der atemberaubenden Landschaft bei weitem nicht gerecht werden und selbst die Fotos können nur einen Bruchteil von dem wiedergeben was wir an diesem Tag gesehen/gehört/gerochen/empfunden haben. Nach der Tour ging es mit dem Katamaran zurück zur Basisstation. Susann ist wieder nach Puerto Natales zu Sibylle zurück gefahren (die Achillessehne hat ihr leider einen Strich durch die Rechnung gemacht) und ich habe tapfer mein Zelt aufgebaut und mich früh schlafen gelegt. Wenn das Guanaco, das mein Brot klauen wollte nicht die ganze Nacht um mein Zelt geschlichen wäre hätte ich auch sicherlich wie ein Baby geschlafen .. ;-)
Am nächsten Morgen habe ich mir zur Basistour aufgemacht. Laufen, laufen, laufen. Leider war es ziemlich wolkig, daher konnte ich nur von weitem einen Blick auf die Torres del Paine erhaschen als der Himmel zwischendurch mal aufriss. Es war aber auch so sehr toll und habe richtig genossen mal einen ganzen Tag kein Wort zu sprechen. Abends bin ich mit dem letzten Bus wieder nach Puerto Natales zu den Mädels gefahren. Am vorletzten Tag unserer Patagonienreise sind wir wieder zurück nach El Calafate.
Ich bin noch mal zum Gletscher Perito Moreno gefahren, die beiden anderen haben relaxt. Nach einem gemeinsamen Abendessen und einer kurzen Nacht ging es mit einem Zwischenstopp in Ushuaia zurück nach Buenos Aires. Ushuaia (Aussprache: Uswaja) ist die südlichste Stadt Argentiniens und liegt am Beagle-Kanal. Die Stadt ist aber mit 54° 48' südlicher Breite weiter vom Südpol entfernt als etwa Moskau mit 55° 44' nördlicher Breite vom Nordpol. Das Wort "Ushuaia" kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet "Bucht, die nach Osten sieht“.
Lange stritt man sich mit dem zu Chile gehörenden Puerto Williams auf der Insel Navarino um die Ehre, die südlichste Stadt der Welt zu sein, jedoch einigte man sich schließlich darauf, Puerto Williams (54° 56') offiziell zum Titelträger zu ernennen.
Dienstag, 19. Februar 2008
Nachtrag von Ende Januar: Carnaval y el Año nuevo
Nach einer ereignisreichen Woche war ich froh, dass endlich zwei Tage frei waren. Aber Freizeit muss ja auch genutzt werden und so war ich am Freitag erstmal mit Juan Pablo beim Steak essen und spaeter in Martinez noch einen Cocktail trinken am Rio de la Plata.
Nach einer kurzen Nacht bin ich dann am Samstag um halb sieben zum Busbahnhof gefahren um mit Kira, Patrick und Arne nach Gualeguaychú zu fahren. Ist ein kleines Staedtchen 250 km noerdlich von Buenos Aires (fast an der Grenze zu Uruguay) und vor allem bekannt fuer seine ausgiebigen Carnavalsfeierlichkeiten. Tagsueber waren wir am Fluss und Abends dann nach einer Runde Maté im Corsodromo. War schon echt ganz schoen beindruckend. Gut, mit Rio natuerlich nicht vergleichbar, aber die Kostueme waren auch in Gualeguaychú sehr einfallsreich ... gefreut haben sich - oh Wunder! - vorallem unsere maennlichen Begleiter, die tanzenden Damen waren doch eher spaerlich bekleidet.
Lang wurde die Nacht fuer uns nicht, wir hatten naemlich einen wesentlichen Part der Feier "verpasst": in einem Strandbad am Fluss war naemlich den ganzen Tag bereits ausgelassen gefeiert und vorgeglueht worden - ohne uns. Die Begeisterung nach dem Corsodromo in eine "Boliche" (Disco) weiterzuziehen wollte daher zumindest bei uns nicht so richtig aufkommen. So konnten wir wenigstens den naechsten Tag nutzen und sind vormittags mit Fahrraedern durch den naheliegenden Park geheizt. Und Corinna hat sich fuer sagenhafte 5 Pesos (~1,10 Euro) eine 7kg schwere Wassermelone gekauft. Da hab ich wohl nicht daran gedacht, dass ich die ja irgendwie noch nach Hause bringen muss. Auf einem Fahrrad ohne Gepaecktraeger und ohne Tasche. Zum Glueck hat sich Arne bereit erklaert die Melone unter den Arm zu nehmen und einhaendig zurueck zu fahren ... manchmal sind Maenner doch auch zu etwas gut ;-)
Nachmittags sind wir dann mit dem Bus gemuetlich durch eine wunderschoene Landschaft wieder nach Buenos Aires getuckert - und ich habe erstmal einen Schock bekommen als wir am Retiro aus dem Bus gestiegen sind. So stark wie in dem Moment ist mir noch nie aufgefallen wie schlecht die Luft hier in der Hauptstadt ist. Nach zwei Tagen frischer Luft konnte ich kaum richtig atmen in dem Abgasschwuelheisswabernden Smog der Stadt.
Zu Hause war ich dann einfach nur saumuede ... und habe leider die Neujahrsfeierlichkeiten verpasst. Ja, ja, ihr hoert schon richtig. Das "Barrio Chino" - das chinesische Viertel in Buenos Aires hat den Beginn des Jahres der Ratte gefeiert. Mit allerlei Kostuemen und traditionellem Schmuck, sogar ein Drache war dabei.
Nach einer kurzen Nacht bin ich dann am Samstag um halb sieben zum Busbahnhof gefahren um mit Kira, Patrick und Arne nach Gualeguaychú zu fahren. Ist ein kleines Staedtchen 250 km noerdlich von Buenos Aires (fast an der Grenze zu Uruguay) und vor allem bekannt fuer seine ausgiebigen Carnavalsfeierlichkeiten. Tagsueber waren wir am Fluss und Abends dann nach einer Runde Maté im Corsodromo. War schon echt ganz schoen beindruckend. Gut, mit Rio natuerlich nicht vergleichbar, aber die Kostueme waren auch in Gualeguaychú sehr einfallsreich ... gefreut haben sich - oh Wunder! - vorallem unsere maennlichen Begleiter, die tanzenden Damen waren doch eher spaerlich bekleidet.
Lang wurde die Nacht fuer uns nicht, wir hatten naemlich einen wesentlichen Part der Feier "verpasst": in einem Strandbad am Fluss war naemlich den ganzen Tag bereits ausgelassen gefeiert und vorgeglueht worden - ohne uns. Die Begeisterung nach dem Corsodromo in eine "Boliche" (Disco) weiterzuziehen wollte daher zumindest bei uns nicht so richtig aufkommen. So konnten wir wenigstens den naechsten Tag nutzen und sind vormittags mit Fahrraedern durch den naheliegenden Park geheizt. Und Corinna hat sich fuer sagenhafte 5 Pesos (~1,10 Euro) eine 7kg schwere Wassermelone gekauft. Da hab ich wohl nicht daran gedacht, dass ich die ja irgendwie noch nach Hause bringen muss. Auf einem Fahrrad ohne Gepaecktraeger und ohne Tasche. Zum Glueck hat sich Arne bereit erklaert die Melone unter den Arm zu nehmen und einhaendig zurueck zu fahren ... manchmal sind Maenner doch auch zu etwas gut ;-)
Nachmittags sind wir dann mit dem Bus gemuetlich durch eine wunderschoene Landschaft wieder nach Buenos Aires getuckert - und ich habe erstmal einen Schock bekommen als wir am Retiro aus dem Bus gestiegen sind. So stark wie in dem Moment ist mir noch nie aufgefallen wie schlecht die Luft hier in der Hauptstadt ist. Nach zwei Tagen frischer Luft konnte ich kaum richtig atmen in dem Abgasschwuelheisswabernden Smog der Stadt.
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| Gualeguayc |
Zu Hause war ich dann einfach nur saumuede ... und habe leider die Neujahrsfeierlichkeiten verpasst. Ja, ja, ihr hoert schon richtig. Das "Barrio Chino" - das chinesische Viertel in Buenos Aires hat den Beginn des Jahres der Ratte gefeiert. Mit allerlei Kostuemen und traditionellem Schmuck, sogar ein Drache war dabei.
Donnerstag, 31. Januar 2008
ASADO - Grillen auf Argentinisch
Gestern hatte ich Besuch ... von Bruna meiner Spanischlehrerin und einem ihrer Freunde, Florencia, Mariela, Alfredo, Gaspar, Arne, Kira, Patrick und Alexander.
Habe mir gedacht, dass ich endlich mal die Parilla (Grill) auf dem Dach ausnutzen muss. Zum Glueck haben mir meine argentinischen Freunde ziemlich dabei geholfen und Alfredo hat den Grillmeister gemacht.
Als ich die fuenf Kilo Fleisch (fuer 11 Personen) angeschleppt habe dachte ich mir zwar das sei zu viel, aber das Gesicht von Gaspar und Alfredo sagten das Gegenteil aus. Und tatsaechlich wurde fast alles gegessen ...
Abgesehen vom Asado, das muss ich leider dazu sagen, hat die argentinische Küche wenig zu bieten; dafür ist sie zu rustikal. Und genau genommen hat der Asado nichts mit raffinierter Küche gemein. Er ist viel mehr als das.
Asado heisst eigentlich gegrilltes Fleisch, Braten; das Wort wird heute für das Grillereignis allgemein gebraucht. Ein Asado ist in der Regel eine Festmahlzeit, in der verschiedene Fleischsorten und Innereien, meist vom Rind, aber in einigen Regionen auch von Schaf, Ziege, Schwein und Geflügel, auf einem Holzkohle- oder Holzgrill horizontal gegart werden.
Asados haben als festliche, aber nicht allzu formelle Mahlzeit einen hohen sozialen Stellenwert. Traditionell wird es am Wochenende entweder in der Familie oder im Freundeskreis gemeinsam zubereitet. Dabei herrscht immer noch eine klassisch-konservative Rollenteilung vor: Während der Mann das Fleisch schneidet und grillt, widmet sich die Frau der Zubereitung von Salaten. Ja, so war es auch bei uns ;-)
Der Argentinier ist überzeugt davon, dass er, als er noch als nomadisierender Gaucho durch die zaunlose Pampa ritt, den Asado erfunden hat, dass es dabei um eine Art Kult geht, den ausser ihm niemand wirklich beherrscht, dass überdies nur er über das richtige Fleisch - das beste auf der Welt notabene - verfügt. Lassen wir ihm den Glauben; ein Asado ist viel zu schön, um darüber in Streit zu geraten.
«Cada bicho que camina va a parar al asador», heisst ein bedrohliches argentinisches Sprichwort; frei übersetzt: Jedes Biest, das herumläuft, wird auf dem Grill landen. Aber es ist doch das Rind, das seit eh und je das eigentliche Objekt der Begierde darstellt. Argentinien gehört zu den zehn grössten Fleischproduzenten und -exporteuren der Welt. Auf die 37 Millionen Einwohner kommen 62 Millionen Stück Vieh, achtzig Prozent davon sind Rinder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollen die reichen Argentinier, wenn sie sich für ein paar Monate nach Europa begaben, Rinder mit eingeschifft haben, um in Paris, Rom oder Madrid nicht darben zu müssen, wird erzählt.
Rindfleisch ist Kult, es zu essen, gehört neuerdings zu den verbrieften Rechten. Als wegen zunehmender Nachfrage im Ausland Anfang 2006 der Export gesteigert wurde und die Preise auch im Land selbst stiegen, ordnete Präsident Néstor Kirchner persönlich Massnahmen an, um Teile des zum Export bestimmten Fleisches auf den Binnenmarkt umzuleiten und die Preise zu drücken. Es gibt in den Augen der Einheimischen keine Wirtschaftskrise, keine Notlage, die eine Verknappung oder massive Verteuerung des Rindfleisches rechtfertigen würden. Wehe dem Politiker, der dieses Gewohnheitsrecht missachten wollte.
Die Parilla, das Grillgeraet steht bei mir im Gebaude auf dem 26. Stockwerk und hat eine dementsprechend fantastische Aussicht ueber den Rio de la Plata und natuerlich Buenos Aires. Im Prinzip ist es einfach ein Rost, der an Ketten hängt, sodass sich die Nähe des Fleisches zur Glut regulieren lässt. Auf dem Land und vor allem in Patagonien, wo hauptsächlich Schafe gebraten werden, trifft man oft die traditionelle Parrilla in Form eines aufgerichteten Eisenkreuzes an. Nicht sehr katholisch. Aber die überwiegend katholischen Argentinier wissen zwischen dem wichtigsten Symbol ihrer Religion und dem archaischen Asadokult zu unterscheiden; ein gekreuzigtes Tier vermag ihr liebstes Vergnügen, ihre grösste Lust nicht zu schmälern.
Alfredo hat das Feuerchen entfacht, mit Holz, Papier und Holzkohle (Gaspar hat das zur kritischen Anmerkung veranlasst, dass ein richtiges Asado eigentlich aus reinem Holz sein muss). Es wurde Wein getrunken und die Windstärke geprüft. Es war ein total krasser Wind gestern, staendig hat es was weggeweht und trotzdem standen wir alle wie gebannt um den Grill und haben Alfredo zugeguckt. Ist ja auch eine Kunst so ein Asado. Ist die Glut nicht richtig, wird aus dem Asado nichts Gutes. Entweder das Fleisch verbrennt an den Enden, oder es wird nicht heiss genug. Richtig ist die Glut, wenn sich auf der Holzkohle eine grau-weisse Schicht aus Asche gebildet hat. Der umsichtige Asadero - also auch Alfredo - macht so viel Glut, dass ein Quantum davon in einer Ecke der Parrilla als Reserve liegen bleibt.
Was gab es? Colita de quadril (saftiges Stück aus dem Hüftbereich), Lomo (das Zarteste, Filet vom Rücken), Vacio (fragt mich nicht was das ist, auch irgendein Stueck von der Kuh), Schweinerippen und Chorizo (Wurst). Die Jungs haben sich natuerlich bei mir beschwert, dass ich keine Blutwurst fuer den Grill gekauft habe. Aber ich konnte beim besten Willen nach einem Durchgang durch die ueberquellende Fleischtheke nicht auch noch so eine "Leckerei" kaufen. Puh, war echt eine Herausforderung und danach habe ich zumindest ueberlegt ob ich Abends ueberhaupt noch Fleisch essen will ...
Aber egal, die Gäste wurden gefragt, ob sie das Fleisch lieber blutig oder durchgebraten auf dem Holzteller haben wollen, der Asadero muss wissen, wie er den verschiedenen Wünschen nachkommt. Pro erwachsene Person geht man von 500 Gramm Fleisch mit Knochen, 400 Gramm ohne Knochen aus, Würste et cetera zählen nicht. Das Fleisch darf man ein bisschen salzen, sonst soll man ihm nichts antun. Eine Kartoffel aus der Glut ist erlaubt, ein bisschen Grünzeug möglich, die scharfe Chimichurri-Sauce aus Paprika, Zwiebeln und Knoblauch unerlässlich, und notwendig ist natürlich viel Wein, um alles runterzuspülen.
Bruna hat zwischendurch um Ruhe und um den Applaus für den Asadero gebeten, dem wir bei dem leckeren Essen natuerlich gerne nachkamen.
Irgendwann um 1 Uhr sind dann alle satt und zufrieden nach Hause gewackelt ... durch stroemenden Regen. Den gibt es hier zur Sommerszeit naemlich ofter mal. Ein Regenguss dagegen ist eine echt staubtrockene Angelegenheit dagegen.
Es war sehr schoen Gaeste zu empfangen in meinem kleinen Reich und war sicher nicht das letzte Mal.
Habe mir gedacht, dass ich endlich mal die Parilla (Grill) auf dem Dach ausnutzen muss. Zum Glueck haben mir meine argentinischen Freunde ziemlich dabei geholfen und Alfredo hat den Grillmeister gemacht.
Als ich die fuenf Kilo Fleisch (fuer 11 Personen) angeschleppt habe dachte ich mir zwar das sei zu viel, aber das Gesicht von Gaspar und Alfredo sagten das Gegenteil aus. Und tatsaechlich wurde fast alles gegessen ...
Abgesehen vom Asado, das muss ich leider dazu sagen, hat die argentinische Küche wenig zu bieten; dafür ist sie zu rustikal. Und genau genommen hat der Asado nichts mit raffinierter Küche gemein. Er ist viel mehr als das.
Asado heisst eigentlich gegrilltes Fleisch, Braten; das Wort wird heute für das Grillereignis allgemein gebraucht. Ein Asado ist in der Regel eine Festmahlzeit, in der verschiedene Fleischsorten und Innereien, meist vom Rind, aber in einigen Regionen auch von Schaf, Ziege, Schwein und Geflügel, auf einem Holzkohle- oder Holzgrill horizontal gegart werden.
Asados haben als festliche, aber nicht allzu formelle Mahlzeit einen hohen sozialen Stellenwert. Traditionell wird es am Wochenende entweder in der Familie oder im Freundeskreis gemeinsam zubereitet. Dabei herrscht immer noch eine klassisch-konservative Rollenteilung vor: Während der Mann das Fleisch schneidet und grillt, widmet sich die Frau der Zubereitung von Salaten. Ja, so war es auch bei uns ;-)
Der Argentinier ist überzeugt davon, dass er, als er noch als nomadisierender Gaucho durch die zaunlose Pampa ritt, den Asado erfunden hat, dass es dabei um eine Art Kult geht, den ausser ihm niemand wirklich beherrscht, dass überdies nur er über das richtige Fleisch - das beste auf der Welt notabene - verfügt. Lassen wir ihm den Glauben; ein Asado ist viel zu schön, um darüber in Streit zu geraten.
«Cada bicho que camina va a parar al asador», heisst ein bedrohliches argentinisches Sprichwort; frei übersetzt: Jedes Biest, das herumläuft, wird auf dem Grill landen. Aber es ist doch das Rind, das seit eh und je das eigentliche Objekt der Begierde darstellt. Argentinien gehört zu den zehn grössten Fleischproduzenten und -exporteuren der Welt. Auf die 37 Millionen Einwohner kommen 62 Millionen Stück Vieh, achtzig Prozent davon sind Rinder. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollen die reichen Argentinier, wenn sie sich für ein paar Monate nach Europa begaben, Rinder mit eingeschifft haben, um in Paris, Rom oder Madrid nicht darben zu müssen, wird erzählt.
Rindfleisch ist Kult, es zu essen, gehört neuerdings zu den verbrieften Rechten. Als wegen zunehmender Nachfrage im Ausland Anfang 2006 der Export gesteigert wurde und die Preise auch im Land selbst stiegen, ordnete Präsident Néstor Kirchner persönlich Massnahmen an, um Teile des zum Export bestimmten Fleisches auf den Binnenmarkt umzuleiten und die Preise zu drücken. Es gibt in den Augen der Einheimischen keine Wirtschaftskrise, keine Notlage, die eine Verknappung oder massive Verteuerung des Rindfleisches rechtfertigen würden. Wehe dem Politiker, der dieses Gewohnheitsrecht missachten wollte.
Die Parilla, das Grillgeraet steht bei mir im Gebaude auf dem 26. Stockwerk und hat eine dementsprechend fantastische Aussicht ueber den Rio de la Plata und natuerlich Buenos Aires. Im Prinzip ist es einfach ein Rost, der an Ketten hängt, sodass sich die Nähe des Fleisches zur Glut regulieren lässt. Auf dem Land und vor allem in Patagonien, wo hauptsächlich Schafe gebraten werden, trifft man oft die traditionelle Parrilla in Form eines aufgerichteten Eisenkreuzes an. Nicht sehr katholisch. Aber die überwiegend katholischen Argentinier wissen zwischen dem wichtigsten Symbol ihrer Religion und dem archaischen Asadokult zu unterscheiden; ein gekreuzigtes Tier vermag ihr liebstes Vergnügen, ihre grösste Lust nicht zu schmälern.
Alfredo hat das Feuerchen entfacht, mit Holz, Papier und Holzkohle (Gaspar hat das zur kritischen Anmerkung veranlasst, dass ein richtiges Asado eigentlich aus reinem Holz sein muss). Es wurde Wein getrunken und die Windstärke geprüft. Es war ein total krasser Wind gestern, staendig hat es was weggeweht und trotzdem standen wir alle wie gebannt um den Grill und haben Alfredo zugeguckt. Ist ja auch eine Kunst so ein Asado. Ist die Glut nicht richtig, wird aus dem Asado nichts Gutes. Entweder das Fleisch verbrennt an den Enden, oder es wird nicht heiss genug. Richtig ist die Glut, wenn sich auf der Holzkohle eine grau-weisse Schicht aus Asche gebildet hat. Der umsichtige Asadero - also auch Alfredo - macht so viel Glut, dass ein Quantum davon in einer Ecke der Parrilla als Reserve liegen bleibt.
Was gab es? Colita de quadril (saftiges Stück aus dem Hüftbereich), Lomo (das Zarteste, Filet vom Rücken), Vacio (fragt mich nicht was das ist, auch irgendein Stueck von der Kuh), Schweinerippen und Chorizo (Wurst). Die Jungs haben sich natuerlich bei mir beschwert, dass ich keine Blutwurst fuer den Grill gekauft habe. Aber ich konnte beim besten Willen nach einem Durchgang durch die ueberquellende Fleischtheke nicht auch noch so eine "Leckerei" kaufen. Puh, war echt eine Herausforderung und danach habe ich zumindest ueberlegt ob ich Abends ueberhaupt noch Fleisch essen will ...
Aber egal, die Gäste wurden gefragt, ob sie das Fleisch lieber blutig oder durchgebraten auf dem Holzteller haben wollen, der Asadero muss wissen, wie er den verschiedenen Wünschen nachkommt. Pro erwachsene Person geht man von 500 Gramm Fleisch mit Knochen, 400 Gramm ohne Knochen aus, Würste et cetera zählen nicht. Das Fleisch darf man ein bisschen salzen, sonst soll man ihm nichts antun. Eine Kartoffel aus der Glut ist erlaubt, ein bisschen Grünzeug möglich, die scharfe Chimichurri-Sauce aus Paprika, Zwiebeln und Knoblauch unerlässlich, und notwendig ist natürlich viel Wein, um alles runterzuspülen.
Bruna hat zwischendurch um Ruhe und um den Applaus für den Asadero gebeten, dem wir bei dem leckeren Essen natuerlich gerne nachkamen.
Irgendwann um 1 Uhr sind dann alle satt und zufrieden nach Hause gewackelt ... durch stroemenden Regen. Den gibt es hier zur Sommerszeit naemlich ofter mal. Ein Regenguss dagegen ist eine echt staubtrockene Angelegenheit dagegen.
Es war sehr schoen Gaeste zu empfangen in meinem kleinen Reich und war sicher nicht das letzte Mal.
Mittwoch, 30. Januar 2008
Januarende
Bevor ich alles vergesse was ich die letzten Tage erlebt habe muss ich mich jetzt doch wohl hinsetzen und ein paar Zeilen schreiben ...
... San Telmo: Ich kann mich immer noch nicht so richtig entscheiden welcher nun mein Lieblingsstadtteil ist. Ich schwanke zwischen San Telmo und Palermo. Waehrend Palermo modern, begruent, dynamisch und politisch korrekt in der Umgebung meines Apartmenthauses einen Charme von jugendlicher Frische versprueht (in dem man Inbars, Sushi und trendige Klamotten und Accesoires vorfindet), zieht San Telmo gerade durch die schaebigen Hausfassaden, die melancholische Musik des Tango, die haesslichen Hinterhoefe und die Antiquaetenlaeden und Flomaerkte in den Bann.
Samstag war ich mal wieder dort. Zuerst war ich mit ein paar anderen in den "Manzanas de las Luces" (dazu spaeter mehr) am Plaza de Mayo und bin dann alleine in Richtung Plaza Dorrego geschlendert. Vorbei an den ranzigen Geschaeften, staendig ein vulgaeres Piropo der Kerle auf der Strasse im Ohr, zu einem kleinen Antiquariat in dem ich durch die bereits vergilbten Zeitschriften der 40er Jahre und die uralten zerlesenen Buecher stoeberte. Im Hintergrund dudelte leise Jazzmusik vor sich hin. Irgendwie schien mir als waere die Zeit in diesem Raum stehen geblieben. Zwei Zeitungen hatte ich mir schliesslich ausgesucht doch wie so oft das Problem mit dem Wechselgeld. Einen 100 Peso Schein konnte der ergraute Herr, der Verkaufer der mit einem jungen Paarchen Maté hinter einem Berg Buecher schlurfte unmoeglich klein machen. Gut, dann geh ich mal ins Restaurant gegenueber und trinke einen Kaffee. Von dort aus konnte ich auch den Namen des Geschaeftes lesen "El Rufián melancólico" ... der Verkaeufer stand inzwischen auf der Strasse und schaute, ... oje, es war ja schon 20 Uhr. Der wollte bestimmt sein Geschaeft zumachen. Habe dem Kellner meinen 100er in die Hand gedrueckt, das Wechselgeld in meine Ledertasche gestopft und bin zurueck um die Zeitschriften zu kaufen ... als haette ich es geahnt und als haette eine ueberirdische Hand mich ein zweites Mal in diesen Laden gefuehrt beginnt nun eigentlich das magische an dieser Geschichte. Ich fragte was "El Rufían" bedeutet. Der Mann, er heisst uebrigens Jorge, hat mir darauf die Geschichte eines Zuhaelters erzaehlt, der sich ungluecklich in einer seiner Frauen verliebt ... dabei fiel mir auf, dass der Herr offensichtlich kein argentinisches Spanisch sprach und tatsaechlich, er kommt aus Chile ... und ist eigentlich Designer, Designer von Dingen aus Leder ... und ja, am liebsten macht er Tangoschuhe. Alles speziell auf die Person abgestimmte Designerschuhe. Nach einem ausserst philosophischen Gespraech ueber Schuhe und Tango habe ich mich zwar dann fast nicht getraut es zu fragen. Mich hat es aber so unter den Naegeln, um genau zu sein unter den Fussnaegeln gejuckt, dass ich es schliesslich doch getan habe: ich habe gefragt, ob er mir auch ein Paar macht. Mir war in dem Moment eigentlich fast egal wieviel es kostet, viel mehr Angst hatte ich, dass er sagt: Nein, tut mir leid, fuer Dich mach ich keine. Mir schien naemlich, dass er "seine" Schuhe nur in gute Haende abgegibt...
Nun denn, es wurde Mass genommen und ich konnte meine Ideen und Wuensche aeussern. Morgen suche ich dann das Leder aus...
Hab mich dann verabschiedet und bin aus dem Geschaeft hinaus ... ja, fast schon geschwebt.
Konnte es gar nicht glauben und waere fast geplatzt vor Glueck... ich weiss, das koennen wohl nur tangotanzende Frauen verstehen, die einen absoluten Schuhtick und Hang zur Nostalgie haben.
Ja, und genau aus diesem Grund mag ich San Telmo so gerne. Weil es Geschichten vom Leben erzaehlt.
... Tango: ich war inzwischen richtig oft tanzen, sowohl zu Stunden als auch auf Milongas. Und es ist einfach toll!
... habe die "Manazanas de las Luces" besucht, wohl die erste europaeische Siedlung in Argentinien (von Jesuitenmoenchen gegruendet um 1650)
... ich habe einen SAP-Anschluss und einen argentinischen email-Account.
... Schlussverkauf und noch mehr Schuhe
... San Telmo: Ich kann mich immer noch nicht so richtig entscheiden welcher nun mein Lieblingsstadtteil ist. Ich schwanke zwischen San Telmo und Palermo. Waehrend Palermo modern, begruent, dynamisch und politisch korrekt in der Umgebung meines Apartmenthauses einen Charme von jugendlicher Frische versprueht (in dem man Inbars, Sushi und trendige Klamotten und Accesoires vorfindet), zieht San Telmo gerade durch die schaebigen Hausfassaden, die melancholische Musik des Tango, die haesslichen Hinterhoefe und die Antiquaetenlaeden und Flomaerkte in den Bann.
Samstag war ich mal wieder dort. Zuerst war ich mit ein paar anderen in den "Manzanas de las Luces" (dazu spaeter mehr) am Plaza de Mayo und bin dann alleine in Richtung Plaza Dorrego geschlendert. Vorbei an den ranzigen Geschaeften, staendig ein vulgaeres Piropo der Kerle auf der Strasse im Ohr, zu einem kleinen Antiquariat in dem ich durch die bereits vergilbten Zeitschriften der 40er Jahre und die uralten zerlesenen Buecher stoeberte. Im Hintergrund dudelte leise Jazzmusik vor sich hin. Irgendwie schien mir als waere die Zeit in diesem Raum stehen geblieben. Zwei Zeitungen hatte ich mir schliesslich ausgesucht doch wie so oft das Problem mit dem Wechselgeld. Einen 100 Peso Schein konnte der ergraute Herr, der Verkaufer der mit einem jungen Paarchen Maté hinter einem Berg Buecher schlurfte unmoeglich klein machen. Gut, dann geh ich mal ins Restaurant gegenueber und trinke einen Kaffee. Von dort aus konnte ich auch den Namen des Geschaeftes lesen "El Rufián melancólico" ... der Verkaeufer stand inzwischen auf der Strasse und schaute, ... oje, es war ja schon 20 Uhr. Der wollte bestimmt sein Geschaeft zumachen. Habe dem Kellner meinen 100er in die Hand gedrueckt, das Wechselgeld in meine Ledertasche gestopft und bin zurueck um die Zeitschriften zu kaufen ... als haette ich es geahnt und als haette eine ueberirdische Hand mich ein zweites Mal in diesen Laden gefuehrt beginnt nun eigentlich das magische an dieser Geschichte. Ich fragte was "El Rufían" bedeutet. Der Mann, er heisst uebrigens Jorge, hat mir darauf die Geschichte eines Zuhaelters erzaehlt, der sich ungluecklich in einer seiner Frauen verliebt ... dabei fiel mir auf, dass der Herr offensichtlich kein argentinisches Spanisch sprach und tatsaechlich, er kommt aus Chile ... und ist eigentlich Designer, Designer von Dingen aus Leder ... und ja, am liebsten macht er Tangoschuhe. Alles speziell auf die Person abgestimmte Designerschuhe. Nach einem ausserst philosophischen Gespraech ueber Schuhe und Tango habe ich mich zwar dann fast nicht getraut es zu fragen. Mich hat es aber so unter den Naegeln, um genau zu sein unter den Fussnaegeln gejuckt, dass ich es schliesslich doch getan habe: ich habe gefragt, ob er mir auch ein Paar macht. Mir war in dem Moment eigentlich fast egal wieviel es kostet, viel mehr Angst hatte ich, dass er sagt: Nein, tut mir leid, fuer Dich mach ich keine. Mir schien naemlich, dass er "seine" Schuhe nur in gute Haende abgegibt...
Nun denn, es wurde Mass genommen und ich konnte meine Ideen und Wuensche aeussern. Morgen suche ich dann das Leder aus...
Hab mich dann verabschiedet und bin aus dem Geschaeft hinaus ... ja, fast schon geschwebt.
Konnte es gar nicht glauben und waere fast geplatzt vor Glueck... ich weiss, das koennen wohl nur tangotanzende Frauen verstehen, die einen absoluten Schuhtick und Hang zur Nostalgie haben.
Ja, und genau aus diesem Grund mag ich San Telmo so gerne. Weil es Geschichten vom Leben erzaehlt.
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| Januartage |
... Tango: ich war inzwischen richtig oft tanzen, sowohl zu Stunden als auch auf Milongas. Und es ist einfach toll!
... habe die "Manazanas de las Luces" besucht, wohl die erste europaeische Siedlung in Argentinien (von Jesuitenmoenchen gegruendet um 1650)
... ich habe einen SAP-Anschluss und einen argentinischen email-Account.
... Schlussverkauf und noch mehr Schuhe
Sonntag, 20. Januar 2008
2008 - und die Zeit rennt!
Die letzten Tage vergingen wie im Flug, kaum hatte ich mal Zeit mich ein paar Minuten ruhig hin zu setzen. Das habe ich vor allem meinem Neujahrsvorsatz mehr Tango zu tanzen zu verdanken. Ich war inzwischen auf einigen Milongas und konnte mich vor allem für die Queermilonga "Mano a Mano" im Salon Canning begeistern. Hab jetzt auch noch einen Tanzlehrer verpflichtet und nehme nun also Stunden bei Sabrina und Diego. Traumhaft!Hab mir auch viel neue und gute Musik besorgt und bin wieder voll im Tanzfieber! Ansonsten habe ich mich viel mit Freunden getroffen, Spanisch gelernt und es mir gut gehen lassen. Ein paar Tage war es hier in Buenos Aires unerträglich heiss (37 Grad, gefühlte 42 Grad laut Wetterbericht) und ich war froh wenn ich mich in klimatisierten Räumen aufhalten konnte. Der Sommer hier hat natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit. Die meisten haben im Januar zwei Wochen Urlaub und momentan ist das Büro nur halb besetzt (so wie in Deutschland im August). Und es geht auch nur noch um das Thema Urlaub. Zur ersten Frage meiner lieben Kollegen, Taxifahrer usw. neben "Tienes novio?" hat sich jetzt eine zweite gesellt "Tienes los vaciones?" .
Toll war die letzten Tage:
-> mein Ausflug nach China - oder besser gesagt ins Barrio Chino
-> meine spontane Fahrt aufs Land nach einer durchgetanzten Tangonacht
-> Schlammschlachten in kleinen Bächen
-> Bife de Lomo in San Antonio de Arecos mit Fanni, Lou, Gaspar, Mattías und Eric
-> Abendessen mit Fanni und Louisa
-> Sommergewitter nach den heissen Tagen
-> Gespräche mit meinen Hausbewohnern Bobby, Gilberto y Francois
-> Shopping Avenida Santa Fé
-> ein Sonntagnachmittag in San Telmo beim Freilufttango am Plaza Dorrego
-> Party bei Guillermito und Jeronimo
-> Einweihungsfeier bei Irene mit zwei hochschwangeren Freundinnen und dem Rest ihrer Mädchenclique
-> Alejandra beim Tango tanzen sehen
-> Samstagnachmittag abgammeln bei Gaspar am Pool
-> Laufen im Park von Palermo
-> Maté auf der Dachterrasse mit Arne und Guille
-> Bruna - die weltbeste Spanischlehrerin
-> schöne Musik in einem kleinen, symphatischen Lädchen entdecken
-> sich in der Abendsonne nach einer Runde schwimmen aufwärmen
-> meine neue Handtasche!
-> Französinnen beim Abendessen Gesellschaft leisten und ihnen beim Sprechen lauschen
-> die interessanten Menschen, die ich beim Tango tanzen kennen gelernt habe
-> durch Palermo bummeln
-> auf der Dachterrasse sitzen und den Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen
-> auf dem Rio de la Plata mit dem Segelboot rumschippern
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| 2008 |
Toll war die letzten Tage:
-> mein Ausflug nach China - oder besser gesagt ins Barrio Chino
-> meine spontane Fahrt aufs Land nach einer durchgetanzten Tangonacht
-> Schlammschlachten in kleinen Bächen
-> Bife de Lomo in San Antonio de Arecos mit Fanni, Lou, Gaspar, Mattías und Eric
-> Abendessen mit Fanni und Louisa
-> Sommergewitter nach den heissen Tagen
-> Gespräche mit meinen Hausbewohnern Bobby, Gilberto y Francois
-> Shopping Avenida Santa Fé
-> ein Sonntagnachmittag in San Telmo beim Freilufttango am Plaza Dorrego
-> Party bei Guillermito und Jeronimo
-> Einweihungsfeier bei Irene mit zwei hochschwangeren Freundinnen und dem Rest ihrer Mädchenclique
-> Alejandra beim Tango tanzen sehen
-> Samstagnachmittag abgammeln bei Gaspar am Pool
-> Laufen im Park von Palermo
-> Maté auf der Dachterrasse mit Arne und Guille
-> Bruna - die weltbeste Spanischlehrerin
-> schöne Musik in einem kleinen, symphatischen Lädchen entdecken
-> sich in der Abendsonne nach einer Runde schwimmen aufwärmen
-> meine neue Handtasche!
-> Französinnen beim Abendessen Gesellschaft leisten und ihnen beim Sprechen lauschen
-> die interessanten Menschen, die ich beim Tango tanzen kennen gelernt habe
-> durch Palermo bummeln
-> auf der Dachterrasse sitzen und den Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen
-> auf dem Rio de la Plata mit dem Segelboot rumschippern
Mittwoch, 2. Januar 2008
Sylvester 2007
Nachmittags waren Florencia, Mariella, Gustavo und ich noch auf dem Campo einer Freundin und haben es uns in der Sonne gut gehen lassen. Danach hieß es für Flor und mich husch, husch in die schicken Klamotten springen und zum Hof ihrer Onkels zu fahren. Der Hof liegt von der nächsten menschlichen Behausung ca. 40 km entfernt… und ist über Feldwege zu erreichen. Dort angekommen hat uns Carmen, die Gastgeberin erstmal mit Champagner versorgt und uns den anderen Gästen vorgestellt. Eine internationale Mischung aus Italien, Schweiz, Deutschland, Nigeria und Argentinien. Ich habe mich sehr gut unterhalten, auch wenn mein Sprachzentrum mal wieder ordentlich gefordert wurde ;-)
Von der Enkelin bis zur Urgrossmutter war alles vertreten und die Zeit bis 0 Uhr verging bei Plaudern an einer wunderbar lauen Sommernacht unter dem fantastischen Sternenhimmel den ich je gesehen habe unglaublich schnell. Ich glaub der Sternenhimmel ist deswegen hier in Argentinien soviel schöner, da es kaum Städte oder Dörfer gibt, die durch ihr Licht die Sicht behindern könnten … und in der südlichen Hemisphäre sieht man wohl manche Sternenkonstellationen die man bei uns erst gar nicht sieht …
Um Punkt 0 Uhr wurde mir in verschiedenen Sprachen, doch immer auf das Allerherzlichste ein Frohes und Gesundes Jahr 2008 gewünscht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und war einfach nur froh, dass ich dieses Moment mit diesen Menschen genießen durfte.
Später gab es noch ein fantastischen Feuerwerk und um die Nacht auf dem Hof abzurunden ein riesiges Lagerfeuer. Zuvor durfte jeder bereits auf einen Zettel schreiben, was er im alten Jahr hinter sich lassen möchte … dieser wurde dann feierlich im Feuer verbrannt. Es wurde wild getanzt und gelacht, Florencia hat es sich nicht nehmen lassen gemeinsam mit dem italienischen Grossvater von Carmen ein Ständchen zu intonieren und so bekam ich in dieser Nacht auch noch „O sole mio“ live zu hören. Und zwischendrin wuselten trotz der fortgeschrittenen Stunde die Kinder herum, auch die allerkleinste, Julia (15 Monate) hilft tapfer bis um 3 Uhr morgens durch. Ohne das ohne Mucken! Im Gegenteil, es war ihr offensichtlich eine reinste Freude im Eis des Champagnerkübels rumzuwühlen und alle mit frischen Eiswürfeln zu versorgen … ;-)
Florencia, Gustavo, zwei Cousins und ich sind dann noch nach Victoria an den Strand gefahren um uns mit den Freunden aus Buenos Aires zu treffen… bis 7 Uhr morgens haben wir zu Cumbiamusik barfuss im Sand getanzt und sind dann irgendwann nach Hause zu Florencia gewackelt. Den nächsten Tag sind wir dann – vor allem wegen der 38 Grad im Schatten an diesem Tag – recht ruhig angegangen. Haben erstmal lange ausgeschlafen und uns mit Mate in die Hängematte gelegt. Später sind war dann noch zu einem Benediktiner-Kloster in der Nähe gefahren (wir: Florencia, Mariella, Gustavo, Pilar, Mahi, Gaspar und ich) und haben uns mit selbst gemachtem Honig, Marmelade und Likör versorgt. Anschließend ging es weiter zu den Jungs aus Buenos Aires, die sich ja für Sylvester eine Ferienwohnung gemietet hatten und haben am Pool mit Mate und brasilianischer Musik den Abend ausklingen lassen… Bevor es dann mit Pilar, Mahi und Gustavo wieder zurück nach Buenos Aires ging hat uns noch die Dorfkapelle mit Folkloremusik auf dem Markplatz verabschiedet ;-)
Auf der ganzen Fahrt nach Buenos Aires habe ich mir gedacht wie toll doch die Tage hier in Entre Rios waren und wie froh ich bin, dass ich diese Menschen kennen lernen durfte, die mich hier so unheimlich herzlich und freundlich aufgenommen haben die letzten Tage. Heimweh hatte ich trotz der Entfernung von zu Hause eigentlich nur einmal ganz kurz, ansonsten hab ich mich so wohl gefühlt, dass ich gerne Florencias Angebot wahrnehme und bald noch mal ein Wochenende mit ihr dort verbringe … Danke von Herzem an Florencia und Guille, die mir diese Erfahrung ermöglich haben!!!
Um 3 Uhr morgens in Buenos Aires angekommen bin ich glücklich uns zufrieden und gut erholt eingeschlafen … ;-)
Von der Enkelin bis zur Urgrossmutter war alles vertreten und die Zeit bis 0 Uhr verging bei Plaudern an einer wunderbar lauen Sommernacht unter dem fantastischen Sternenhimmel den ich je gesehen habe unglaublich schnell. Ich glaub der Sternenhimmel ist deswegen hier in Argentinien soviel schöner, da es kaum Städte oder Dörfer gibt, die durch ihr Licht die Sicht behindern könnten … und in der südlichen Hemisphäre sieht man wohl manche Sternenkonstellationen die man bei uns erst gar nicht sieht …
Um Punkt 0 Uhr wurde mir in verschiedenen Sprachen, doch immer auf das Allerherzlichste ein Frohes und Gesundes Jahr 2008 gewünscht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und war einfach nur froh, dass ich dieses Moment mit diesen Menschen genießen durfte.
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| Sylvester |
Später gab es noch ein fantastischen Feuerwerk und um die Nacht auf dem Hof abzurunden ein riesiges Lagerfeuer. Zuvor durfte jeder bereits auf einen Zettel schreiben, was er im alten Jahr hinter sich lassen möchte … dieser wurde dann feierlich im Feuer verbrannt. Es wurde wild getanzt und gelacht, Florencia hat es sich nicht nehmen lassen gemeinsam mit dem italienischen Grossvater von Carmen ein Ständchen zu intonieren und so bekam ich in dieser Nacht auch noch „O sole mio“ live zu hören. Und zwischendrin wuselten trotz der fortgeschrittenen Stunde die Kinder herum, auch die allerkleinste, Julia (15 Monate) hilft tapfer bis um 3 Uhr morgens durch. Ohne das ohne Mucken! Im Gegenteil, es war ihr offensichtlich eine reinste Freude im Eis des Champagnerkübels rumzuwühlen und alle mit frischen Eiswürfeln zu versorgen … ;-)
Florencia, Gustavo, zwei Cousins und ich sind dann noch nach Victoria an den Strand gefahren um uns mit den Freunden aus Buenos Aires zu treffen… bis 7 Uhr morgens haben wir zu Cumbiamusik barfuss im Sand getanzt und sind dann irgendwann nach Hause zu Florencia gewackelt. Den nächsten Tag sind wir dann – vor allem wegen der 38 Grad im Schatten an diesem Tag – recht ruhig angegangen. Haben erstmal lange ausgeschlafen und uns mit Mate in die Hängematte gelegt. Später sind war dann noch zu einem Benediktiner-Kloster in der Nähe gefahren (wir: Florencia, Mariella, Gustavo, Pilar, Mahi, Gaspar und ich) und haben uns mit selbst gemachtem Honig, Marmelade und Likör versorgt. Anschließend ging es weiter zu den Jungs aus Buenos Aires, die sich ja für Sylvester eine Ferienwohnung gemietet hatten und haben am Pool mit Mate und brasilianischer Musik den Abend ausklingen lassen… Bevor es dann mit Pilar, Mahi und Gustavo wieder zurück nach Buenos Aires ging hat uns noch die Dorfkapelle mit Folkloremusik auf dem Markplatz verabschiedet ;-)
Auf der ganzen Fahrt nach Buenos Aires habe ich mir gedacht wie toll doch die Tage hier in Entre Rios waren und wie froh ich bin, dass ich diese Menschen kennen lernen durfte, die mich hier so unheimlich herzlich und freundlich aufgenommen haben die letzten Tage. Heimweh hatte ich trotz der Entfernung von zu Hause eigentlich nur einmal ganz kurz, ansonsten hab ich mich so wohl gefühlt, dass ich gerne Florencias Angebot wahrnehme und bald noch mal ein Wochenende mit ihr dort verbringe … Danke von Herzem an Florencia und Guille, die mir diese Erfahrung ermöglich haben!!!
Um 3 Uhr morgens in Buenos Aires angekommen bin ich glücklich uns zufrieden und gut erholt eingeschlafen … ;-)
Die Tage zwischen den Jahren
Sonnenaufgang - Sonnenuntergang
Wie angekündigt bin ich letzte Woche gemeinsam mit Guillermos Schwester Trinidad nach Rosario gefahren. Wir mussten zwar um 5:00 Uhr aufstehen um den Bus nach Rosario zu erwischen, aber dafür wurden wir von einem traumhaften Sonnenaufgang über den kleinen Seen und Flussauen der Landschaft entschädigt.. schlaftrunken kamen wir dann nach einer Stunde Fahrt in dem 1 Mio Einwohner Städtchen Rosario an. Während Trinidad in die Uni ist habe ich mich erstmal ausgeschlafen und bin anschließend durch die Stadt geschlendert. Das unbestritten Schönste in Rosario ist das Flussufer des Río Parana an dem sich Galerien, Restaurants, Bars, Strände und Parks quasi nahtlos aneinander reihen. Dort war ich dann auch erstmal laufen und habe den Anglern und den vorbeidümpelnden Containerschiffen zugesehen. Die Atmosphäre in der frühen Abenddämmerung war einfach toll und ich konnte mich lange nicht von dort losreißen. Spätabends habe ich vor allem mit meiner argentinischen SIM-Karte rumgeärgert, die Gute hat mal wieder Zicken gemacht. Dank der sehr aufmerksamen und hilfsbereiten Unterstützung von zwei Kioskbesitzern hab ich das Telefon aber doch schließlich wieder zum Laufen gebracht… ;-)
Am nächsten Morgen war ich dann gleich noch mal am Ufer entlang laufen, kurz in der Stadt um mir noch ein paar sehenswerte Gebäude anzusehen [vom Wohnhaus Che Guevaras war ich übrigens herbe enttäuscht, von außen hätte ich es ohne die Hilfe meines Reiseführers sicher nicht wahrgenommen] und bin dann mit dem Bummelbus wieder zurück nach Victoria.
Victoria ist zwar mit 40.000 Einwohnern gar nicht mal so klein, aber trotzdem hat des das Flair eines Dorfes. Es gibt einen schönen Marktplatz mit Kirche und der Kneipe wo sich jung und alt trifft: „El Banco“ ansonsten passiert – glaub ich – nicht sehr viel hier. Trotzdem ist Victoria eine typische Stadt des „Interior“ des Landesinneren. Da sich Kultur, Politik und Lehre fast ausschließlich in der Megacity Buenos Aires konzentrieren habe ich hier schon manchmal das Gefühl die Zeit wäre stehen geblieben. Das Leben der Bewohner läuft auch sehr viel geordneter und ruhiger ab als in der Hauptstadt. Das entspannte Maté trinken zu jeder Gelegenheit und die stoische Ruhe der Leute vermittelt mir teilweise das Gefühl, als wäre ich hier tatsächlich an einem Ort an dem die Uhren etwas langsamer ticken als im Rest der Welt.
Als ich schließlich aus Rosario wieder dort ankam hat mich dann Florencia, Guilles Cousine in Empfang genommen und wir sind mit dem Fahrrad durch die Stadt gedüst und haben uns anschließend im Pool abgekühlt. Puh, und hier kennt scheinbar echt jeder, jeden… Florencia hat jedenfalls ständig irgendwelche Leute begrüßt und irgendwie wusste auch jeder, dass die „Alemana“ im Lande ist. Und auch jeder, dass ich mit Guillermo Weihnachten gefeiert habe und jetzt bei seiner Familie wohne, was anscheinend die Gerüchteküche ordentlich zum brodeln gebracht hat. Mich wiederum auf die glorreiche Idee, dass ich Guillermo in der Arbeit als meinen „Novio“ verkaufe und mir dadurch die lästige Nachfragerei meiner lieben Kollegen erspare. *grins*
Am Freitag bin ich dann noch zu Florencia und ihrer Mama ein paar Ecken umgezogen. Ihr Freund Gustavo und seine Freunde aus Buenos Aires sind an dem Abend in ihrem Ferienhäuschen angekommen und wir wollten ja alle gemeinsam ein paar Tage hier am Fluss und in der Sonne verbringen. Die letzten Tage bestanden nun also aus sonnen, lesen, im Fluss baden, Maté trinken, Wasserskifahren, in den Pool springen, Sonnenuntergänge bewundern, Abends in der „Dorfkneipe“ noch was trinken, Asado vorbereiten, im Mondschein tanzen, den fantastisches Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre ansehen, mit der Familie von Florencia zu zwölft Mittagessen, argentinische Speisen ausprobieren [superlecker: gebackene Süsskartoffel (papata) – es gibt also doch mehr als Rindfleisch ;-)], mit der Mama Silvina und der Oma Tita aufs Land fahren, über Gott und die Welt reden, Hawaianas kaufen, die Mittagshitze verschlafen, Familienmitgliedern Rede und Antwort über meine Herkunft stehen – ja, einfach mit den Argentiniern leben.
Die letzten Tage war es unheimlich heiß (über 33 Grad), daher haben wir meistens vor 16 Uhr das Haus nicht verlassen. Hier im Landesinneren von Argentinien wird auch strikt das Gesetz der Siesta eingehalten, d.h. zwischen 13:30 Uhr und 17 Uhr haben die Geschäfte zu und eigentlich ist auch keiner auf Strasse unterwegs. Ansonsten ist hier das Leben doch noch etwas anders als in Deutschland, die Familie hat eine viel größere Bedeutung als bei uns, es wird viel gemeinsam gemacht und so ist z.B. üblich Sylvester mit der Familie zu verbringen (ähnlich wie Weihnachten) und eher selten mit Freunden. Gustavos Freunde machen da dieses Jahr eine Ausnahme. So viele Kleinigkeiten finde ich hier unheimlich schön, die Herzlichkeit, die Solidarität und die etwas entspanntere Art zu leben, manche Dinge treiben mich allerdings dann doch mal zur Weißglut. Aber die möchte ich jetzt gar nicht weiter ausbreiten ;-)
Da die Hitze gerade meinen Kopf etwas lähmt werde ich mich mal wieder zu Florencia und ihrer Mama gesellen… Bis im neuen Jahr dann!
Wie angekündigt bin ich letzte Woche gemeinsam mit Guillermos Schwester Trinidad nach Rosario gefahren. Wir mussten zwar um 5:00 Uhr aufstehen um den Bus nach Rosario zu erwischen, aber dafür wurden wir von einem traumhaften Sonnenaufgang über den kleinen Seen und Flussauen der Landschaft entschädigt.. schlaftrunken kamen wir dann nach einer Stunde Fahrt in dem 1 Mio Einwohner Städtchen Rosario an. Während Trinidad in die Uni ist habe ich mich erstmal ausgeschlafen und bin anschließend durch die Stadt geschlendert. Das unbestritten Schönste in Rosario ist das Flussufer des Río Parana an dem sich Galerien, Restaurants, Bars, Strände und Parks quasi nahtlos aneinander reihen. Dort war ich dann auch erstmal laufen und habe den Anglern und den vorbeidümpelnden Containerschiffen zugesehen. Die Atmosphäre in der frühen Abenddämmerung war einfach toll und ich konnte mich lange nicht von dort losreißen. Spätabends habe ich vor allem mit meiner argentinischen SIM-Karte rumgeärgert, die Gute hat mal wieder Zicken gemacht. Dank der sehr aufmerksamen und hilfsbereiten Unterstützung von zwei Kioskbesitzern hab ich das Telefon aber doch schließlich wieder zum Laufen gebracht… ;-)
Am nächsten Morgen war ich dann gleich noch mal am Ufer entlang laufen, kurz in der Stadt um mir noch ein paar sehenswerte Gebäude anzusehen [vom Wohnhaus Che Guevaras war ich übrigens herbe enttäuscht, von außen hätte ich es ohne die Hilfe meines Reiseführers sicher nicht wahrgenommen] und bin dann mit dem Bummelbus wieder zurück nach Victoria.
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| Zwischen den Jahren |
Victoria ist zwar mit 40.000 Einwohnern gar nicht mal so klein, aber trotzdem hat des das Flair eines Dorfes. Es gibt einen schönen Marktplatz mit Kirche und der Kneipe wo sich jung und alt trifft: „El Banco“ ansonsten passiert – glaub ich – nicht sehr viel hier. Trotzdem ist Victoria eine typische Stadt des „Interior“ des Landesinneren. Da sich Kultur, Politik und Lehre fast ausschließlich in der Megacity Buenos Aires konzentrieren habe ich hier schon manchmal das Gefühl die Zeit wäre stehen geblieben. Das Leben der Bewohner läuft auch sehr viel geordneter und ruhiger ab als in der Hauptstadt. Das entspannte Maté trinken zu jeder Gelegenheit und die stoische Ruhe der Leute vermittelt mir teilweise das Gefühl, als wäre ich hier tatsächlich an einem Ort an dem die Uhren etwas langsamer ticken als im Rest der Welt.
Als ich schließlich aus Rosario wieder dort ankam hat mich dann Florencia, Guilles Cousine in Empfang genommen und wir sind mit dem Fahrrad durch die Stadt gedüst und haben uns anschließend im Pool abgekühlt. Puh, und hier kennt scheinbar echt jeder, jeden… Florencia hat jedenfalls ständig irgendwelche Leute begrüßt und irgendwie wusste auch jeder, dass die „Alemana“ im Lande ist. Und auch jeder, dass ich mit Guillermo Weihnachten gefeiert habe und jetzt bei seiner Familie wohne, was anscheinend die Gerüchteküche ordentlich zum brodeln gebracht hat. Mich wiederum auf die glorreiche Idee, dass ich Guillermo in der Arbeit als meinen „Novio“ verkaufe und mir dadurch die lästige Nachfragerei meiner lieben Kollegen erspare. *grins*
Am Freitag bin ich dann noch zu Florencia und ihrer Mama ein paar Ecken umgezogen. Ihr Freund Gustavo und seine Freunde aus Buenos Aires sind an dem Abend in ihrem Ferienhäuschen angekommen und wir wollten ja alle gemeinsam ein paar Tage hier am Fluss und in der Sonne verbringen. Die letzten Tage bestanden nun also aus sonnen, lesen, im Fluss baden, Maté trinken, Wasserskifahren, in den Pool springen, Sonnenuntergänge bewundern, Abends in der „Dorfkneipe“ noch was trinken, Asado vorbereiten, im Mondschein tanzen, den fantastisches Sternenhimmel der südlichen Hemisphäre ansehen, mit der Familie von Florencia zu zwölft Mittagessen, argentinische Speisen ausprobieren [superlecker: gebackene Süsskartoffel (papata) – es gibt also doch mehr als Rindfleisch ;-)], mit der Mama Silvina und der Oma Tita aufs Land fahren, über Gott und die Welt reden, Hawaianas kaufen, die Mittagshitze verschlafen, Familienmitgliedern Rede und Antwort über meine Herkunft stehen – ja, einfach mit den Argentiniern leben.
Die letzten Tage war es unheimlich heiß (über 33 Grad), daher haben wir meistens vor 16 Uhr das Haus nicht verlassen. Hier im Landesinneren von Argentinien wird auch strikt das Gesetz der Siesta eingehalten, d.h. zwischen 13:30 Uhr und 17 Uhr haben die Geschäfte zu und eigentlich ist auch keiner auf Strasse unterwegs. Ansonsten ist hier das Leben doch noch etwas anders als in Deutschland, die Familie hat eine viel größere Bedeutung als bei uns, es wird viel gemeinsam gemacht und so ist z.B. üblich Sylvester mit der Familie zu verbringen (ähnlich wie Weihnachten) und eher selten mit Freunden. Gustavos Freunde machen da dieses Jahr eine Ausnahme. So viele Kleinigkeiten finde ich hier unheimlich schön, die Herzlichkeit, die Solidarität und die etwas entspanntere Art zu leben, manche Dinge treiben mich allerdings dann doch mal zur Weißglut. Aber die möchte ich jetzt gar nicht weiter ausbreiten ;-)
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| Zwischen den Jahren 2 |
Da die Hitze gerade meinen Kopf etwas lähmt werde ich mich mal wieder zu Florencia und ihrer Mama gesellen… Bis im neuen Jahr dann!
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